NSA soll auch die UNO ausspioniert haben

Neue Geheimdokumente veröffentlicht

Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York (picture alliance / dpa / Chris Melzer)
Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York (picture alliance / dpa / Chris Melzer)

Auch die Vereinten Nationen sind offenbar Opfer von Abhöraktionen der "National Security Agency" (NSA) geworden. Der amerikanische Geheimdienst hat sich nach einem Medienbericht unter anderem in interne Video-Telekonferenzen zugeschaltet.

Im Sommer vergangenen Jahres soll es nach Informationen des Magazins "Der Spiegel" US-Geheimdienstmitarbeitern gelungen sein, die Verschlüsselung der Videokonferenzanlage der UNO in New York zu knacken. In einem geheimen Dokument kommentiert ein Mitarbeiter diesen Schritt mit einem "Juhu!". Der Zugriff habe den Informationsfluss tiefgreifend verbessert. Innerhalb von knapp drei Wochen sei die Zahl der entschlüsselten Kommunikationen bei der NSA von 12 auf 458 angestiegen, berichtet das Magazin.

Abkommen gegen Ausspionieren der UNO

Es beruft sich auf Dokumente, die der Geheimdienstinformant Edward Snowden von Computern des Geheimdienstes kopiert haben soll. Stimmen die Vorwürfe, hat die NSA illegal gehandelt. Denn die USA sind aus Sicht der UNO durch Abkommen verpflichtet, auf derlei Abhöraktionen zu verzichten.

Außerdem soll sich aus den neuen Dokumenten herauslesen lassen, dass auch die neue EU-Botschaft bei der UNO in New York angezapft wurde. Das Gebäude wurde im September 2012 bezogen. Die NSA hat laut "Spiegel" die Mitarbeiter dort mit Wanzen abgehört. Die Vorwürfe, dass die Botschaften der EU in den USA abgehört werden, hatten schon vor knapp zwei Monaten für Kritik aus Brüssel gesorgt.

Auswärtiges Amt hat keine Erkenntnisse

Neben diesen Abhöraktionen im Inland betreibt die NSA wohl auch noch weitere, geheime Spionageeinrichtungen im Ausland. In mehr als 80 Botschaften und Konsulaten gebe es ein eigenes Abhörprogramm, von dem das Gastland oft nichts wisse. Diese sollten geheim gehalten werden, um die diplomatischen Beziehungen nicht zu beschädigen. In Frankfurt und Wien gebe es beispielsweise solche Lauschposten.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat keine Informationen über die neuen Enthüllungen. Ein Sprecher erklärte, über eine mögliche Ausspähung der Vereinten Nationen und von Botschaften durch den US-Geheimdienst NSA gebe es keine Erkenntnisse.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr