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Onkel George hat eine Farm

Tagebuchnotizen aus Griechenland

Von Andrea Mavroidis

Andrea Mavroidis besucht die American Farmschool in Thessaloniki. (Deutschlandradio)
Andrea Mavroidis besucht die American Farmschool in Thessaloniki. (Deutschlandradio)

Die American Farmschool in Thessaloniki ist ein Internat für angehende Landwirte der Extraklasse. Hier lernen etwa 280 Schülerinnen und Schüler alle Bereiche der Landwirtschaft kennen. Doch der Tag beginnt oftmals mit Matheunterricht - wie Andrea Mavroidis zu ihrem Leidwesen feststellen musste.

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Es ist 7.30 Uhr. Randy Warner erwartet mich am Eingangstor der American Farm School. Die Pressfrau der Schule hat für heute in sehr amerikanischer Weise, ein ziemlich ambitioniertes Besuchsprogramm zusammengestellt. Ich frage mich jetzt schon, ob ich das alles an einem Vormittag meistern kann. Die Farm School liegt auf einem Hügel, von dem man aus auf die Bucht von Thessaloniki blicken kann, die Sonne scheint die Vögel zwitschern.

Morgenappell in der Aula der Schule

Ich stürze mich gleich in die Arbeit, der Schultag beginnt immer mit einem morgendlichen Appell. Eine Schülerin hält einen Vortrag über den Schauspieler Jim Carrey – ich bin etwas irritiert über das Thema. Randy nimmt mich auf die Seite und erklärt mir, dass es an der Schule einen Brauch gibt. Jede Schülerin und jeder Schüler muss einmal im Schuljahr einen 15-minütigen Vortrag halten, um die Ansprache vor Publikum zu üben. 280 sitzen heute Morgen in der Aula.

Schon zerrt mich Randy in eine Mathematikklasse - Funktion und Kurvendiskussion stehen da auf dem Lehrplan. Ja, ja Farmer müssen einfach rechnen können. Die Klasse ist über meinen Besuch belustigt und ich werde gleich nach meinen Mathekenntnissen befragt, ich gestehe, ich hatte zwar Matheleistungskurs, aber die Kurvendiskussion überforderte mich schon damals. Ein erster Kontakt mit einem 15-jährigen Schüler Adonis Maradonis, der gerne Ölbauer werden möchte, so wie schon sein Großvater.

Mein Nobelpreis ist die American Farm School

Eve Curie, die jüngere Tochter der berühmten Curie Familie, hat hier einst gelebt mit ihrem Mann, einem Diplomaten, und war bis zu ihrem Tod eine sehr aktive Unterstützerin der American Farm School, erzählt mir Randy. Später lese ich in der Broschüre, die mir Randy zugesteckt hat, folgendes Zitat:

Meine Eltern haben den Nobelpreis gewonnen.
Meine Mutter einen zweiten.
Meine Schwester Irene ebenso.
Mein Ehemann war Direktor als UNICEF 1965 den Nobelprize gewann.
Mein Nobelpreis ist die American Farm School


Auch ohne Trüffelschwein

Die Anlage der American Farm School gleicht dem Campus einer amerikanischen Universität. Tolle alte Farmhäuser im neoklassizistischen Stil, große Gewächshäuser, Forschungslabore, eine Molkerei, Ställe kurzum, alles was man so braucht um Landwirt zu werden.

Die Farmschule unterhält einen Gymnasialzweig, eine Berufsschule und ein College. Rund 280 Schülerinnen und Schüler besuchen zurzeit, die ehrwürdige Einrichtung - Tendenz steigend. Immer mehr junge Leute wollen zurück aufs Land. Die, die ich hier treffe, sind hoch motiviert und haben viele neue Ideen, wie sie die griechische Landwirtschaft erneuern können.

Lena zum Beispiel, die hier das College besucht, will eine Pilzzucht in der Nähe von Katerini aufziehen. Das nötige Handwerkszeug hat sie hier gelernt. Und ihr größter Traum ist eine Trüffelzucht. Ich staune, gebe zu, dass ich bislang nicht wusste, dass man Trüffel züchten kann - auch ohne Trüffelschwein

Lernen fürs Leben

Der Unterricht ist sehr praxisnah, die jungen Leute lernen und arbeiten in allen Bereichen der Landwirtschaft, wie Ackerbau, Viehzucht und Vermarktung. Die American Farm School stellt Milch- und Käseprodukte her, rund 120 Kühe und 20.000 Hühner nennt sie ihr eigen. Artgerechte Tierhaltung und biologische Bewirtschaftung der Agrarflächen sind ein Muss. Das Ansehen der Schule strahlt weit über Thessaloniki hinaus. Hier lernt man fürs Leben.

Das Mittagessen naht, ich freue mich auf eine Verschnaufpause, doch die währt nicht lange. Randy macht mich bei Tisch mit einem ehemaligen Absolventen der Schule bekannt - Pangalos Kazakis. Der hat einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb 20 Kilometer entfernt von der American Farm School und dahin nimmt er mich mit. Der kleine Betrieb liegt inmitten eines Weinberges. Zusammen mit der ganzen Familie stellt Pangalos diese köstlichen griechischen Leckereien her: Quittenchutney, eingelegte Weinstockblüten, die hervorragend zu einen Salat passen.

Panglos gehört zu diesen jungen ambitionierten Landwirten, die mit Qualitätsprodukten und ökologischen Landbau ihre Kunden gewinnen wollen. Und sie arbeiten eng mit ein paar Hoteliers aus der näheren Umgebung zusammen. Denn Agrartourismus ist im Kommen, sagt Panglos - "das, was jetzt in Griechenland zählt, ist Qualität, nur damit können wir in Zukunft punkten". Er und sein Bruder haben damit begonnen, ihre Produkte im europäischen Ausland zu vermarkten.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr