Pakistans Rolle im Zwielicht

Staatspräsident streitet ab, bin Laden Unterschlupf gewährt zu haben

Eine Illustration des Pentagons zeigt das Grundstück von Osama bin Laden in Abbottabad (dpa)
Eine Illustration des Pentagons zeigt das Grundstück von Osama bin Laden in Abbottabad (dpa)

Pakistans Präsident Zardari weist den Vorwurf zurück, sein Land habe Osama bin Laden Unterschlupf gewährt. In einem Beitrag für die "Washington Post" nannte Zardari diesen Verdacht "unbegründete Spekulationen".

Zardari veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel "Pakistan did its part" in der angesehenen amerikanischen Tageszeitung, in dem er die "Befriedigung" des pakistanischen Volkes über den Tod des meistgesuchten Terroristen - "the source of the greatest evil" - ausdrückte.

Nach Angaben von Präsident Zardari sind an der Tötung Osama bin Ladens keine pakistanischen Sicherheitskräfte beteiligt gewesen. Der Chef des Terror-Netzwerks Al-Kaida hatte ein Haus in Abbottabad bewohnt, etwa 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad. Die Amerikaner vermuten deshalb, dass er in Pakistan Unterstützung durch örtliche Behörden gehabt hat.

Pakistans Botschafter in Washington sicherte eine vollständige Untersuchung dieser Vorwürfe zu. Aus Angst vor Racheakten schlossen die USA ihre Botschaft und drei Konsulate in Pakistan für den Publikumsverkehr.

Für Al-Kaida war es immer wichtig, nicht von dem Vermögen ihres Führers abhängig zu sein, meint der Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider. Der Tod von Bin Laden spiele für das Budget keine Rolle, da es genügend Einnahmequellen gebe. Es sei keine ökonomische Schwächung des Terror-Netzwerks zu erwarten, sagte Schneider im Deutschlandfunk.

Afghanische Zeitungen berichten über die Ermordung des Terroristenführers Osama bin Laden. (AP)Afghanische Zeitungen berichten über die Ermordung von Osama bin Laden (AP)Für die Sicherheit Afghanistans sei der Tod Osama bin Ladens ein positiver Faktor, meint Mohammad Amin Farhang, ehemaliger Handelsminister der afghanischen Regierung. Sein letzter Aufenthaltsort beweise, dass Pakistan Top-Terroristen Unterschlupf gewähre, sagte Farhang im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Die USA haben in Ägypten kein großes Ansehen - zu lange haben sie mit dem Regime von Hosni Mubarak sympathisiert, sagt Ronald Meinardus vom Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung in Kairo. Daher löst auch die Tötung von Osama bin Laden keinen Jubel aus, berichtete Meinardus im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur.

Nach der erfolgreichen amerikanischen Kommandoaktion fordert der Grünen-Außenexperte Hans-Christian Ströbele ein Ende des NATO-Einsatzes in Afghanistan. Rasche Verhandlungen mit den Taliban über einen Waffenstillstand müssten nun folgen, sagte Ströbele im Deutschlandfunk.

"Wir alle haben die Sorge, dass sein Netz, das ja nach wie vor existiert, jetzt sozusagen Vergeltung androht und erst recht zuschlägt", warnte Manfred Weber (CSU) gegenüber Deutschlandradio Kultur. Der stellvertretende Vorsitzender der EVP im Europarlament sprach sich angesichts möglicher Racheaktionen des Al-Kaida-Netzwerks für eine bessere Zusammenarbeit der europäischen Ermittlungsbehörden aus.

Mit einer Pappfigur, die den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush darstellt, feiern Menschen vor dem Weißen Haus in Washington den Tod von Osama bin Laden. (picture alliance / dpa)Danke an George W. Bush: Amerikaner feiern den Tod von Osama bin Laden (picture alliance / dpa)Man könne den Jubel der Amerikaner über die Tötung Bin Ladens verstehen, findet Gernot Erler, Fraktionsvize der SPD im Bundestag. "Aber irgendeinen Triumph über die Tötung von Menschen habe ich persönlich nicht empfunden", sagte Erler im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Die Tötung Bin Ladens sei ein erheblicher Schlag für den internationalen Terrorismus.

Ist die Leiche zweifelsfrei identifiziert? Eine DNA-Analyse zieht entweder Verwandte des Toten oder von ihm berührte Gegenstände heran. Auch Fotos oder Videos seien bei guter Qualität zur Identifizierung ausgesprochen hilfreich, sagte der Rechtsmediziner Markus Rothschild im Deutschlandradio Kultur.

Weitere Beiträge zum Tod von Osama bin Laden im Deutschlandradio:

Eine amerikanische Kugel - Kommentar von Klaus Remme, Büro Washington
Eine traumatisierte Gesellschaft atmet auf - Kommentar von Peter Lange, Chefredakteur Deutschlandradio Kultur
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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr