Neue Reisefreiheit für Kubaner

Kommunistisches Regime setzt Signal der Öffnung

Den Kubanern soll das Reisen wesentlich erleichtert werden - aber es gibt Ausnahmen (picture alliance / dpa / Alejandro Ernesto)
Den Kubanern soll das Reisen wesentlich erleichtert werden - aber es gibt Ausnahmen (picture alliance / dpa / Alejandro Ernesto)

In Kuba tritt ein neues Gesetz zur Reisefreiheit in Kraft: Erstmals seit einem halben Jahrhundert dürfen die Bürger des kommunistischen Inselstaats ohne Sondergenehmigung ins Ausland reisen. Einen Ansturm auf die Flughäfen dürfte es trotzdem nicht geben.

Ab sofort müssen Kubaner keine Ausreisegenehmigung mehr beantragen. Minderjährige können mit schriftlicher Zustimmung ihrer Eltern die Insel verlassen. Für die Ausgabe von Reisepässen haben die Behörden landesweit fast 200 Büros eingerichtet.

Allerdings sieht das Gesetz auch Ausnahmen vor: Angehörigen bestimmter Gruppen wie Spitzensportler, Hochqualifizierte und Militärs kann der Reisepass verweigert werden.

Rund 100 Euro Genehmigungsgebühren fallen weg

Bisher mussten Kubaner für Auslandsreisen eine sogenannte Weiße Karte beantragen und eine Einladung aus dem Ausland vorweisen. Die Formalitäten kosteten rund 100 Euro - zu viel den Großteil der Bürger. Blieben sie länger als elf Monate fort, galten sie als Exilanten und ihr Besitz wurde eingezogen. Künftig dürfen Kubaner 24 Monate im Ausland bleiben.

Flugtickets und Aufenthalt für die Mehrheit nicht bezahlbar

Mit einem Massenansturm auf die Flughäfen der Insel ist trotzdem nicht zu rechnen, berichtet Deutschlandradio-Korrespondent Martin Polansky. Aus einem einfachen Grund: Die meisten Kubaner sind zu arm. Das Geld reicht gerade mal für alltägliche Ausgaben wie Kleidung und Essen. Alexis López, Imbissbetreiber in Havanna, kommentiert in der Reportage: "Wir könnten die Tickets und den Aufenthalt einfach nicht bezahlen". Auch die Visumkosten der Einreiseländer übersteigen die finanziellen Möglichkeiten vieler Kubaner

Weitere Wegmarke im Öffnungsprozess

Kubas Präsident Raul Castro während einer Rede zum 34. Jahrestag des Terroranschlags auf eine Maschine der Cubana Airlines, bei dem 73 Menschen umgekommen waren (AP)Setzt ein Signal der Öffnung: Kubas Präsident Raúl Castro (AP)Die Reform war von Präsident Raúl Castro Mitte Oktober angekündigt worden. Die Regierung in Havanna versucht, den Eindruck zu vermeiden, die Reisefreiheit sei etwas generell Neues. Kuba sei schließlich bislang kein großes Gefängnis gewesen - 99 Prozent der Anträge seien in den vergangenen Jahren genehmigt worden, und die Mehrheit der Ausgereisten sei wieder zurückgekehrt, sagt Staatsratssekretär Homero Acosta Àlvarez.

Die Regierung Raúl Castro räumt der kubanischen Bevölkerung seit rund zwei Jahren zunehmend Freiheiten ein. So dürfen Kubaner mittlerweile mit eigenständiger Arbeit Geld verdienen.

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:
Ende einer kleinen Freiheit <br> Kuba verhaftet Verantwortlichen des oppositionellen Internet-Fernsehprogramms "Estado de Sats

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr