Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 16.07.2012

Merkel fordert verbindliches Klimaschutz-Abkommen

3. Petersberger Klimadialog soll Aufbruchstimmung erzeugen

Angela Merkel drängt auf einen neuen Weltklimavertrag (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Angela Merkel drängt auf einen neuen Weltklimavertrag (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat größere Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung gefordert. Beim Petersberger Klimadialog in Berlin warnte sie vor verheerenden Auswirkungen, wenn kein verbindliches Abkommen zur Reduzierung von Treibhausgasen zustande kommt.

"Ein verbindliches Regelwerk klingt wie Musik in meinen Ohren," sagte Merkel vor Umweltministern aus mehr als 30 Staaten. Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken, fordere dem Ökosystem bereits "das Äußerste" ab. Mit den bisherigen internationalen Vereinbarungen sei dieses Ziel allerdings nicht zu erreichen.

Bei der dritten Runde des von der Bundesregierung initiierten Petersberger Klimadialogs soll vor allem die UN-Klimakonferenz Ende des Jahres in Katar vorbereitet werden. Die Teilnehmer sprechen unter anderem über Finanzhilfen für Länder, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, sowie über die Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen.

Da es nicht gelungen sei, mit einem internationalen Abkommen unmittelbar an das Kyoto-Protokoll anzuschließen, müssten sich alle Akteure nun für ein Nachfolgeabkommen einsetzen, forderte Merkel. Ähnlich äußerte sich Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) bei der Eröffnung des Forums. Es müsse sich die Einsicht durchsetzen, dass Klimaschutz kein Hindernis, sondern eine Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum sei. Die anwesenden Klima- und Energieminister forderte er auf, in den Verhandlungen nach Kompromissen zu suchen.

Eine Hand hält einen Globus. (AP)Lässt sich die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen? (AP)Im Dezember war bei der Konferenz im südafrikanischen Durban der Fahrplan für einen bis 2015 geplanten Weltklimavertrag beschlossen worden, der nun konkretisiert werden soll. Außerdem soll geprüft werden, ob sich mit bisherigen Klimaschutzzusagen überhaupt noch das gemeinsame Ziel erreichen lässt, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Altmaier fordert neue Formen der Zusammenarbeit

Der Bundesumweltminister sagte im Deutschlandradio Kultur, es gehe in Berlin darum, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Das Thema sei mit der Wirtschaftskrise in vielen Ländern aus dem Blickpunkt verschwunden. Man brauche aber verbindliche Zusagen und Abkommen. Noch eine Konferenz wie in Kopenhagen könne man sich nicht leisten.

Der CDU-Politiker betonte, man werde verstärkt das Gespräch mit jenen Ländern suchen, die bislang noch nicht mitzögen. Allerdings dürften die Langsamsten nicht das Tempo beim Klimaschutz bestimmen. Daher sollte man über neue Formen der Zusammenarbeit nachdenken. Altmaier unterstrich, dies gelte auch für die Finanzierung. Es spräche aus seiner Sicht nichts dagegen, verstärkt private Investoren, wie etwa Pensionsfonds, heranzuziehen. In Dänemark würden beispielsweise Pensionsfonds verstärkt in Windkraftanlagen investieren, weil damit höhere Renditen erzielt werden könnten.

Der SPD-Umweltpolitiker Matthias Miersch sagte im Deutschlandfunk, die Bundesrepublik und die Europäische Union müssten in der Klimapolitik noch mehr als bisher eine Vorreiterrolle übernehmen. Es gebe hier viel mehr Einsparpotenzial beim CO2-Ausstoß als beispielsweise in Afrika.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Stichwort: Petersberger Klimadialog
"Enttäuschend, ernüchternd und entlarvend" - Klima-Konferenz von Durban endet ohne eine Festlegung auf Reduktionsziele
Dicke Luft und Klimawandel: Handeln wir richtig? - Worüber "Deutschland heute" spricht
Im Namen des Klimaschutzes - Der weltweite Handel mit Verschmutzungsrechten

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr