Merkel: Für Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit "schämen"

Bundeskanzlerin und Bundesinnenminister fordern, gegenzusteuern

Antisemitisches Graffito in Ueckermündes Innenstadt (Archivbild) (Thilo Schmidt)
Antisemitisches Graffito in Ueckermündes Innenstadt (Archivbild) (Thilo Schmidt)

Bundeskanzlerin Merkel und Bundesinnenminister Friedrich haben klare Worte gefunden. Darin prangern sie die feindliche Haltung von Teilen der Gesellschaft gegenüber Juden, Muslimen und Menschen fremder Herkunft an.

Die Deutschen sollten sich nach Merkels Worten "schämen". In ihrer wöchentlich ausgestrahlten Videobotschaft fordert die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende die Bürger etwa in der Mitte der Aufzeichnung auf, hier massiv gegenzusteuern. "Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit all das sind Dinge, für die wir wirklich auch sagen müssen, dass wir uns dafür schämen, dass es das in unserem Land noch gibt. Und hier haben wir alle miteinander noch sehr viel Arbeit." Merkel erinnerte in diesem Zusammenhang an den Angriff auf den Berliner Rabbiner Daniel Alter.

Als eine ihrer prägenden Erfahrungen im Jahr 2012 nannte sie die Aufklärungsarbeit zur NSU-Mordserie: "Ich glaube, dass jetzt auch alles getan wird, damit diese Dinge wirklich vollständig aufgeklärt werden." Sie sprach von einem "ganz traurigen Kapitel".



Friedrich enttäuscht über antireligiöse Töne in Beschneidungsdebatte

Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wandte sich scharf gegen die vorhandene Judenfeindlichkeit: "Jeder antisemitische Angriff ist ein Angriff auf uns alle", sagte er dem Evangelischen Pressedienst.

Mit Blick auf die Entscheidung des Bundestags zur Jungenbeschneidung am vergangenen Mittwoch kritisierte er zudem die antireligiösen Töne in der gesellschaftlichen Debatte um das Thema. "Dass man in einem christlichen Land wie Deutschland gegenüber religiösen Riten und Traditionen derart verständnislos ist, das hat mich enttäuscht und nachdenklich gemacht", sagte der Minister. Er sei in der Auffassung bestärkt worden, dass Christen auch für die religiösen Riten und Traditionen des Judentums eintreten müssten.

Muslimen die Hand reichen

Friedrich rief die Gesellschaft darüber hinaus auf, den in Deutschland lebenden Muslimen die Hand zu reichen, "damit sie sich in dieser Gesellschaft wohlfühlen können, hier Arbeit finden, Familien gründen und eine Perspektive für sich, ihre Kinder und ihre Enkel sehen". Es sei selbstverständlich, dass "die Menschen, die hier leben und islamischen Glaubens sind, zu unserer Gesellschaft gehören".


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr