Mehrheit lehnt weitere Flüchtlinge in Deutschland ab

Widerstand vor allem bei Anhängern von Union und AfD

Eine Gruppe von Flüchtlingen auf der Insel Lampedusa (picture alliance / dpa / Franco Lannino)
Eine Gruppe von Flüchtlingen auf der Insel Lampedusa (picture alliance / dpa / Franco Lannino)

Der Großteil der Bundesbürger will keine zusätzlichen Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen - daran ändert auch die Katastrophe vor der Insel Lampedusa nichts. Dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend zufolge waren 51 Prozent der Befragten gegen weitere Flüchtlinge.

Auch nach der Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa haben sich im neuesten Deutschlandtrend der ARD 51 Prozent der Befragten dagegen ausgesprochen, weitere Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Lediglich 43 Prozent der rund 1000 Befragten waren dafür. Die größte Ablehnung kommt mit 61 Prozent von Anhängern der Union und der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) mit 70 Prozent.

Dagegen ist der Anteil der Menschen, die mehr Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen wollen, bei Anhängern der Grünen am größten - er liegt bei 72 Prozent. Bei der SPD sind laut der Umfrage 54 Prozent dafür, bei den Linken 48 Prozent. Dass die EU als Ganzes mehr Flüchtlinge als bisher aufnimmt, dafür ist eine Mehrheit von 52 Prozent aller Befragten.

Weiter starke Flüchtlingsströme nach Italien

Für den ARD-Deutschlandtrend befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am Montag und Dienstag 1003 Wahlberechtigte. Die Bootskatastrophe vor der italienischen Insel Lampedusa hatte eine neue Debatte über die Flüchtlingspolitik in Europa ausgelöst. Bei dem Unglück haben mehr als 300 Menschen ihr Leben verloren. Trotzdem strömen weiter hunderte Flüchtlinge nach Italien. Innerhalb weniger Stunden kamen mehr als 500 Menschen an Bord von Booten vor der Küste an.

Zunächst hatten zwei Schlauchboote mit jeweils mehr als 100 Afrikanern noch aus libyschen Gewässern mit Satellitentelefonen Alarm geschlagen. Weitere 118 Flüchtlinge wurden von einem Handelsschiff nach Sizilien gebracht. Die italienische Küstenwache koordinierte die Rettungsaktionen.

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Letzte Änderung: 14.10.2013 23:11 Uhr