Organspendeskandal weitet sich aus

Staatsanwaltschaft ermittelt auch in Regensburg

Auch am Universitätsklinikum Regensburg wird ermittelt (picture alliance / dpa / Armin Weigel)
Auch am Universitätsklinikum Regensburg wird ermittelt (picture alliance / dpa / Armin Weigel)

Erst Göttingen - jetzt Regensburg: Der Organspendeskandal weitet sich aus. Die Justizbehörden in Bayern prüfen nun, ob es auch am Universitätsklinikum Regensburg zu Manipulationen von Krankendaten kam.

Der Organspendeskandal bekommt immer größere Dimensionen: Nach dem Universitätsklinikum Göttingen gerät auch die Uniklinik Regensburg immer mehr ins Visier der Ermittler. Dort sollen von 2004 bis 2006 in 23 Fällen die Krankendaten bei Lebertransplantationen manipuliert worden sein. Nach einer Strafanzeige des Klinikums ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch erklärte in München, er habe den Direktor der chirurgischen Klinik, Professor Hans J. Schlitt, mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Der Mediziner hat nach den Worten Heubischs möglicherweise bei der Kontrolle des hauptverdächtigen Oberarztes versagt.

Alle bayrischen Krankenhäuser sollen Akten überprüfen

Heubisch wollte auch nicht ausschließen, dass es noch weitere als die bisher bekannten Fälle gebe. Er wies alle mit Transplantationen befassten Krankenhäuser in Bayern an, ihre Akten auf Verdachtsmomente zu überprüfen. "Ich will nicht, dass die Ärzteschaft insgesamt oder die Transplantationsmedizin in Generalverdacht kommen", so der FDP-Politiker.

Bayerns Justizministerin Beate Merk sagte als Reaktion auf den Skandal: "Wenn gegen Gesetze verstoßen wird, dann muss massiv und konsequent bestraft werden." Ein Strafmaß von bis zu fünf Jahren Haft für den Handel mit Organen sei "irritierend und relativ gering". Hier müsse der Gesetzgeber das Strafmaß erhöhen und damit auch die Verjährungsfristen für derlei kriminelles Vergehen. Der aktuelle Skandal dürfe nicht das Vertrauen der Bürger in die Transplantationsmedizin generell erschüttern.

Der Skandal um die Zuteilung von Organspenden war ins Rollen gekommen, weil der als "Doktor O." bekannte Oberarzt zuerst in Regensburg und später im Göttinger Uniklinikum Krankenakten gefälscht haben soll. Dabei soll er gegen Richtlinien zur Organtransplantation verstoßen haben und die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den betreffenden Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde - obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten.

Jordanische Patienten auf europäischer Warteliste

Gegen den nun unter Verdacht stehenden Oberarzt ist bereits 2005 ermittelt worden. Damals waren nach Angaben des Regensburger Uniklinikums verbotenerweise jordanische Patienten auf eine Warteliste für europäische Transplantationspatienten gesetzt worden. Außerdem war illegalerweise eine Leber in Jordanien transplantiert worden.

Die damaligen Ermittlungen hätten ergeben, dass das Verhalten des Arztes nicht strafbar, sondern möglicherweise eine Ordnungswidrigkeit gewesen sei, sagte Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl. "Es konnten damals Defizite in der Kommunikation zwischen Arzt, Klinik und Eurotransplant nicht ausgeschlossen werden", betonte Meindl. Es habe aber keinen Anlass für weitere Ermittlungen gegeben.

Der Chef der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, forderte im Deutschlandfunk Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf, zügig ein Konzept vorzulegen, wie künftig die Arbeit von Transplantationszentren kontrolliert werden könne. "Wir brauchen externe Berater, wir brauchen auch Kritiker des Organspendesystems, um für Transparenz zu sorgen", so Brysch.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr