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Montenegro hat die Wahl

Präsidentschaftswahl beim EU-Beitrittskandidaten

Amtsinhaber Filip Vujanovic am Vormittag bei der Stimmabgabe in Podgorica (picture alliance / dpa / Boris Pejovic)
Amtsinhaber Filip Vujanovic am Vormittag bei der Stimmabgabe in Podgorica (picture alliance / dpa / Boris Pejovic)

Als Favorit für das höchste Staatsamt im kleinen Balkanstaat Montenegro gilt der langjährige Amtsinhaber Vujanovic, der für die regierenden Sozialisten antritt. Daran ändern jüngste Korruptionsvorwürfe wenig.

Filip Vujanovic wird in allen Umfragen als mit Abstand beliebtester Politiker bezeichnet. Die traditionell zerstrittene Opposition hatte sich auf den 65 Jahre alten Miodrag Lekic als Gegenkandidaten einigen können, dem jedoch kaum Chancen eingeräumt werden. Und so nimmt es kaum Wunder, dass die Wahlbeteiligung eher gering auszufallen scheint.

Dabei hatte die montenegrinische Opposition mit allen Mitteln versucht, die Wiederwahl Vujanovics zu verhindern. Der Wahlkampf war von Behauptungen bestimmt, die Regierung habe die Wählerverzeichnisse zu ihren Gunsten manipuliert. Daneben sollen Regierungsanhänger auch Geld für ihre Stimme erhalten haben: In den ersten beiden Stunden hätten nur fünf Prozent der 500.000 Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, teilte die staatliche Wahlkommission am Mittag in der Hauptstadt Podgorica mit.

Seit Jahren Korruptionsvorwürfe

Milo Djukanović Regierungschef von Montenegro (AP Archiv)Milo Djukanović Regierungschef von Montenegro (AP Archiv)Vujanovic und die Regierung bestreiten die Korruptionsvorwürfe. Die Nähe zueinander bestreiten sie nicht: Vujanovic gilt als enger Verbündeter des Regierungschefs von Montenegro, Milo Djukanovic. Im Oktober 2012 gewann dessen "Demokratische Partei des Sozialismus" erneut die Parlamentswahlen – mit dem Versprechen, sie werde Montenegro in den kommenden vier Jahren in die NATO und an die Eingangstür der Europäischen Union führen. Montenegro ist seit dem 17. Dezember 2010 offizieller Beitrittskandidat der EU und steht seit 2012 in Beitrittverhandlungen.

Djukanovic sieht sich seit Jahren mit Vorwürfen durch Journalisten der montenegrinischen Tageszeitung "Dan" konfrontiert, er besitze eine Nähe zur organisierten Kriminalität, zu Zigaretten- und Drogenmafia. Die Zeitung will ihm auch Vetternwirtschaft und Korruption nachgewiesen haben. Doch Djukovic weist das von sich.

Kleiner als Schleswig-Hostein

Nach dem Zerfall Jugoslawiens bildete Montenegro 1992 im Verbund mit Serbien Restjugoslawien. 2006 entschied sich das Land per Referendum für die Unabhängigkeit. Das Land ist flächenmäßg etwas kleiner als Schleswig-Holstein und hat 620.000 Einwohner. Nur 45 Prozent der Bevölkerung sind ethnische Montenegriner, 29 Prozent Serben, außerdem leben Bosnier, Albaner, Kroaten, Roma in Montenegro - ein für den Balkan typisches Völkergemisch.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

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