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Neuer Gewaltausbruch erschüttert Ägypten

Mehr als 50 Menschen getötet

Proteste am Nationalfeiertag. (picture alliance / dpa / Amel Pain)
Proteste am Nationalfeiertag. (picture alliance / dpa / Amel Pain)

Der ägyptische Nationalfeiertag ist von schweren Ausschreitungen mit mehr als 50 Toten überschattet worden. Bei Demonstrationen kam es zu Zusammenstößen von Islamisten, deren Gegnern und Sicherheitskräften.

Tausende Anhänger der ägyptischen Muslimbrüder hatten am Nationalfeiertag Warnungen der Regierung ignoriert und für den vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi demonstriert. In der Hauptstadt Kairo marschierten sie in Richtung Tahrir-Platz, auf dem sich Regierungsanhänger zum Gedenken an den Jahrestag des Angriffs auf Israel 1973versammelten.

Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Muslimbrüder vom Platz fernzuhalten. Die Regierung hatte schon vorher erklärt, jeder, der während der Gedenkveranstaltung gegen die Armee auf die Straße gehe, werde als Agent feindlicher Mächte und nicht als Demonstrant angesehen.

Auch in anderen Städten wie Alexandria, Suez und Aswan kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. In einer 300 Kilometer südlich von Kairo gelegenen Ortschaft wurde ein Anhänger der Muslimbrüder bei Gefechten mit der Polizei getötet, mindestens zwei weitere verletzt. Insgesamt sollen am Sonntag mindestens 51 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 240 sollen verletzt worden sein.

Proteste seit Freitag

Bereits am Freitag und Samstag starben bei den größten Demonstrationen seit Mitte August mindestens acht Menschen. Tausende Islamisten hatten sich in mehreren Städten an den Protesten beteiligt. Unterstützer der Muslimbrüder erklärten, im Kairoer Stadtzentrum sei auf Islamisten scharf geschossen worden.

Das Militär hatte am 3. Juli den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi und seine Regierung nach Massenprotesten abgesetzt. Seither gibt es Unruhen. Hunderte Muslimbrüder wurden inhaftiert. Die Islamistenorganisation ist inzwischen verboten.


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Letzte Änderung: 21.10.2013 11:34 Uhr