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Mehrheit für Schwarz-Gelb - Debakel für SPD

CDU gewinnt Landtagswahl in Hessen

CDU-Spitzenkandidat Roland Koch feiert seinen Wahlsieg (AP)
CDU-Spitzenkandidat Roland Koch feiert seinen Wahlsieg (AP)

Aus der Landtagswahl in Hessen ist Hochrechnungen zufolge die CDU als stärkste Kraft hervorgegangen. Die Partei von Roland Koch kam laut Infratest-Dimap mit einem Zugewinn von 0,4 Prozentpunkten auf 37,2 Prozent der Stimmen. Die SPD mit Thorsten Schäfer-Gümbel musste herbe Verluste hinnehmen und erzielte nur 23,7 Prozent, ein Minus von fast 13 Prozentpunkten.

FDP und Grüne verzeichneten deutliche Gewinne. Die Liberalen erreichten mit ihrem Spitzenkandidaten Jörg-Uwe Hahn 16,1 Prozent, die Grünen kamen mit Tarek Al-Wazir auf 13,9 Prozent. Die Linkspartei unter Willi van Ooyen schaffte mit 5,2 Prozent erneut den Einzug ins Parlament.

Im neuen Landtag verfügen CDU und FDP somit über eine deutliche Mehrheit. Für die SPD bedeuten die Hochrechnungen das schlechteste Ergebnis in Hessen überhaupt, die FDP kann ihr bestes Ergebnis in Hessen seit mehr als 50 Jahren verbuchen.
Zu den Landtagswahlen waren rund 4,3 Millionen Bürger zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag Erhebungen zufolge bei rund 60 Prozent und damit niedriger als 2008.

Thorsten Schäfer-Gümbel und Andrea Ypsilanti (AP)Ernüchterung bei der SPD: Thorsten Schäfer-Gümbel und Andrea Ypsilanti (AP)

Ypsilanti erklärt Rücktritt

Als Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden ihrer Partei legte Andrea Ypsilanti ihre Ämter als hessische SPD-Partei- und Fraktionschefin nieder. Sie sei für die "schwere Niederlage" verantwortlich, sagte sie kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen. Ypsilanti will den Gremien Schäfer-Gümbel als neuen Fraktions- und Parteivorsitzenden vorschlagen.

CDU-Spitzenkandidat Koch zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang der Wahl. Die Christdemokraten hätten das beste Ergebnis erreicht, das man erzielen könne, betonte Koch. Er werde den Auftrag zur Regierungsbildung annehmen. Zusammen mit der FDP werde es eine stabile Mehrheit geben. Schäfer-Gümbel, sprach von einer schweren Niederlage für seine Partei. Es sei eine Denkzettelwahl gewesen, einerseits über den Weg, den seine Partei eingeschlagen habe. Andererseits darüber, dass sie ihn nicht umgesetzt habe.

Der neue Landtag soll erstmals am 5. Februar zusammentreten. Bei der Wahl vor einem Jahr hatte die CDU 36,8 Prozent der Stimmen erreicht. Sie lag damit knapp vor der SPD, die 36,7 Prozent der Wählerstimmen erzielte. Die FDP kam auf 9,4, die Grünen erreichten 7,5 Prozent. Die Linkspartei schaffte mit 5,1 Prozent den Einzug in den Landtag.

Die Neuwahl des hessischen Landtags war notwendig geworden, weil es im vergangenen Jahr keiner der Parteien gelungen war, eine neue Regierung zu bilden. Ministerpräsident Koch hatte bei dem Urnengang im Januar 2008 seine Regierungsmehrheit verloren und SPD-Chefin Andrea Ypsilanti war zweimal mit ihrem Versuch gescheitert, eine von der Linkspartei tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden. Koch blieb geschäftsführend im Amt. Der Landtag löste sich Mitte November auf und machte so den Weg für die neue Abstimmung frei.

Wahlzettel für die hessische Landtagswahl liegen in Frankfurt am Main in einem Wahllokal in Rödelheim. (AP)Wahlzettel für die hessische Landtagswahl (AP)

Auftakt zum Wahlmarathon

Die hessische Landtagswahl ist der Auftakt zu einem "Superwahljahr". Im Laufe des Jahres folgen noch 14 Urnengänge mit der Bundestagswahl als Höhepunkt sowie die Wahl des Bundespräsidenten.

Am 23. Mai steht die Wahl des Bundespräsidenten an. Dabei gilt die Wiederwahl von Amtsinhaber Horst Köhler als nahezu sicher. Am 7. Juni folgt dann ein Wahlsonntag mit Europawahl und Kommunalwahlen in acht Bundesländern.

Einen Monat vor der Bundestagswahl finden am 30. August Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen sowie im Saarland statt. Abgeschlossen wird das "Superwahljahr" am 27. September. Neben der Bundestagswahl stehen an diesem Tag auch Landtagswahlen in Brandenburg an.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr