Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel empfängt Chinas Ministerpräsident

Li Keqiang besucht Potsdam und Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt Chinas Ministerpräsidenten Li Keqiang (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt Chinas Ministerpräsidenten Li Keqiang (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Deutschland ist das einzige EU-Land, das Chinas neuer Ministerpräsident Li Keqiang bei seiner ersten Europareise besucht. Bundeskanzlerin Merkel will mit Li über die Beziehungen beider Länder und den Handelsstreit zwischen der EU und China reden.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) seinen Vorgänger Wen Jiabao außerordentlich schätzte, weiß auch Li Keqiang. Umso wichtiger ist beim Antrittsbesuch des neuen chinesischen Ministerpräsidenten in Berlin, dass die Chemie stimmt, um an das relativ reibungslose deutsch-chinesische Verhältnis anknüpfen zu können.

Zum Auftakt seines Deutschlandbesuchs hatte der chinesische Ministerpräsident den Anspruch seines Landes auf eine unbewohnte Inselgruppe im ostchinesischen Meer bekräftigt. Japan müsse die Territorien an China zurückgeben, sagte Li in Potsdam. Die Inseln seien seinem Land einst von Japan gestohlen worden. Beide Staaten erheben Besitzansprüche auf die Inseln - im Meeresboden werden größere Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet.

Lis Besuch begann in der Gedenkstätte Cecilienhof in Brandenburg. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) begrüßte den Gast, Li habe dabei Interesse am Ausbau erneuerbarer Energien sowie des IT- und Internet-Bereichs gezeigt, sagte Platzeck anschließend.

Streit über Billig-Importe

Chinas Premierminister Li erinnert sich an seine erste Deutschlandreise 1990 (dpa / Soeren Stache)Chinas Premierminister Li erinnert sich an seine erste Deutschlandreise 1990. (dpa / Soeren Stache)Die Chancen stehen gut, dass es durch den personellen Wechsel keine Delle in den bilateralen Beziehungen geben wird. Als Geste des guten Willens hat Chinas kommunistische Führung kurz vor dem Besuch einen inhaftierten deutschen Geschäftsmann freigelassen. Die Bundesregierung betonte, sie wolle anders als die EU-Kommission kein Antidumping-Verfahren gegen Chinas Solarindustrie. Li kritisierte vor seiner Antrittsvisite die EU im Streit über Billig-Importe von Solarmodulen. Die EU-Kommission hatte zuvor den EU-Staaten als Anti-Dumping-Maßnahme Strafzölle gegen China vorgeschlagen.

«Deutschland wird alles daran setzen, dass wir in diesen Gesprächen wirklich vorankommen», sagte Merkel beim Treffen mit Li in Berlin. Sie werde für möglichst rasche Verhandlungen mit der Europäischen Union eintreten, so dass es nicht zu dauerhaften Zöllen zwischen der EU und China komme. Li Keqiang sagte, er hoffe, dass die Euro-Zone ihre Finanzprobleme lösen könne. Dies sei auch gut für die chinesische und die weltweite Entwicklung.

Deutschland ist das einzige EU-Land, das der chinesische Ministerpräsident bei seiner ersten Europareise nach seinem Amtsantritt im März besucht. Die beiden Länder wollen ihre Zusammenarbeit in der Wirtschaft und bei einer Vielzahl anderer Themengebiete verbessern.

Li will sich auch dafür einsetzen, dass die kulturellen Beziehungen beider Länder intensiviert werden. Der 57-Jährige selbst war 1990 als Vertreter der kommunistischen Jugendliga nach Tübingen gekommen, erinnerte sich Li. Dort war er in einer Phase des weltpolitischen Umbruchs und der Nachwehen des Massakers auf Pekings Platz des Himmlischen Friedens offensichtlich warmherzig aufgenommen worden. Seinerzeit sei der Grundstein für eine tief verwurzelte Freundschaft zu Deutschland gelegt worden, sagte Li.

Kontinuität heißt aber auch, dass unter Li alte Probleme bleiben könnten. In der Außenpolitik ist man sich zwar bei den Themen Nordkorea und Iran in den vergangenen Jahren nähergekommen. Aber China verhindert wie Russland einen stärkeren Druck auf Syriens Präsidenten Baschar al-Assad.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Inselstreit: Heftige Proteste gegen Japan in China
Japanische Werke in China geschlossen

China und die labile Machtbalance im Pazifik

"Wir brauchen fairen Wettbewerb"
Solarworld-Manager fordert Strafzölle gegen China

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Heimwerk

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Literatur

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Yeneroglu zu Parlamentswahl in der TürkeiAKP-Politiker erwartet faire Abstimmung

Mustafa Yeneroglu, Abgeordneter der Großen Nationalversammlung der Türkei (AKP), aufgenommen am 24.04.2016 während der ARD-Talksendung "Anne Will" zum Thema "Abhängig von Erdogan - Zu hoher Preis für weniger Flüchtlinge?" in den Studios Berlin-Adlershof. Foto: Karlheinz Schindler (picture alliance/dpa/Karlheinz Schindler)

Der türkische AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu ist davon überzeugt, dass seine Partei bei den Wahlen eine "satte Mehrheit" bekommen wird. Zugleich begrüßte er im Dlf, dass dem Linken-Politiker Andrej Hunko als OSZE-Wahlbeobachter die Einreise in die Türkei verweigert wurde.

Serie "Klassisk drastisch" - Folge elfLili Boulanger - "Soir sur la Plaine"

Axel Ranisch (li.) und Devid Striesow (re.) "Klassik drastisch". (Deutschlandradio / Anja Schäfer)

Wie muss man sich Lili Boulanger vorstellen? Traurig und lichtdurchflutet - wie eine zarte Pflanze, deren Talent durch Krankheit und Tod leider viel zu früh verblühte? Axel Ranisch liebt ihre Kompositionen.

Ökonom zu Griechenland-Rettung"Griechenland ist weiterhin auf Hilfe Dritter angewiesen"

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras bei einer Rede in Athen, bei der er eine rote Krawatte trägt  (imago/Xinhua)

Griechenland verlässt das Euro-Rettungsprogramm und steht ab August finanziell wieder auf eigenen Beinen. Der Ökonom Jens Bastian glaubt allerdings nicht, dass das Land wirklich über den Berg ist. Athen werde auch künftig die Wirtschaft nicht eigenständig ankurbeln können, sagte Bastian im Dlf.

UnionsstreitDas Undenkbare denken

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

So lange Angela Merkel Kanzlerin sei, werde es keine Deeskalation im Verhältnis zwischen CDU und CSU geben, kommentiert Dirk Birgel. Danach womöglich aber auch nicht. Vielleicht sollten beide wirklich das Undenkbare denken und getrennt marschieren.

Filmindustrie in ChinaKonkurrenz für Hollywood

Eröffnung der Wanda Qingdao Movie Metropolis in China (AFP/Wang Zhao)

Die chinesische Filmindustrie boomt und produziert gewaltige Mengen an Blockbustern - mit ihren Action-Reißern ist sie Hollywood dicht auf den Fersen. Ausländische Filme unterliegen dagegen strengen Quoten - alles im Sinne der politischen Propaganda.

US-Ausstieg aus UN-MenschenrechtsratTrump geht es erkennbar nicht um die Sache

US-Präsident Donald Trump vor dem Weißen Haus (picture alliance / Consolidated News Photos)

Der UN-Menschenrechtsrat sei eine anti-israelische Farce und gebe Unrechtsregimen Gelegenheit, ihre unmenschliche Bilanz zu verschleiern, kommentiert Marcus Pindur. Daher müsse es niemanden beunruhigen, dass Donald Trump den Austritt der USA verkündet habe. Problematisch seit der Schritt dennoch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  Russische Luftwaffe greift Provinz Daraa an | mehr

Kulturnachrichten

Welterbekomitee tagt in Bahrain: Zwei deutsche Stätten hoffen | mehr

 

| mehr