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Merkel zu Truppenbesuch in Afghanistan

Kanzlerin mahnt weitere Reformen im Land an

Bundeskanzlerin Angela Merkel und  Verteidigungsminister Thomas de Maizière beim Truppenbesuch in Afghanistan  (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Thomas de Maizière beim Truppenbesuch in Afghanistan (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Knapp eine Woche nach dem Tod eines deutschen Soldaten in Afghanistan ist Bundeskanzlerin Angela Merkel dort zu einem Truppenbesuch eingetroffen. Die Kanzlerin landete in Begleitung von Verteidigungsminister Thomas de Maizière heute früh im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif. Ihre Reise war bereits vor dem Todesfall geplant gewesen, wurde jedoch wie üblich im Vorfeld nicht angekündigt.

Kurz nach ihrer Ankunft in Masar-i-Scharif besuchte die Kanzlerin in Kundus den Ehrenhain und gedachte der gefallenen deutschen Soldaten. Am vergangenen Samstag war erstmals seit zwei Jahren wieder ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan getötet worden. Er war Mitglied der Eliteeinheit KSK, deren Operationen in Afghanistan weitgehend geheim gehalten werden. Der 32-Jährige war nach offiziellen Angaben bei einem gemeinsamen Einsatz mit afghanischen Spezialkräften in einen Hinterhalt geraten und von Taliban erschossen worden.

Merkel hatte auf die Nachricht mit "Trauer und Betroffenheit" reagiert. Den deutschen Sicherheitskräften sei "für ihren schweren und oft gefährlichen Einsatz in Afghanistan zu danken", mit dem sie "zu unserer Sicherheit und zu einem stabileren Afghanistan" beitrügen, erklärte ein Regierungssprecher nach dem Vorfall. Mit dem jüngsten Angriff stieg die Zahl der deutschen Soldaten, die in Afghanistan ums Leben gekommen sind, auf 53.

Merkel fordert weitere Reformen in Afghanistan

Nach dem Gedenken an die gefallenen deutschen Soldaten sprach die Kanzlerin mit der deutschen Truppe in Kundus und mahnte dabei weitere Reformen im Land an: "Wir werden ein Auge darauf haben, dass der politische Prozess hier vorangeht". Als anstehende Aufgaben nannte Merkel die Vorbereitung der Präsidentenwahl im April 2014 und den Aufbau der Wirtschaft. "All das vollzieht sich zum Teil mühselig, zum Teil etwas langsamer als wir uns das wünschen", sagte Merkel. "Aber es ist unabdingbar dafür, dass der militärische Einsatz nicht alleine stehenbleibt, sondern dass er wirklich Erfolg hat."

Deutsche Soldaten ab 2015 nur noch Ausbilder

Bei dem Truppenbesuch bekräftigte die Kanzlerin auch den Willen der Bundesregierung, sich nach dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes Ende 2014 weiter militärisch in Afghanistan zu engagieren. Sie ermunterte andere Länder, das ebenfalls zu tun.

Deutschland stellt nach den USA und Großbritannien derzeit das drittgrößte Kontingent der Internationalen Schutztruppen. Der Kampfeinsatz der NATO in Afghanistan soll zum 1. Januar 2015 enden. De Maizière hatte Mitte April jedoch angekündigt, dass danach noch 600 bis 800 Bundeswehrsoldaten in dem Land bleiben sollen. Ihre Hauptaufgaben sind dann Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte. Laut Verteidigungsminister will Deutschland zunächst auch wie bisher als Führungsnation in Masar-i-Scharif präsent bleiben.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr