Machtwechsel in Zypern

Konservativer Politiker Anastasiades will "Neustart"

Nicos Anastasiades, konservativer Kandidat hat die Wahl für sich entschieden (picture alliance / dpa / Katia Christodoulou)
Nicos Anastasiades, konservativer Kandidat hat die Wahl für sich entschieden (picture alliance / dpa / Katia Christodoulou)

Wende in Zypern: Nach fünf Jahren übernimmt mit Nikos Anastasiades erstmals wieder ein Konservativer das Amt des Ministerpräsidenten. Bei der Stichwahl setzte er sich klar gegen seinen von den Kommunisten unterstützten Rivalen Stavros Malas durch.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erhielt Anastiades57,5 Prozent der Stimmen. Der Kandidat der Linken, Malas, kam auf 42,5 Prozent und räumte seine Niederlage ein.

Der pro-europäische Anastasiades will für Zypern einen "Neustart" und das Land wieder auf europäischen Kurs bringen. Er tritt für schnelle Umschuldungs-Verhandlungen mit den internationalen Gläubigern der Inselrepublik im Mittelmeer ein. "Das ist ein klares und starkes Mandat für Veränderungen, Reformen und dafür, den Teufelskreis der Krisen in unserem Land zu beenden", sagte sein Sprecher zum Wahlausgang.

Glückwünsche vom EU-Kommissionspräsidenten

EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso gratulierte dem 66-jährigen Wahlsieger. Anastasiades könne auf die Bereitschaft der EU zählen, Zypern im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen zu unterstützen, teilte Barroso via Twitter mit.

Anastasiades galt bereits vor der Wahl als Favorit. In der ersten Runde hatte er klar mit 45,5 Prozent die Nase vorn, allerdings die nötige absolute Mehrheit verfehlt. Seinen Gegenkandidaten, den linken Arzt Stavros Malas, verwies Anastiasiades heute auf die Plätze. Malas kam auf rund 40 Prozent - vergangenen Sonntag war er überraschend mit 26,9 Prozent als Zweitplatzierter aus der ersten Runde hervorgegangen. Er lehnt Privatisierungen als Maßnahme zur Sanierung der Staatsfinanzen ab und wähnte die Aufbaupartei des werktätigen Volkes (AKEL) hinter sich, die kommunistische Wurzeln hat.

Mit Anastasiades wird nach fünf Jahren wieder ein Konservativer das EU-Land Zypern führen. Der bisher regierende kommunistische Präsident, Dimitris Christofias, war wegen des Scheiterns seiner Finanzpolitik nicht für eine zweite Amtszeit angetreten.

Präsidentschaftsstichwahl von Finanzkrise überschattet

Ein-Euro-Münze Zypern (picture alliance / dpa / Stephan Persch)Die Finanzkrise spielte eine bedeutende Rolle im Wahlkampf (picture alliance / dpa / Stephan Persch)Die Situation des Inselstaates ist mehr als kritisch: Geld ist nach offiziellen Angaben noch bis Ende März vorhanden. Zypern braucht nach Angaben aus offiziellen Quellen dringend 17,5 Milliarden Euro, um seine Staatsfinanzen und Banken zu stabilisieren. Dies entspricht der Wirtschaftsleistung eines Jahres. Schafft es die Insel nicht, diese Probleme in den Griff zu bekommen, könnte sie gezwungen sein, als erster EU-Staat die Eurozone zu verlassen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte, dass im Falle des zyprischen Hilfsantrags Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe. Zypern müsse nachweisen, dass das Land systemrelevant für die Eurozone sei, sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Dies sei eine Voraussetzung, die nicht nur für den Bundestag maßgeblich sei, sondern auch für eine mögliche Überprüfung durch Gerichte.

Viele Zyprer befürchten, dass sie bei einem harten Sparprogramm verarmen werden und dass man künftig auch auf der Insel Elendsszenen wie im benachbarten Griechenland sehen werde.

Mehrheit der Deutschen gegen Zypern-Hilfen

Eine klare Mehrheit der Bürger in Deutschland hält laut einer Umfrage Milliarden-Hilfen der Euro-Partner für Zypern für falsch. 63 Prozent sprechen sich gegen eine Unterstützung für das Euro-Land und seine angeschlagenen Banken aus, nur 16 Prozent sind dafür, ergab eine Umfrage der Meinungsforscher von YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Eine große Rolle bei der Haltung der Bürger spielt der Verdacht, dass russische Anleger bei zyprischen Banken Geld waschen.

Zypern ist seit 1974 nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt. Im Norden gibt es die von türkischen Truppen besetzte Türkische Republik Nordzypern, die aber nur von der Türkei anerkannt wird. Die Republik Zypern ist Mitglied der EU. Das EU-Recht gilt jedoch wegen der Teilung nur im Süden der Insel.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr