Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Opel vor der Pleite?

Politiker streiten über mögliche Staatsbürgschaften

Mitarbeiter der Frühschicht betreten das Opelwerk in Bochum. (AP)
Mitarbeiter der Frühschicht betreten das Opelwerk in Bochum. (AP)

Der Autobauer Opel steht finanziell womöglich noch schlechter da als bislang bekannt. Am Freitag räumte Opel-Finanzchef Marco Molinari ein, dass der bisher diskutierte Bürgschaftsrahmen von 1,8 Milliarden Euro womöglich nicht reichen werde. Die "Bild"-Zeitung berichtete, Opel brauche nach derzeitigem Stand etwa 3,3 Milliarden Euro.

Weiter berichtete das Blatt, der Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern befürchte schon für Mai oder Juni eine Zahlungsunfähigkeit des Autobauers. Nach einer Meldung der "Rheinischen Post" habe Außenminister Frank-Walter Steinmeier Opel-Europachef Carl-Peter Forster in einem Gespräch am Freitagabend befristete staatliche Hilfen wie Bürgschaften und Garantien in Aussicht gestellt. Zugleich warb Steinmeier für eine europäische Lösung zur Rettung von Opel: "Kein Werk ist für sich und einzeln überlebensfähig, weder in Deutschland noch anderswo".

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso forderte die Bundesregierung auf, bei einer möglichen Unterstützung für Opel auch die Auswirkungen auf die Nachbarstaaten zu berücksichtigen. Die Regeln des Binnenmarktes müssten eingehalten werden, betonte Barroso im "Hamburger Abendblatt".

Der Sprecher des Mittelstandskreises der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, warnte hingegen vor Bürgschaften für das Unternehmen. Eine Insolvenz von Opel sei ohnehin nicht mehr zu verhindern, sagte er der "Berliner Zeitung": "Das Geld wandert sofort in die USA, dem Können wir nicht zustimmen".

Henkel: Keinen Präzedenzfall Opel schaffen


Der ehemalige BDI-Chef Hans-Olaf Henkel hat sich gegen Staatsbeihilfen für Opel ausgesprochen: "Wenn man Opel hilft, dann müsste man am nächsten Tag BMW helfen und dann Daimler und dann den ganzen Zulieferern. Und dann haben wir über Nacht, ohne dass wir es merken, die DDR wieder eingeführt", sagte Henkel im Deutschlandfunk.

Auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer lehnte staatliche Beteiligungen an kriselnden Unternehmen ab. Wenn sie ein zukunftsfähiges Konzept vorlegten und auch die wichtigsten Banken dazu stünden, dann solle der Staat helfen, sagte Seehofer dem "Kölner Stadtanzeiger". Der Staat solle aber nicht direkt als Unternehmer tätig werden.

Die amtierende Ministerpräsidentin von Thüringen, Birgit Diezel, sprach sich dafür aus, dass Bund und Länder ihre Möglichkeiten für Bürgschaften prüfen. Sollte dies nicht ausreichen, komme auch eine direkte Beteiligung an Opel in Betracht, allerdings nur als letzte Möglichkeit, erklärte die CDU-Politikerin in der "Super Illu".

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble meinte in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" ebenfalls, wenn alles Andere versage, müsse der Staat eingreifen. Dies entspreche den ordnungspolitischen Grundsätzen der CDU.

Ramelow würde Opel zusammen mit Koch kaufen


Der Spitzenkandidat der thüringischen Linkspartei, Bodo Ramelow, würde als Landeschef gemeinsam mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch von der CDU und Amtskollegen aus anderen Bundesländern die deutschen Opel-Werke von General Motors kaufen. Er sei allerdings nicht für die Gründung eines "Volkseigenen Betriebes", da das schon in der DDR nicht funktioniert habe, sagte Ramelow. Es gehe vielmehr darum, aus der Marke Opel zunächst einmal eine Firma Opel zu machen. Man brauche einen firmenrechtlichen Mantel wie eine Aktiengesellschaft oder eine GmbH. Ähnlich wie bei VW sollten sich die vier Bundesländer mit Opel-Standorten dann an der Aktiengesellschaft beteiligen, sagte Ramelow im Deutschlandradio Kultur.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Kampf gegen FluchtursachenFür mehr Lebensräume entlang der Migrationsrouten

Afrikaner stehen an der Reling eines Schiffes, mit dem Rücken zur Kamera. (AFP)

Man solle Flüchtlinge nicht nur als Opfer betrachten, sondern als Menschen, die eine Wirtschaftsleistung erbringen können und wollen. Das sagt der Entwicklungshelfer Kilian Kleinschmidt und plädiert für Sonderentwicklungszonen in Afrika.

VW-Bußgeld Was tun mit einer Milliarde Euro?

Autoturm im Hauptgeschäftssitz von Volkswagen in Wolfsburg (AFP / Odd Andersen)

Gefangen im Abgasskandal hat VW ein Bußgeld von einer Milliarde Euro akzeptiert – und prompt an die Landeskasse des gesetzlichen Empfängers Niedersachsen überwiesen. Der unverhoffte Geldsegen bereitet kurz vor der Haushaltsklausur der rot-schwarzen Regierungskoalition viel Kopfzerbrechen.

Nachhaltige MobilitätStädtetag will weg von der "autogerechten Stadt"

In der autofreien Siedlung Vauban queren Fahrradfahrer eine Straßenbahnlinie. (imago/viennaslide)

Jahrzehntelang waren deutsche Städte vor allem aus einer Perspektive gedacht: der des Autofahrers. Mittlerweile setzt sich eine neue Denkweise durch, die Städte sollen menschen- statt autogerecht sein. Das findet auch der Kommunalverband Deutscher Städtetag. Nur: Wer soll das bezahlen?

Geistlicher Missbrauch Keine Widerrede erlaubt

Ein Mann hinter einer nicht ganz transparenten Scheibe - die Hände am Glas (imago/Gerhard Leber)

Ein Ehepaar fühlt sich geistlich missbraucht durch den Pastor seiner freien evangelischen Gemeinde. Denn als das Paar Zweifel an der Missionsstrategie äußert, kommt es zum Ausschluss - und zu massiven Beschimpfungen. Der Dachverband - die Evangelische Allianz - kennt einige solcher Fälle - und ist machtlos.

Europäischer Autorengipfel in BerlinIch fühle mich als Europäer, weil ...

Ein großes Bronzedenkmal der "Europa auf dem Stier mit Erdkugel und Taube" steht im Hafen der kretischen Stadt Agios Nikolaos. (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Warum fühlen Sie sich als Europäer? Und wie hieße ein Buch, das Sie über Europa schreiben? Das fragen wir die 20 Autorinnen und Autoren, die sich heute auf dem Blauen Sofa in Berlin treffen. Unter ihnen sind Terézia Mora, Guy Helminger und Janne Teller.

D-Mark-Einführung vor 70 Jahren"Die D-Mark war eine weltweit geachtete Währung"

D-Mark-Geldscheine und -Münzen (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Auch 16 Jahre nach Einführung des Euro wird die D-Mark geschätzt: Rund 5,9 Milliarden D-Mark Banknoten seien noch immer im Umlauf, sagte Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, im Dlf. Von ihrer Einführung vor 70 Jahren bis zur Abschaffung habe die Währung an Wert gewonnen und sei weltweit beliebt gewesen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

OPEC  Einigung auf höhere Öl-Produktion | mehr

Kulturnachrichten

Neue Doppelspitze bei der Berlinale | mehr

 

| mehr