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Nachhaltige Lebensmittel für alle

Engagement gegen den Hunger am Welternährungstag

Gerösteter Mais (Deutschlandradio/Katja Bülow)
Gerösteter Mais (Deutschlandradio/Katja Bülow)

Politiker und Hilfsorganisationen fordern zu mehr Einsatz im Kampf gegen den Hunger auf. Anlass ist der Welternährungstag, an dem es diesmal vor allem um die Nachhaltigkeit bei der Ernährung geht.

"Wir müssen sicherstellen, dass Menschen alle wichtigen Nährstoffe erhalten, um ihr volles Potenzial zu entwickeln", forderten die EU-Kommissare Andris Piebalgs (Entwicklung) und Kristalina Georgieva (Humanitäre Hilfe) in einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung. Der Welternährungstag steht unter dem speziellen Thema "Nachhaltige Nahrungsmittelsysteme für Ernährungssicherheit". Die Vereinten Nationen veröffentlichen dazu heute gemeinsam mit der Europäischen Union eine Fünf-Jahres-Bilanz zum Kampf gegen den Hunger.

Die Zahl der Hungernden nimmt seit 1990 weltweit ab, die gerechte Verteilung von Nahrungsmitteln bleibt aber ein Problem. Aus den jüngsten Zahlen des Welternährungsprogramms (WFP) der UNO geht hervor, dass einer von acht Menschen in der Welt an chronischem Hunger leidet, insgesamt also rund 842 Millionen. Hinzu kämen zwei Milliarden Menschen mit Mangelernährung, heißt es in dem Bericht. Das WFP versorgt nach eigenen Angaben derzeit 97 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln.

Das Kinderhilfswerk UNICEF schätzt, dass etwa 20 Millionen Babys und Kleinkinder in akuter Lebensgefahr sind, weil sie nicht genügend Nährstoffe erhielten oder diese wegen Krankheiten nicht richtig aufnehmen könnten. Laut UNICEF leiden insgesamt 162 Millionen Kinder unter fünf Jahren - weltweit also jedes vierte Kind - an chronischer Mangelernährung.

"Hunger muss Asylgrund werden"

Der Schweizer Ernährungsexperte Jean Ziegler fordert für Flüchtlinge aus Hungergebieten ein Asyl auf Zeit in Europa. So könnten weitere Flüchtlingstragödien im Mittelmeer - wie zuletzt vor der italienischen Insel Lampedusa - verhindert werden, sagte Ziegler.

Er schlägt die Einführung von Kontingenten für Hungerflüchtlinge vor, die auf reiche Staaten verteilt werden sollten. Der emeritierte Soziologieprofessor ist Mitglied im beratenden Ausschuss des UNO-Menschenrechtsrates in Genf. Von 2000 bis 2008 war er zudem UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

"Gesunde und bezahlbare Nahrungsmittel für alle"

Hunger und Mangelernährung bei wachsender Weltbevölkerung sei eine der drängendsten Herausforderungen für die Zukunft, so die Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, Gudrun Kopp (FDP). Es sei das zentrale Ziel, "gesunde, ausreichende, bezahlbare Nahrungsmittel für alle zur Verfügung zu stellen", so Kopp.

Der Weltkirchen-Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick, sieht als einen der Hauptgründe für den Hunger in der Welt den von den Industrienationen verursachten Klimawandel. Er rief deshalb dazu auf, jeder einzelne solle Energie sparen und auf überflüssigen Konsum verzichten.

Korrespondent Jürgen Webermann schilderte im Deutschlandradio Kultur, wie Indien den Hunger bekämpfen will. Die Regierung in Neu Delhi habe mit vielen Subventionsprogrammen auf den Hunger in dem Land reagiert. Lebensmittelkarten gehörten für viele Inder mittlerweile zum Alltag.

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Letzte Änderung: 21.10.2013 11:35 Uhr

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