Mütter in die Arbeitswelt, Personal aus dem Ausland

Die Bundesregierung skizziert eine Initiative gegen den Fachkräftemangel

Fachkräfte gesucht: Deutschland braucht Ingenieure, Erzieher und mehr (picture alliance / dpa - Hendrik Schmidt)
Fachkräfte gesucht: Deutschland braucht Ingenieure, Erzieher und mehr (picture alliance / dpa - Hendrik Schmidt)

Bis zum Jahr 2025 sollen in Deutschland mehr als drei Millionen Fachkräfte fehlen: Ingenieure, Mathematiker, Computerspezialisten, aber auch Altenpfleger und Kindergärtner. Die Strategien gegen den Mangel sind umstritten.

Schon jetzt fehlen in Deutschland Fachkräfte in vielen Berufen und Branchen. Mehr als 100.000 Ingenieure und Techniker sucht die Wirtschaft, 50.000 Stellen für EDV-Spezialisten bleiben unbesetzt - aus Mangel an Bewerbern. Mittlerweile dauert es durchschnittlich 72 Tage, bis sich ein geeigneter Mitarbeiter findet. Und die alternde Bevölkerung soll das Problem noch verschärfen: Bis 2025 werden nach Berechnungen der Bundesregierung drei Millionen Fachkräfte fehlen - vor allem in mathematisch-naturwissenschaftlichen Berufen, aber auch im Bildungs- und Pflegesektor.

Gestern präsentierten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften eine Initiative, um die klaffende Versorgungslücke zu schließen: Ausländisches Personal soll verstärkt angeworben und das inländische Potenzial besser ausgenutzt werden.

Mädchen zu Ingenieuren, Mütter in die Arbeitwelt

Vor allem Jugendliche und Frauen sollen demnach besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Zwar sei der Anteil erwerbstätiger Frauen in den vergangenen Jahren gestiegen und liege bei 71 Prozent, sagte Merkel. Doch arbeite jede zweite Frau nur Teilzeit - und zudem nur durchschnittlich 18 Stunden in der Woche. Das liege auch an der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagte sie. Daher werde der Ausbau der Kitaplätze forciert. Gab es vor einigen Jahren erst 250.000 Betreuungsplätze für Kleinkinder, so sollen es bis August kommenden Jahres 780.000 sein.

Die derzeit 1,5 Millionen arbeitslosen Jugendlichen sollen besser ausgebildet werden. Man erarbeite nun ein entsprechendes Konzept, kündigte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handwerkerkammer (DIHK), Hans Heinrich Driftmann bei der Fachtagung in Meseburg an. Notwendig sei auch eine Weiterentwicklung des dualen Ausbildungssystems, sagte DGB-Chef Michael Sommer.

Hubertus Heil (SPD): "Große Showveranstaltung"

Hubertus Heil, SPD-Generalsekretär (Deutschlandradio - Bettina Straub)Hubertus Heil, SPD-Generalsekretär (Deutschlandradio - Bettina Straub)Zum 1. August 2012 wird die sogenannte Blue Card kommen. Das Einwanderungspapier erleichtert Fachkräften den Zuzug nach Deutschland. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte, nur "qualifizierte Zuwanderung" von jährlich 200.000 Fachkräften aus dem Ausland könne die Versorgungslücke schließen. Speziell bei den Ingenieuren im Maschinenbau und in der Elektroindustrie könnten akut viele Stellen so besetzt werden.

Als "große Showveranstaltung" geißelte indes SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil den Vorstoß, weil konkrete Umsetzungsschritte fehlten. Auch werde nur unzureichend auf inländisches Potenzial eingegangen - hier ließen sich bis 2025 5,2 Millionen zusätzliche Fachkräfte mobilisieren, sagte er.

Arbeitsmarkt-Experte: Ältere Erwerbstätige erwerbsfähig halten

Der Fachkräfte-Experte Alexander Kubis vom Institut für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung hält die Zahl der fehlenden Fachkräfte zwar für geringer als von der Bundesregierung skizziert. Im Deutschlandfunk-Interview weist er jedoch darauf hin, dass am Problem des Fachkräftemangels auf verschiedenen Ebenen noch viel Handlungsbedarf bestehe. "Es geht auch zum Beispiel darum, dass die älteren Erwerbsfähigen letztendlich erwerbsfähig gehalten werden", sagte Kubis.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr