Mit Drill und Disziplin

Erziehungsratgeber "Die Mutter des Erfolgs" schlägt hohe Wellen

Helfende Hand (Stock.XCHNG / Adrian Yee)
Helfende Hand (Stock.XCHNG / Adrian Yee)

Amy Chua, chinesische Einwanderin in die Vereinigten Staaten, unterrichtet als Professorin in Yale. Ihre beiden Töchter erzieht sie mit harten Methoden, um sie zu Bestleistungen zu bringen. In ihrem Bestseller "Die Mutter des Erfolgs" prangert sie den verweichlichten westlichen Erziehungsstil an, berichtet von ihren Erfahrungen mit Drill und Disziplin - und ihrem Scheitern.

Amy Chua hat gleich zwei Nerven des Zeitgeists getroffen: das Thema Kindererziehung und das Thema China. In den USA ist ihr Buch, in dem sie von den brutalen Methoden der "chinesischen Erziehung" nicht ohne Humor berichtet, bereits ein Bestseller.

Die Autorin Amy Chua (picture alliance / dpa)Die Autorin Amy Chua (picture alliance / dpa)"Nur Erfolgserlebnisse machen Kinder glücklich! Drum seid erdrückend streng und brutal fordernd, denn nur so wird man erfolgreich! Zwingt die Kinder zu ihrem Glück, sie werden es euch danken! Denn geforderte Kinder merken, dass ihre Eltern mehr Achtung vor ihnen haben als lasche - westliche - Eltern, denn schließlich trauen chinesische Eltern ihren Kindern alles zu. Und Amy Chua tut wirklich alles, um ihrer Vorstellung der 'chinesischen Mutter' gerecht zu werden," schreibt Kim Kindermann in ihrer Kritik des Buches "Die Mutter des Erfolgs".

Pro und Kontra der Erziehungswissenschaftler

Der Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch sagt, Chua stülpe ihren Kindern das Muster auf,das sie selbst einst erfahren habe - so etwas sei nie gut.

Auch die Psychologin Elsbeth Stern von der ETH Zürich hält nichts davon, Kinder mit Drill unter Druck zu setzen, wie es die Yale-Professorin Amy Chua in ihrem heiß diskutierten Buch vorschlägt. Kinder würden Kompetenzen "grundsätzlich nicht durch Strafe" erwerben, gibt Stern bei Chuas Thesen zu bedenken.

Amy Chuas Buch ist ein nützlicher Erfahrungsbericht, sagt dagegen Bernhard Bueb, von dem Eltern lernen könnten, "dass wir Kinder gut ausstatten sollten mit Sekundärtugenden, also mit Fleiß, mit Ausdauer, mit Sinn für Qualität und so weiter, damit sie das Glück des Gelingens erfahren können."Büb ist der ehemalige Leiter der Internatsschule Schloss Salem.

Deutschlandradio Kultur widmet sich im Radiofeuilleton in dieser Woche den umstrittenen Thesen der "chinesischen Tigermutter" aus verschiedensten Blickwinkeln.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Die Mutter des Erfolgs?

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr