Nordkorea droht USA erneut mit Atomschlag

Scharfe Kriegsrhetorik beunruhigt UNO und EU

Raketenabschuss bei einer Militärübung in Nordkorea (picture alliance / dpa / Kcna)
Raketenabschuss bei einer Militärübung in Nordkorea (picture alliance / dpa / Kcna)

Nachdem das kommunistische Regime in Pjöngjang den USA erneut mit einem Atomschlag gedroht hat, zeigt sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon besorgt. Die EU-Außenbeauftragte Ashton warnt Korea vor einer "geschlossenen Antwort der Staatengemeinschaft". Experten bezweifeln allerdings, dass Nordkorea über die technischen Mittel verfügt, das amerikanische Festland anzugreifen.

"Atomwaffen sind kein Spielzeug." Mit diesen Worten reagierte Ban Ki Moon auf die Verschärfung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Rajoy in Madrid warnte der UNO-Generalsekretär davor, dass der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel außer Kontrolle geraten könne. Zuvor hatte er die Regierung in Pjöngjang dazu aufgerufen, die Sperrung der Sonderwirtschaftszone Kaesong so schnell wie möglich wieder aufzuheben. Die Blockade dauert seit gestern an.

In Brüssel warnte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton Nordkorea davor, im Konflikt um sein Atomprogramm weiter auf Konfrontation zu setzen. Anhaltende Verstöße gegen internationale Verpflichtungen würden zu einer geschlossenen Antwort der Staaten-Gemeinschaft führen, sagte Frau Ashton in Brüssel.

Russland sieht Verstoß gegen UNO-Auflagen

Kritik kommt auch aus Russland. Indem es an seinem Atomprogramm festhalte, verstoße Pjöngjang eindeutig gegen UNO-Auflagen, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau. Eine Wiederaufnahme der festgefahrenen Sechs-Parteien-Gespräche sei damit praktisch unmöglich geworden. Nordkorea, Südkorea, die Volksrepublik China, Russland, Japan und die Vereinigten Staaten verhandeln darin über das nordkoreanische Kernwaffenprogramm. Ziel ist es, eine friedliche Lösung des Konflikts herbeizuführen, doch die Gespräche sind seit 2008 unterbrochen. Zuletzt hatte die nordkoreanische Regierung angekündigt, die Atomanlage in Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen.

Nordkorea: Atomangriff auf USA ist "endgültig genehmigt"

Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte heute ein weiteres Mal seine Kriegsrhetorik verschärft. Die Drohung gegen die Vereinigten Staaten wurde über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA verbreitet: Ein Atomangriff auf die USA sei endgültig genehmigt worden, ließ der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee mitteilen. Und weiter: Bei dem "gnadenlosen Einsatz" könnten "moderne" Waffen verwendet werden. Die Regierung in Washington werde formal darüber informiert, dass dies eine Reaktion auf Drohungen aus den USA sei.

Das Weiße Haus in Washington forderte Pjöngjang auf, seine Kriegsrhetorik einzustellen. Die jüngste Äußerung "in einer langen Reihe von provokativen Erklärungen dient nur dazu, Nordkorea weiter vom Rest der internationalen Gemeinschaft zu isolieren und sein Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung zu unterminieren", erklärte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Caitlin Hayden. "Nordkorea sollte seine provokativen Drohungen einstellen und sich stattdessen auf die Einhaltung seiner internationalen Verpflichtungen konzentrieren."

Hagel: Von Nordkorea geht reale Gefahr aus

US-Senator Chuck Hagel (picture alliance / dpa / Consolidated Ron Sachs)US-Verteidigungsminister Chuck Hagel (picture alliance / dpa / Consolidated Ron Sachs)Militär-Experten gehen davon aus, dass Nordkorea nicht über die technischen Mittel verfügt, das amerikanische Festland mit Langstreckenraketen anzugreifen. Nichtsdestotrotz erklärte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel, von Nordkorea gehe eine "reale und klare Bedrohung" für die USA und ihre Verbündeten Südkorea sowie Japan aus. Er bezog sich dabei unter anderem auf die Drohung Nordkoreas, US-Militärstützpunkte im Pazifik anzugreifen - also potenziell Guam oder Hawaii. Die US-Regierung tue alles, um gemeinsam mit China und anderen die Situation auf der koreanischen Halbinsel zu entschärfen, sagte Hagel.

Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, soll in den kommenden Wochen auf dem Stützpunkt auf der Insel Guam ein Raketenabwehrsystem installiert werden. Zuletzt waren bereits zwei Zerstörer der Marine sowie Tarnkappenbomber nach Ostasien geschickt worden.

Die Spannungen zwischen Nordkorea und dem Süden sowie den USA
haben sich seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar deutlich verschärft. Vergangene Woche ordnete die nordkoreanische Armee an, die Raketen für einen Angriff auf die USA in Bereitschaft zu versetzen. Wenig später erklärte Pjöngjang, es befinde sich mit Südkorea im "Kriegszustand".

Morgen um 8.10 Uhr im Deutschlandfunk: Interview mit Bijan Djir-Sarai, MdB, FDP, Mitglied in der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr