Obama fordert Wachstum, Merkel will sparen

G8-Gipfel im Zeichen der Schuldenkrise

Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der G8 (picture alliance / dpa)
Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der G8 (picture alliance / dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel will eisern sparen, der US-Präsident hingegen bekräftigte zum Auftakt des G8-Gipfels in Camp David seine Strategie: mehr Wachstum. Er fordert verstärkte Anstrengungen von den europäischen G8-Staaten.

In den USA hat das G-8-Gipfeltreffen begonnen. Bei den zweitägigen Beratungen in Camp David, dem Landsitz von Präsident Obama, wollen die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands vor allem über die Euro-Schuldenkrise sprechen. Bei einem gemeinsamen Abendessen hat Obama mehr Wachstumsimpulse zur Ankurbelung der Wirtschaft gefordert. "Wir stehen vor dringenden Herausforderungen - Jobs schaffen, die Schuldenkrise in der Eurozone anpacken, die Weltwirtschaft nachhaltig gesunden", sagte Barack Obama zum Auftakt der Gespräche. Der US-Präsident bangt um den Aufschwung in den USA, wenn die europäische Wirtschaft weiter unter der Eurokrise leidet. Auch ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone und die damit verbundenen Turbulenzen werden gefürchtet.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in Brüssel (AP)Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker (AP)Die EU wehrte sich unmittelbar vor Beginn des G8-Gipfels gegen Spekulationen, wonach das krisengeschüttelte Griechenland den Euro aufgeben könnte. "Falls es nötig ist, werden wir alles tun, um die Finanz-Stabilität der Eurozone abzusichern", sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in Camp David.

Bundeskanzlerin Merkel steht mit ihrer Strategie einer Konsolidierung der Haushalte ziemlich alleine da. Obamas Appell an die europäischne Politiker wird hingegen geteilt vom neuen französischen Präsidenten François Hollande, der erstmals an einem G-8-Gipfel teilnimmt. Merkel ist zwar grundsätzlich zu weiteren Konjunkturmaßnahmen bereit, sie will diese aber nicht durch neue Schulden finanzieren. Mit Blick auf die Eurokrise kündigte Japans Regierungschef Yoshihiko Noda am Freitag an, sein Land werde sich bei Bedarf mit mehr Geld an der Euro-Rettung beteiligen.

Viele Themen auf der Agenda

Zur Gruppe der Acht gehören die USA, Kanada, Japan, Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Auch die Spitze der Europäischen Union sitzt traditionell am Verhandlungstisch. Das Treffen begann am Freitagabend mit einem Arbeitsessen zu außenpolitischen Themen wie der Gewalt in Syrien, den Atomprogramme des Irans und Nordkoreas sowie den Reformen in Birma. Die Arbeitssitzungen der Staats- und Regierungschefs am Samstag sollen sich um die Lage der Weltwirtschaft und die Schuldenkrise in der Eurozone sowie die Energieversorgung, den Klimawandel und die Zukunft Afghanistans drehen. Auch zugesagte Finanzhilfen für die Länder des Arabischen Frühlings sowie eine Initiative Obamas gegen Hunger und Unterernährung sollen diskutiert werden. Die G8 hatten bereits bei ihrem Gipfeltreffen 2009 im italienischen L'Aquila 22 Milliarden US-Dollar für Ernährungssicherheit und Landwirtschaft bis 2013 zugesagt. Davon sei bisher höchstens ein Viertel ausgezahlt, schätzt die Hilfsorganisation World Vision.

Die US-Regierung hatte den ursprünglich in Chicago geplanten G-8-Gipfel nach Camp David verlegt, um in der Heimatstadt Obamas die Lage zu entspannen. Am Freitag beteiligten sich dort insgesamt rund 3000 Menschen an Protestkundgebungen. Eine Großdemonstration ist für morgen geplant.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr