Nobelpreisträger Robert Edwards gestorben

Mediziner galt als Pionier der künstlichen Befruchtung

Edwards erfand die In-Vitro-Fertilisation. (picture alliance / dpa / Si Barber / Cambridge University)
Edwards erfand die In-Vitro-Fertilisation. (picture alliance / dpa / Si Barber / Cambridge University)

Der Pionier der künstlichen Befruchtung, der britische Forscher und Medizin-Nobelpreisträger Robert Edwards, ist tot. Nach Angaben der Universität von Cambridge starb Edwards am Mittwoch im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit.

Edwards hatte gemeinsam mit dem britischen Gynäkologen Patrick Steptoe die In-vitro-Fertilisation entwickelt und dafür 2010 den Medizinnobelpreis erhalten. Edwards Forschungen wurde als "Meilenstein in der Entwicklung der modernen Medizin" gewürdigt. Den Preis konnte Edwards bereits 2010 krankheitsbedingt nicht annehmen. Der 1925 geborene Forscher begann in den fünfziger Jahren, die Vorgänge der Fortpflanzung von Säugetieren zu erforschen, zunächst zusammen mit seiner späteren Ehefrau, der Biologin Ruth Fowler. Nachdem es Kollegen gelungen war, Eizellen von Kaninchen im Reagenzglas ("in vitro") zu befruchten, entwickelte Edwards die Vision einer In-Vitro-Fertilisation für den Menschen.

1978: Das erste 'Retortenbaby'

Bei der In-Vitro-Fertilisation werden der Frau gereifte Eizellen entnommen, im Labor von den Samenzellen des Mannes befruchtet und der entstehende Embryo in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt. Allerdings dauerte es bis in die späten siebziger Jahren, dass Edwards Idee Realität wurde. In der Zusammenarbeit mit dem Gynäkologen Patrick Steptoe entschlüsselte Edwards die hormonellen Umstände, die für eine erfolgreiche Befruchtung und die Teilung der Eizellen gegeben sein müssen.

Nach vielen misslungenen Versuchen gelang den beiden Medizinern 1978 der Durchbruch. Am 25. Juli gebar Louise Brown als erstes sogenanntes ‚Retortenbaby‘. Den Eltern war zuvor neun Jahre lang der Kinderwunsch versagt geblieben. In den Medien wurde die Geburt von Louise Brown als ‚Jahrhundertereignis‘ gefeiert. Edwards und Steptoe betrieben anschließend noch viele Jahre eine private Fruchtbarkeitsklinik. Edwards äußerte wiederholt, er sei "tief berührt" gewesen von der Verzweiflung und oft lebenslangen Traumatisierung kinderloser Paare und meinte, "das Wichtigste im Leben ist, ein eigenes Kind zu haben".

Vatikan : "Schwerwiegende moralische Fragen"

Von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wurden die Forschungen und Methoden Robert Edwards aber auch scharf angegriffen; vor allem die christlichen Kirchen sprachen sich wiederholt gegen die In-Vitro-Fertilisation aus. Auch die Stammzellforschung und die Pränataldiagnostik, die eine Selektion menschlicher Eizellen nach ‚Brauchbarkeit‘ erlaubt, profitieren von der der Forschungstradition der In-Vitro-Befruchtung. So sprachen Edwards und seine Frau schon 1970 davon, die In-Vitro-Fertilisation diene nicht nur dem Kampf gegen die Unfruchtbarkeit; ebenso könne sie dazu beitragen, missgebildete Föten zu vermeiden und die Geschlechterwahl zu ermöglichen. Da wundert es nicht, dass der Vatikan 2010 von einer "völlig deplatzierten" Vergabe des Nobelpreises sprach, und die "schwerwiegenden moralischen Fragen" der künstlichen Befruchtung betonte.

Unbestreitbar ist, dass sich die künstliche Befruchtung inzwischen zu einem bedeutenden Feld der Medizin entwickelt hat. Die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin spricht von über fünf Millionen Babys weltweit, die 2008 nach künstlicher Befruchtung geboren wurden – moralische Dilemmata hin oder her.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr