Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Niederlande rufen 50.000 Tonnen Fleisch zurück

Rindfleisch möglicherweise mit Pferdefleisch vermischt

Wurde das undeklarierte Fleisch auch zu Tiefkühllasagne verarbeitet? (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)
Wurde das undeklarierte Fleisch auch zu Tiefkühllasagne verarbeitet? (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)

Die Kette der Fleischskandale reißt nicht ab: Ein niederländischer Großhändler hat in mehrere europäische Länder – darunter auch Deutschland - 50.000 Tonnen nicht deklariertes Fleisch verkauft. Eine Gerichtsentscheidung stärkt jetzt den Verbraucherschutz.

Die niederländische Kontrollbehörde für Nahrungsmittel forderte 500 Betriebe auf, die Ware bei ihren Kunden aufzuspüren und aus dem Handel zu nehmen. Die Herkunft des Fleisches sei unklar, erklärte die Behörde in Utrecht. Es könne mit Pferdefleisch vermengt sein. Daher sei auch die Sicherheit nicht garantiert. Zur Zeit gebe es aber keine konkreten Hinweise auf Gefahren für Menschen.

130 Zwischenhändler und Fleisch verarbeitende Betriebe in den Niederlanden und 370 in anderen Ländern müssen nun innerhalb von zwei Wochen das Fleisch etwa bei Supermärkten aufspüren. Noch ist nicht bekannt, welche Betriebe in Deutschland betroffen sind – dass auch nach Deutschland geliefert wurde, ist jedoch sicher.

Zwei Jahre lang Fleisch ohne Herkunftsnachweis verkauft

Die Ware wurde von Januar 2011 bis Februar 2013 von dem Großhändler aus dem südniederländischen Oss verkauft, gegen den die Staatsanwaltschaft seit Februar ermittelt. Neben Deutschland gehören auch Frankreich und Spanien zu den belieferten Ländern. Die niederländische Staatssekretärin für Landwirtschaft, Sharon Dijsma sagte, ihre Regierung werde "alles tun, um die Betrüger zu verfolgen."

"Wahrscheinlich ist ein Teil der 50.000 Tonnen bereits konsumiert worden, sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde. "Aber viel wurde auch in Tiefkühlmahlzeiten verarbeitet, und Frikadellen oder Hamburger sind sehr lange haltbar."

Liste der Fleischskandale wird länger - Unternehmen an den Pranger

Ein Pferdefleisch-Skandal hatte erst vor einigen Wochen für Aufsehen gesorgt. Zunächst fand die irische Lebensmittelaufsicht Spuren von Pferdefleisch in Hamburgern, dann kamen in ganz Europa Verunreinigungen ans Licht. In immer mehr Ländern entdeckten Kontrolleure Pferdefleisch in Fertigprodukten. In Deutschland wurden Mitte Februar erstmals Spuren in einer Tiefkühl-Lasagne mit angeblicher Rindfleischfüllung festgestellt. Bei Untersuchungen in den folgenden Wochen wurden in der Bundesrepublik unter anderem auch Dönerspieße oder Rindergulasch positiv auf Spuren von Pferdefleisch getestet.

Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshof von heute, stärkte in einem ähnlichen Fall den Verbraucherschutz. Deutsche Behörden dürfen auch zukünftig öffentlich, und unter Nennung des Herstellernamens, vor Lebensmitteln warnen. Dafür reicht es aus, wenn Produkte für den Verzehr ungeeignet sind; sie müssen nicht unbedingt gesundheitsschädlich sein. Ein Passauer Fleisch-Unternehmen hatte vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt, nachdem das bayrische Verbraucherschutzministerium vor Produkten der Firma gewarnt hatte. Die Firma meldete wenig später Insolvenz an.



Weitere Informationen auf dradio.de:

Pferdefleisch unter Verdacht
Der Etikettierungsskandal und das EU-Identifikationssystem

"Massentierhaltung ist das eigentliche Thema"Dokumentarfilmer über den Pferdefleischskandal (Interview)

Verbraucherinformationsgesetz "hat seinen Namen nicht verdient"
SPD-Verbraucherpolitikerin kritisiert Umgang mit Pferdefleischskandal

Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal
Minister wollen Etikettenschwindler strenger bestrafen

Auch Edeka findet Pferdefleisch in Lasagne
Lebensmittelskandal weitet sich aus

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Entdeckertag

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Kampf gegen FluchtursachenFür mehr Lebensräume entlang der Migrationsrouten

Afrikaner stehen an der Reling eines Schiffes, mit dem Rücken zur Kamera. (AFP)

Man solle Flüchtlinge nicht nur als Opfer betrachten, sondern als Menschen, die eine Wirtschaftsleistung erbringen können und wollen. Das sagt der Entwicklungshelfer Kilian Kleinschmidt und plädiert für Sonderentwicklungszonen in Afrika.

VW-Bußgeld Was tun mit einer Milliarde Euro?

Autoturm im Hauptgeschäftssitz von Volkswagen in Wolfsburg (AFP / Odd Andersen)

Gefangen im Abgasskandal hat VW ein Bußgeld von einer Milliarde Euro akzeptiert – und prompt an die Landeskasse des gesetzlichen Empfängers Niedersachsen überwiesen. Der unverhoffte Geldsegen bereitet kurz vor der Haushaltsklausur der rot-schwarzen Regierungskoalition viel Kopfzerbrechen.

Nachhaltige MobilitätStädtetag will weg von der "autogerechten Stadt"

In der autofreien Siedlung Vauban queren Fahrradfahrer eine Straßenbahnlinie. (imago/viennaslide)

Jahrzehntelang waren deutsche Städte vor allem aus einer Perspektive gedacht: der des Autofahrers. Mittlerweile setzt sich eine neue Denkweise durch, die Städte sollen menschen- statt autogerecht sein. Das findet auch der Kommunalverband Deutscher Städtetag. Nur: Wer soll das bezahlen?

Geistlicher Missbrauch Keine Widerrede erlaubt

Ein Mann hinter einer nicht ganz transparenten Scheibe - die Hände am Glas (imago/Gerhard Leber)

Ein Ehepaar fühlt sich geistlich missbraucht durch den Pastor seiner freien evangelischen Gemeinde. Denn als das Paar Zweifel an der Missionsstrategie äußert, kommt es zum Ausschluss - und zu massiven Beschimpfungen. Der Dachverband - die Evangelische Allianz - kennt einige solcher Fälle - und ist machtlos.

Europäischer Autorengipfel in BerlinIch fühle mich als Europäer, weil ...

Ein großes Bronzedenkmal der "Europa auf dem Stier mit Erdkugel und Taube" steht im Hafen der kretischen Stadt Agios Nikolaos. (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Warum fühlen Sie sich als Europäer? Und wie hieße ein Buch, das Sie über Europa schreiben? Das fragen wir die 20 Autorinnen und Autoren, die sich heute auf dem Blauen Sofa in Berlin treffen. Unter ihnen sind Terézia Mora, Guy Helminger und Janne Teller.

D-Mark-Einführung vor 70 Jahren"Die D-Mark war eine weltweit geachtete Währung"

D-Mark-Geldscheine und -Münzen (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Auch 16 Jahre nach Einführung des Euro wird die D-Mark geschätzt: Rund 5,9 Milliarden D-Mark Banknoten seien noch immer im Umlauf, sagte Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, im Dlf. Von ihrer Einführung vor 70 Jahren bis zur Abschaffung habe die Währung an Wert gewonnen und sei weltweit beliebt gewesen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

OPEC  Einigung auf höhere Öl-Produktion | mehr

Kulturnachrichten

Neue Doppelspitze bei der Berlinale | mehr

 

| mehr