Massive Kritik vor dem Finale des Eurovision Song Contest

Grünen-Politiker Beck besorgt um Oppositionelle in Aserbaidschan

Der 21-jährige Roman Lob repräsentiert Deutschland in Baku (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Der 21-jährige Roman Lob repräsentiert Deutschland in Baku (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Das Eurovision Song Contest-Fieber steigt. Zugleich wird aber auch die Kritik an der Menschenrechtslage im Gastgeberland Aserbaidschan lauter. In der Hauptstadt Baku kam es in den vergangenen Tagen zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Mindestens 70 Menschen wurden festgenommen.

Geschätzte 120 Millionen Menschen in ganz Europa werden die größte Fernsehshow des Kontinents an ihren Bildschirmen verfolgen. Überschattet wird der Eurovision Song Contest jedoch von schwerer Kritik an der autoritären Regierung von Aserbaidschan. Dort ist die Polizei erneut gegen oppositionelle Demonstranten vorgegangen.

Dutzende Menschen hatten sich in der Hauptstadt Baku versammelt, um gegen den autoritär regierenden Präsidenten Alijew zu protestieren. Mehr als 70 von ihnen seien festgenommen und zum Teil mehrere Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ausgesetzt worden, berichten Regierungsgegner. Vier Teilnehmer der nicht genehmigten Demonstration seien im Schnellverfahren zu fünf bis sechs Tagen Arrest verurteilt worden, berichtete das Internetportal "contact.az". In den vergangenen Tagen hatte es bereits mehrfach Zusammenstöße zwischen Oppositionellen und der Polizei gegeben. Am 6. Juni will sich US-Außenministerin Hillary Clinton mit Oppositionsvertretern Aserbaidschans treffen.

Sorge vor weiteren Repressalien gegen Oppositionelle wächst

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck (Horst Galuschka /dpa)Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Volker Beck (Horst Galuschka /dpa)Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck forderte die Ausrichter des Song Contests auf, ihre Vergabepraxis zu überdenken. "Dass nicht der Automatismus in jedem Fall greifen muss, ein Land gewinnt den Contest und dann darf sich das Regime entsprechend darstellen", sagte Beck im Deutschlandradio Kultur. Er befürchtet nach dem Eurovision Song Contest Repressalien gegen Oppositionelle und habe große Sorge, dass die Menschen büßen müssten, die im Vorfeld der Veranstaltung etwas mutiger als sonst aufgetreten seien. Er appellierte an die Medien, auch nach dem heutigen Finale über die Zustände in Aserbaidschan zu berichten.

Der aserbaidschanischer Blogger Emin Milli sagt, der Eurovision Song Contest stelle ein moralisches Dilemma für die Sänger dar. Im Deutschlandfunk sagte er, er hoffe, dass Sänger während des Wettbewerbs Proteste aussprechen. Auch Milli befürchtet, dass die Repressionen gegen Oppositionelle nach dem Song Contest weitergehen werden.

Amnesty vergibt null Punkte

Aktivisten von Amnesty International protestieren gegen die Menschenrechtslage in Aserbaidschan. (picture alliance / dpa / Stefan Puchner)Aktivisten von Amnesty International protestieren gegen die Menschenrechtslage in Aserbaidschan. (picture alliance / dpa / Stefan Puchner)Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat der Regierung von Aserbaidschan symbolisch "null Punkte" gegeben. Etwa 500 Mitglieder zeigten am Samstag bei der Jahresversammlung der Organisation in Neu-Ulm gelbe Schilder mit einer großen schwarzen Null darauf. "Wir fordern auch die Regierung in Deutschland auf, weiter Druck auf die Regierung in Aserbaidschan zu machen", sagte Amnesty-Sprecher Ferdinand Muggenthaler. Die Organisation habe 17 Fälle dokumentiert, in denen es zu Verurteilungen kam, weil Menschen in dem Land friedlich ihre regierungskritische Meinung geäußert hätten.

Die Führung von Präsident Ilcham Alijew hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und sich massiv über "einseitige" Berichterstattung westlicher Medien beklagt. Kritiker werfen Alijew Unterdrückung Andersdenkender und Verstöße gegen die Menschenrechte vor. Auch während des Eurovision Song Contest gingen die Sicherheitskräfte vor den internationalen Fernsehkameras teilweise brutal gegen Regierungsgegner vor.

Eine Ballade für Deutschland

Für Deutschland singt der 21-jährige Roman Lob aus Rheinland-Pfalz beim 57. Grand Prix in Baku, der um 21 Uhr MESZ beginnt. Mit "Standing Still" tritt der gelernte Industriemechaniker gegen 25 Konkurrenten an. Als Favoriten auf die Musikkrone gelten aber vor allem die schwedische Sängerin Loreen mit ihrem Mystik-Dance-Popsong "Euphoria" und die russische Oma-Gruppe Buranowskije Babuschki mit dem Feiersong "Party for Everybody".

Rund um das Finale in Baku gibt es in Deutschland zwei große Grand-Prix-Partys: Auf der Hamburger Reeperbahn steigt wieder die offizielle Feier, zu der rund 5000 Menschen erwartet werden. Im Rahmenprogramm treten Stars wie Udo Lindenberg, Jan Delay und Peter Maffay auf. In der Heimatstadt von Roman Lob, im rheinland-pfälzischen Neustadt (Wied), gibt es ein Public Viewing.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr