Obama will 33.000 Soldaten aus Afghanistan abziehen

US-Präsident hält Rede an die Nation

Von Klaus Remme und Silke Hasselmann

US-Präsident Barack Obama will ein Drittel der US-Soldaten aus Afghanistan abziehen. (AP)
US-Präsident Barack Obama will ein Drittel der US-Soldaten aus Afghanistan abziehen. (AP)

Die USA beginnen mit dem Truppenabzug aus Afghanistan. Bis zum Sommer 2012 soll ein Drittel der Soldaten das Land am Hindukusch verlassen, erklärte Präsident Barack Obama.

In etwas mehr als 13 Minuten erläuterte Präsident Obama seine Entscheidung für den Beginn des Truppenabzugs aus Afghanistan und formulierte ein Kernmotiv am Ende seiner Ansprache.

Es sei an der Zeit, sich den Aufgaben im eigenen Land zu stellen, so Obama, der zunächst an den Ausgangspunkt dieser, wie er wörtlich sagte, "schwierigen Dekade" erinnerte, die Anschläge vom 11. September.

Afghanistan habe lange im Schatten des Irak-Kriegs gestanden, die massive Truppenverstärkung im vergangenen Jahr sei notwendig und erfolgreich gewesen, urteilte der Präsident und verwies auf drei Kriterien: eine Konzentration auf Al Kaida, die Offensive gegen die Taliban und die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte:

"Wir erreichen unsere Ziele und können deshalb noch in diesem Jahr 10.000 Soldaten abziehen, bis Sommer nächsten Jahres werden dann insgesamt 33.000 zurückkehren", sagte der US-Präsident in seiner Rede an die Nation.

Bis zum Sommer nächsten Jahres, das bedeute, nicht später als bis zum 30. September, erläuterten Regierungsvertreter. Damit liegt die US-Präsenz in Afghanistan zum Zeitpunkt der Präsidentschaftswahlen 2012 dann etwa auf dem gleichen Niveau wie vor der letzten Truppenverstärkung. 68.000 Mann, weniger als es den Militärs lieb ist, jedoch erheblich mehr, als kriegsmüde Kongressabgeordnete und viele ihrer Wähler wünschen.

Noch sei man nicht am Ziel, konzedierte Obama, Al Kaida bleibe gefährlich, doch das Terrornetzwerk sei auf dem Weg in die Niederlage. Auch durch den Anti-Terror-Kampf in Pakistan verfolge man weiter das Kernziel: kein Schutzraum für die Terroristen. Die Sicherheitsverantwortung werde - wie vorgesehen - 2014 an die Afghanen übergeben. Washington unterstütze Gespräche mit Taliban, die zum Gewaltverzicht bereit seien.

Das Land werde nur über eine politische Lösung zur Ruhe kommen. Der amerikanische Präsident kündigte für den kommenden Mai einen NATO-Gipfel in Chicago an, dort werde man die nächste Phase des Übergangs erörtern. Obama hatte vor seiner Rede Partner wie Bundeskanzlerin Merkel, Präsident Sarkozy und Premier Cameron informiert. Seine Worte zielten aber zuallererst auf die skeptischen Landsleute.

In wirtschaftlich schweren Zeiten haben uns die Kriege in den letzten zehn Jahren eine Billion Dollar gekostet, jetzt müssen wir zuhause investieren, mahnte Barack Obama. Doch das Lager der Kriegsgegner argumentiert: auch wenn die Zahl der Soldaten in Afghanistan jetzt sinkt, dieser Krieg wird auf absehbare Zeit monatlich weitere Todesopfer bringen, weitere Milliarden verschlingen.

Am anderen Ende des Spektrums kritisieren einflussreiche republikanische Senatoren wie John McCain und Lindsey Graham, das General Petraeus mit der Option einer kleineren Rückzugslösung kein Gehör fand. Was machen unsere Verbündeten, fragte Graham nach der Rede, werden sie ihre Soldaten jetzt auch schneller abziehen?

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr