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Obama will Taten, Netanjahu Sanktionen

Gespräch im Weißen Haus über weiteres Vorgehen im Atomstreit mit dem Iran

Haben sich über das iranische Atomprogramm beraten: Israels Ministerpräsident Netanjahu und US-Präsident Obama. (picture alliance / dpa / Chris Kleponis / Pool)
Haben sich über das iranische Atomprogramm beraten: Israels Ministerpräsident Netanjahu und US-Präsident Obama. (picture alliance / dpa / Chris Kleponis / Pool)

Nach der diplomatischen Annäherung an den Iran hat sich US-Präsident Obama mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu in Washington über die jeweiligen Positionen ausgetauscht. Dabei wurde deutlich, dass Israel seinen harten Kurs nicht so schnell aufgeben will.

«Es ist absolut klar, dass Worte nicht genügen», sagte Barack Obama nach einem Gespräch mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Washington. Der neue iranische Präsident Hassan Rohani müsse seinen Bekundungen zu einem Einlenken im Atomstreit nun auch Taten folgen lassen, betonte der US-Präsident. Ansonsten könnten die Sorgen über die nuklearen Aktivitäten Teherans nicht ausgeräumt werden.

Netanjahu weiter skeptisch

Netanjahu seinerseits forderte die USA auf, an den strengen Sanktionen gegen Teheran festzuhalten, bis es «überprüfbare Erfolge» gebe. Damit nicht genug: Sollte bei der nächsten Verhandlungsrunde keine Fortschritte sichtbar sein, müssten die Strafmaßnahmen noch ausgeweitet werden. Aus israelischer Sicht dreht es sich insbesondere um die Existenz des eigenen Landes, denn: Der Iran habe immer noch das Ziel, Israel zu zerstören, betonte Netanjahu.

Er forderte erneut, dass der Iran sein «militärisches Atomprogramm vollständig abbauen» müsse. Dies sei der «ultimative Test» für eine künftige Vereinbarung. «Ich glaube, es ist die Kombination einer glaubwürdigen militärischen Drohung und der Sanktionsdruck, die den Iran an den Verhandlungstisch gebracht haben», sagte er und ergänzte: «Wenn die Diplomatie funktionieren soll, dann muss dieser Druck beibehalten werden.»

Und auch US-Präsident Obama bekräftigte die Vorsicht, mit der man vorgehen wolle. Offen für Verhandlungen sei man, aber: Die USA würden sehr klarsichtig in die Gespräche gehen. Bevor die Sanktionen gelockert werden könnten, müsse alles streng geprüft werden.

Eine "Lächeloffensive"?

Dem Gespräch vorausgegangen war vergangene Woche ein Telefonat zwischen Obama und dem iranischen Präsidenten Rohani. Es war der erste direkte Kontakt auf dieser Ebene zwischen beiden Ländern seit der iranischen Revolution 1979. Netanjahu hatte sich anschließend skeptisch über die «Lächeloffensive» des Iraners geäußert und die Welt vor einer Täuschung gewarnt.

Außenminister Kerry optimistisch

John Kerry besucht mit Benjamin Netanjahu die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem (picture alliance / dpa / Abir Sultan)John Kerry besuchte im April mit Benjamin Netanjahu die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. (picture alliance / dpa / Abir Sultan)US-Außenminister John Kerry sagte derweil in einem Fernsehinterview, er halte eine baldige Lösung im Konflikt mit der Islamischen Republik für möglich. Auch das von Rohani ins Gespräch gebrachte Zeitfenster von drei bis sechs Monaten sei denkbar, hieß es in Auszügen des Interviews, die auf der Internetseite des US-Senders CBS News veröffentlicht wurden.

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Letzte Änderung: 08.10.2013 23:12 Uhr