Mölln gedenkt der Brandanschläge von 1992

Erinnerung an die rechtsextremistischen Übergriffe vor 20 Jahren

Faruk Arslan (2.v.r), der Sohn der getöteten Bahide Arslan und Vater der ebenfalls getöteten Yeliz, (picture alliance / dpa / Malte Christians)
Faruk Arslan (2.v.r), der Sohn der getöteten Bahide Arslan und Vater der ebenfalls getöteten Yeliz, (picture alliance / dpa / Malte Christians)

Im schleswig-holsteinischen Mölln haben hunderte Menschen der drei Opfer gedacht, die 1992 durch einen Anschlag von Neonazis verbrannten. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) forderte zum Kampf gegen Rechtsextremismus auf.

Muslime und Christen versammelten sich zu einem Gottesdienst in der Moschee der norddeutschen Stadt. Später legten Vertreter der Stadt und des Landes Schleswig-Holstein einen Kranz an dem Haus nieder, in dem am 23. November 1992 eine Großmutter und ihre zwei Enkelinnen getötet wurden. An jenem Tag hatten Neonazis zwei von Ausländern bewohnte Häuser in Brand gesetzt. Neben den drei Toten gab es neun Verletzte.

Auf der Gedenkveranstaltung am späten Nachmittag rief Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig dazu auf, den Kampf gegen Rechtsextremismus zu unterstützen. Staatliche Programme allein reichten nicht aus. Bürgermeister Jan Wiegels sagte, ähnlich wie Rostock, Hoyerswerda und Solingen habe auch Mölln erleben müssen, welches Gewaltpotenzial von Rechtsextremisten ausgehe. Zudem habe die NSU-Terrorserie gezeigt, dass die Gefahren sehr akut seien.

Der Bruder der getöteten Yeliz Arslan sagte, er sehe die Solidarität der Menschen und dass sie hinter der Familie Arslan stehen "leider nur an diesem Tag". Er fordere, dass das Augenmerk das ganze Jahr auf die Opfer von Mölln gerichtet werde und nicht auf die Täter. Seine Familie müsse sich die Erinnerung von Tag zu Tag neu erkämpfen. Dabei seien sie, die Opfer, "die Hauptzeugen des Geschehens".

In einer Reihe mit Hoyerswerda, Solingen und Rostock-Lichtenhagen

Feuerwehrleute stehen vor dem ausgebrannten Haus in Mölln, Schleswig- Holstein (AP)Feuerwehrleute vor dem ausgebrannten Haus in Mölln, Schleswig- Holstein, im November 1992 (AP)Die Anschläge von Mölln erschütterten seinerzeit ganz Deutschland. Sie stehen in einer Reihe mit ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen oder mit Solingen, wo 1993 bei einem Brandanschlag auf ein Haus mit türkischen Bewohnern fünf Menschen getötet und weitere teils lebensgefährlich verletzt wurden.

Aus Anlass des 20. Jahrestages der Möllner Anschläge forderte die türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein die Stadt auf, einige Straßen nach den Opfern zu benennen. Es sei bedauerlich, dass die Stadt Mölln bisher auf solche Forderungen der Bevölkerung nicht eingegangen sei.

Landtagspräsident: Alltagsrassismus "entschieden entgegentreten"

Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) beklagte weiter vorhandenen Alltagsrassismus. Noch immer seien beleidigende Sprüche oder Witze über Ausländer und Minderheiten an der Tagesordnung. "Dieser Form von Alltagsrassismus in geselliger Runde müssen wir entschieden entgegentreten", sagte er.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr