OSZE-Aktionsplan gegen Antisemitismus

Abschluss der Konferenz in Berlin

Bundesaußenminister Joschka Fischer (rechts) und sein bulgarischer Amtskollege Solomon Passy auf der Konferenz (AP)
Bundesaußenminister Joschka Fischer (rechts) und sein bulgarischer Amtskollege Solomon Passy auf der Konferenz (AP)

Die OSZE-Staaten haben Maßnahmen zur Bekämpfung des Antisemitismus vereinbart. Zum Abschluss einer Konferenz in Berlin verpflichteten sich die 55 Länder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, mit Bildungsprogrammen gegen Judenfeindlichkeit vorzugehen. Außerdem sollen Informationen über antisemitische Übergriffe gesammelt und ausgewertet werden.

Ferner wurde in einer gemeinsamen Erklärung jegliche Form von Antisemitismus verurteilt. Bundesaußenminister Joschka Fischer betonte in seiner Abschlussrede, es gelte, die Erklärung in praktisches Handeln umzusetzen. Alle Formen des Antisemitismus müssten von Anfang an entschlossen bekämpft werden.
Bundeskanzler Schröder betonte, das Eintreten gegen den Antisemitismus sei eine dauerhafte Verpflichtung. Dazu brauche es Bildung, Zivilcourage und Bereitschaft zum öffentlichen Engagement.

Rolle der Medien auf der Konferenz thematisiert

Die Rolle der Medien bei der Verbreitung von Vorurteilen wurde am zweiten Tag der Konferenz thematisiert. Die Medien sollten sich auf Kritik an der israelischen Regierung beschränken statt alle Israelis oder Juden anzuprangern, forderte beispielsweise Odd-Björn Fure, der Direktor des norwegischen Holocaust-Zentrums.

An dem zweitägigen Treffen zum Antisemitismus nehmen rund 500 Vertreter aus 55 Staaten teil.

Rau warnt vor Rassismus und Judenfeindlichkeit

Der israelische Präsident Katzav (links) und US-Außenminister Powell am Rande der OSZE-Konferenz in Berlin (AP)Der israelische Präsident Katzav (links) und US-Außenminister Powell am Rande der OSZE-Konferenz in Berlin (AP)Bundespräsident Johannes Rau hatte bei der Eröffnung der Konferenz zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus gemahnt. Niemand dürfe vor Rassismus und Judenfeindlichkeit die Augen verschließen. Die Zuhörer rief er zu Wachsamkeit und Zivilcourage auf. Zugleich hob Rau hervor, es müsse sauber unterschieden werden zwischen Antisemitismus und legitimer Kritik an der Politik der israelischen Regierung.

Außenminister Joschka Fischer wies in seiner Rede auf die besondere Verantwortung Deutschlands hin. Kern der Demokratie in der Bundesrepublik sei die Verteidigung der Menschenwürde, sagte Fischer vor den Delegierten. Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sei es eine moralische Verpflichtung, immer wieder auf die Gefahren hinzuweisen.

Katzav fordert weltweiten Kampf gegen Antisemitismus

Der israelische Ministerpräsident Mosche Katzav forderte in seiner Ansprache einen weltweiten Kampf gegen den Antisemitismus. Katzav appellierte an die Muslime in Europa, sich gemeinsam mit Israel für Toleranz und Frieden einzusetzen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sagte, dass der Kampf gegen Antisemitismus in Europa durch die EU-Erweiterung schwieriger werde. In Osteuropa gebe es vielfach eine traditionelle Judenfeindlichkeit. Spiegel betonte, es sei erschreckend, dass Juden rund 60 Jahre nach dem Holocaust noch immer oder schon wieder Angst haben müssten.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:05 Uhr