"Obama muss mit den Republikanern reden"

Politische Einschätzungen zur US-Wahl

Obamas berühmte Twitter-Botschaft: "Vier Jahre länger!" (dradio.de)
Obamas berühmte Twitter-Botschaft: "Vier Jahre länger!" (dradio.de)

Auf Barack Obama kommen herausfordernde vier Jahre zu, so die Einschätzung von Beobachtern aus dem In- und Ausland. Wichtig sei vor allem, den politischen Gegner einzubeziehen.

Hans-Ulrich Klose (SPD) von der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe sagte in einer Reaktion, er freue sich über das klare Ergebnis zugunsten von Barack Obama. Da die Republikaner aber weiterhin eine Mehrheit im Repräsentantenhaus innehaben werden, müsse der wiedergewählte Präsident nun den Dialog mit ihnen suchen. "Obama muss mit den Republikanern reden - in dem Bewusstsein, dass er sie braucht. Ohne sie wird er keine erfolgreiche Präsidentschaft haben", sagte Klose im Deutschlandfunk.

Der Koordinator der Bundesregierung für die transatlantischen Beziehungen, Harald Leibrecht (FDP), vermutet, dass Obama in seiner zweiten Amtszeit noch mutiger auftreten könne, da er nicht um eine weitere Wiederwahl kämpfen muss. "Er möchte ja auch noch weitere Reformen im sozialen Bereich, es soll ja nicht nur bei der Gesundheitspolitik bleiben. Aber auch außenpolitisch könnte ich mir schon vorstellen, dass er das eine oder andere vielleicht eher anpackt", sagte Leibrecht im Deutschlandfunk.

Rupert Polenz (CDU), der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, zeigt einen konkreten Schauplatz der Außenpolitik auf: "Ganz dringend ist Syrien." Im UNO-Sicherheitsrat müssten die USA einen neuen Anlauf machen, Russland zu einer gemeinsamen Politik der Weltgemeinschaft zu bewegen, sagte Polenz im Deutschlandfunk.

In einer Analyse sieht Michael Werz, Politikwissenschaftler am Center for American Progress, die Bevölkerungsgruppe der Latinos in den USA als wahlentscheidend an. Die Republikaner hätten diese "am schnellsten wachsende und wichtigste Minderheit so gründlich verprellt, dass sie Staaten wie Nevada, New Mexico, Virginia und wahrscheinlich auch Florida verloren haben", sagte Werz im Deutschlandfunk.

John Christian Kornblum, Deutschland-Chef der Investment Bank Lazard und Ex-Botschafter der USA (Deutschlandradio - Bettina Straub)John Kornblum, früherer Berlin-Botschafter der USA (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Kornblum: Riesenschritt für Amerika

Der frühere US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, zeigte sich erleichtert, weil er die Wiederwahl Obamas auch als positives Signal für die weitere Annäherung der Rassen in den USA interpretiert. "Er (Obama) hat im Endeffekt gewonnen wegen seiner Politik und nicht, weil er Afroamerikaner ist. Und wenn er verloren hätte, hätte er auch verloren wegen seiner Politik, und das ist für Amerika ein Riesenschritt nach vorne", sagte Kornblum im Deutschlandfunk.

Der SPD-Außenpolitiker Karsten Voigt wies darauf hin, dass Obama ähnlich "ticke" wie viele Europäer. "Es wird mit Obama zwar auch Meinungs- und Interessenunterschiede geben, aber insgesamt gesehen sind die Schnittmengen mit ihm größer", sagte Voigt dem Deutschlandfunk.

Ein Feld, auf dem die USA möglicherweise andere Interessen vertreten könnten als bisher, benannte der Vorsitzende des Netzwerks "Atlantik-Brücke", Friedrich Merz (CDU). Seiner Ansicht nach werden die Vereinigten Staaten immer unabhängiger von Öl- und Gasimporten aus dem Mittleren Osten. "Das wird bedeuten, dass das amerikanische Engagement in der Außen- und Sicherheitspolitik sich auch verändert, und da werden die Europäer mehr gefordert werden", sagte Merz im Deutschlandradio Kultur.

Obama hatte die Präsidentschaftswahl gegen Mitt Romney deutlich gewonnen. Den ganzen Vormittag über trafen Glückwunschbotschaften von Staats- und Regierungschefs für ihn ein.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr