Obama bringt Romney ins Stolpern

Letzte Fernsehdebatte vor US-Wahl am 6. November

Letzte Fernsehdebatte im US-Wahlkampf: US-Präsident Obama und sein Herausforderer Romney (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)
Letzte Fernsehdebatte im US-Wahlkampf: US-Präsident Obama und sein Herausforderer Romney (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)

Im US-Wahlkampf haben die beiden Kontrahenten in ihrem letzten TV-Duell zeigen müssen, ob sie die Nation führen und vor Bedrohungen von außen schützen können. Der republikanische Herausforderer Mitt Romeny wirkte dabei wenig sattelfest. In einer Schnellumfrage ging Präsident Barack Obama als Sieger des Rededuells hervor.

Im US-Wahlkampf gelten nicht die Fernsehdebatten als wahlentscheidend, sondern wie amerikanische Massenmedien sie interpretieren. "Romney spürt die Mitte auf", titelt die "New York Times" auf ihrer Internetseite. "Obama bleibt Romney auf den Fersen", schreibt die konservative Washington Post. Der Fernsehsender CNN gibt zu Bedenken: "Obama gewinnt letzte Debatte, aber spielt das eine Rolle?" Es ging schließlich nur um Außenpolitik in der CBS-Sendung; auf den anderen Fernsehkanälen liefen ein wichtiges Baseball-Halbfinale und ein spannendes American-Football-Match.

Obama habe zwar nach Punkten gewonnen, für die Wahlentscheidung spiele die Debatte um die Außenpolitik aber wahrscheinlich nur eine kleine Rolle,sagte der Kölner Politologe Thomas Jäger dem Deutschlandfunk.

Während Romney versuchte, dem Präsidenten Führungsschwäche nachzuweisen, wies dieser wiederholt auf widersprüchliche Positionen des Republikaners im Wahlkampf hin, berichtet Deutschlandradio-Korrespondent Marcus Pindur.

Hervorragend vorbereitet, souverän und aggressiv-bissig habe sich der Demokrat präsentiert, urteilt der Amerikaner-Kenner Friedrich Mielke im Deutschlandradio Kultur. Doch auch Romney habe sich in präsidentieller Weise als möglicher Oberbefehlshaber empfohlen.

Der US-Präsident habe immer wieder versucht darzustellen, dass Romney keine Erfahrung im außenpolitischen Bereich habe, meinte der amerikanische Politikwissenschaftler Steven Sokol im Deutschlandfunk. Romney habe sich aber relativ gut gehalten.

CNN hatte die Amerikaner in einer Schnellumfrage befragt, wer ihrer Meinung nach die dritte Fernsehdebatte gewonnen hat. Demnach sahen 48 Prozent der befragten Wähler Amtsinhaber Barack Obama als Sieger; 40 Prozent den Republikaner Mitt Romney. Bei CBS News sah man den Vorsprung mit 53 zu 23 Prozent deutlicher für Obama. Beim ersten TV-Duell hatte Romney nach Einschätzung der Zuschauer deutlich gewonnen, die zweite ging an Obama. Der US-Präsident wird am 6. November gewählt.

Schwächen in Erdkunde

US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney diskutieren beim dritten TV-Duell über die amerikanische Außenpolitik. (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)US-Wahlkampf im Fernsehen: Die letzte Debatte aus Boca Raton, Florida (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)Manchmal kommt es auf Kleinigkeiten an, die, genauer betrachtet, eine fundamentale Rolle spielen. In der Debatte sollte es um die Außenpolitik der Vereinigten Staaten gehen, doch beide Kandidaten, vor allem Romney, drifteten immer wieder ab und machten die heimische Wirtschaftspolitik zum Thema. Das mag auch daran gelegen haben, dass der Herausforderer sich auf dem außenpolitischen Terrain nicht sonderlich wohlfühlte. Er verwechselte etwa den Iran mit Irak. Er sprach von Syriens Machthaber Baschar al-Assad, wenn er den früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan meinte. "Syrien ist Irans einziger Verbündeter in der Arabischen Welt. Es ist seine Verbindung zum Meer." Romney blendete dabei aus, dass der Iran eine Hunderte Kilometer lange Küste zum Persischen Golf und Arabischen Meer hat und nicht an Syrien grenzt. Solche vermeintlich einfachen Fehler in der Außenpolitik hatten in der Vergangenheit zur Niederlage geführt, zum Beispiel 1976: Der Republikaner Gerald Ford bestritt damals mitten im Kalten Krieg, dass die Sowjetunion die osteuropäischen Staaten dominiere.

In dieser außenpolitischen Debatte ging es vor allem um die Fähigkeiten als Oberbefehlshaber. Romney versucht es mit einfachen Botschaften: "Amerika muss führen" oder "Meine Strategie ist ziemlich geradlinig: Jagt die bösen Jungs". "Der Iran ist jetzt näher an Atomwaffen als vor vier Jahren", warf der Republikaner dem Präsidenten vor. Er wolle die iranische Führung wegen Anstiftung zum Völkermord vor Gericht bringen, kündigte Romney an. Obama erwiderte, es gebe derzeit die härtesten Sanktionen gegen Teheran, und warf Romney einen außenpolitischen Zickzackkurs vor.

Der Republikaner bekräftigte, im Fall seiner Wahl werde es keine Kürzungen bei den Militärausgaben geben. Die Marine sei schlechter aufgestellt als im Jahr 1917. Obamas Konter: Vielleicht hätte die Marine heute weniger Schiffe als früher. "Wir haben aber auch weniger Pferde und Bajonette."

Romney lobt Obama

Der Amtsinhaber gab sich von Beginn an aggressiv, aufmerksam und abgeklärt. "Jedes Mal, wenn Sie eine Meinung zu etwas vorlegen, liegen Sie falsch", hielt er Romney in der ersten Minute vor. Dieser entgegnete daraufhin kühl, dass "Angriffe gegen mich keine Agenda" im Umgang mit einer gefährlichen Welt seien.

Obama versuchte vor allem, seine außenpolitischen Verdienste hervorzuheben. Er habe den Krieg im Irak beendet, die US-Soldaten in Afghanistan seien auf dem Heimweg. Romney versuchte seinem Rivalen den außenpolitischen Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er ihn mehrmals lobte und etwa zur Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gratulierte. Die 90-minütige außen- und wirtschaftspolitische Debatte kam ohne Europa aus, obwohl die Amerikaner die Ursache für ihre Wirtschaftskrise auf dem alten Kontinent suchen.

Geht Romneys Strategie auf?

Für die Kandidaten war es die letzte Möglichkeit, vor einem Millionenpublikum im Fernsehen unentschlossene Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Zwei Wochen vor der Wahl liegt Romney in den meisten Umfragen knapp vor Amtsinhaber Obama. Ausschlaggebend ist aber die Anzahl der Wahlmänner, die den Präsidenten wählen. Notwendig sind 270 Stimmen. Hier sehen Umfragen Obama deutlich vor Romney; beiden ist der Sieg wegen der unklaren Haltung in den sogenannten Swing States wie Ohio und Florida aber nicht sicher. Nun beginnt der Schlussspurt. Die beiden großen Lager konzentrieren sich auf diese Swing States, die bei zurückliegenden Wahlen den Ausschlag zwischen Republikanern und Demokraten gaben.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr