Offenbar fünf Standorte als atomare Endlager im Gespräch

Umweltministerium kalkuliert mit mehr als zwei Milliarden Euro

Gelbe Fässer für Atommüll im Endlager Morsleben (dpa / picture alliance / Jens Wolf)
Gelbe Fässer für Atommüll im Endlager Morsleben (dpa / picture alliance / Jens Wolf)

Bei der Suche nach einem Endlager für radioaktiven Müll aus deutschen Atomkraftwerken will Bundesumweltminister Peter Altmaier Medienberichten zufolge bis zu fünf Standorte näher prüfen lassen. Namen werden aber nicht genannt.

Das Bundesumweltministerium plant nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios bis zu fünf Standorte als Endlager für hochradioaktiven Müll zu erkunden. Der Medienbericht beruft sich auf den Entwurf für ein "Endlagersuchgesetz" und die darin eingeplanten Kosten. Namen von Standorten werden nicht genannt. Der Gesetzentwurf sieht laut ARD vor, dass für die Prüfung eines Standortes je 100 Millionen Euro bereitgestellt werden. An zwei Orten könnten später Erkundungsbergwerke eingerichtet werden, für die jeweils eine halbe Milliarde Euro eingeplant wird. Das Auswahlverfahren soll 2031 abgeschlossen sein.

Insgesamt soll die Endlagersuche dem Bericht zufolge mehr als zwei Milliarden Euro kosten. Die Summe aufbringen sollen laut ARD die Betreiber der Atomkraftwerke. Sie sträuben sich aber. Für den bislang als Endlager geplanten Salzstock Gorleben wurden bereits 1,6 Milliarden Euro ausgegeben. Laut jüngstem Atomkompromiss sollen bis Ende 2015 keine Transporte mit Atommüll ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben fahren.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will den Entwurf für das neue Gesetz am Dienstag mit den Ministerpräsidenten der Länder in Berlin beschließen. Er warnte gleichwohl vor Spekulationen darüber, wie viele Standorte tatsächlich geprüft werden. Dies sei Sache der Fachkommission.

Kretschmann für "vertrauensbildende Maßnahme" bei Endlagersuche

Winfried Kretschmann, Grüne (picture alliance / dpa)Ministerpräsident von Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann (B'90/Die Grünen) (picture alliance / dpa)Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) dementierte in einem ARD-Interview, dass es eine Festlegung auf fünf Standorte gebe: "Das gibt es natürlich nicht. Das geht alles Schritt für Schritt." Er hatte zuvor die Bereitschaft seiner Landesregierung betont, sich an Lösungen zur Atommüll-Zwischenlagerung zu beteiligen. Er betonte: "Wir sind grundsätzlich offen dafür." Dabei handle es sich um eine "wichtige vertrauensbildende Maßnahme" gegenüber Niedersachsen. Kretschmann sagte zugleich, Gorleben müsse bei der Endlagersuche im Kreis der möglichen Kandidaten bleiben. "Gorleben gehört dazu wie jeder andere Standort auch."

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (B'90/Die Grünen) fordert bei der Suche nach einem atomaren Endlager einen "echten Neuanfang". Nur unter dieser Voraussetzung werde sein Land bei den abschließenden Bund-Länder-Gesprächen am kommenden Dienstag einem Kompromiss zum Endlagersuchgesetz zustimmen, sagte Wenzel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Wenzel zeigte sich überzeugt, das Ergebnis der Beratungen werde "etliche Maßstäbe verrücken und zeigen, dass die Dimension der Herausforderung bisher verkannt wurde". Zugleich bekräftigte der Minister, dass Gorleben - obwohl weiter im Kreis der möglichen Endlager - dafür ungeeignet sei. Deshalb will Niedersachsen künftig keine Castoren mehr in Gorleben zwischenlagern.

Nach Einschätzung von Experten stellt sich mit der neuen Debatte auch eine neue Grundsatzfrage. Statt wie bislang auf einen Einschluss des Atommülls in tieferen geologischen Schichten zu setzen, rücke jetzt die Rückholbarkeit der radioaktiven Abfälle mehr in den Vordergrund, sagte Klaus-Jürgen Röhlig, Professor für Endlagerforschung von der TU Clausthal, im Deutschlandradio Kultur.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr