Papst nimmt Bad in der Menge

Kanzlerin Merkel gratuliert Franziskus

Papst Franziskus lässt sich auf dem Petersplatz bejubeln (picture alliance / dpa / Ettore Ferrari)
Papst Franziskus lässt sich auf dem Petersplatz bejubeln (picture alliance / dpa / Ettore Ferrari)

Der neue Papst kann mit dem Alltag beginnen. Mit einer feierlichen Zeremonie vor dem Petersdom wurde er in sein Amt eingeführt und erklärte, sich für Arme und Schwache einsetzen zu wollen. Im Anschluss begrüßte Franziskus Vertreter von Delegationen aus 132 Staaten - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wechselte einige Sätze mit dem neuen Papst.

Den Kontakt mit Gläubigen und Touristen ließ sich der neue Papst Franziskus nicht nehmen: Schon eine Dreiviertelstunde vor Beginn der Messe ließ er sich im Papamobil über den Petersplatz fahren. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Benedikt XVI. wählte er kein panzerglasgeschütztes Fahrzeug, sondern ein Cabrio. In einfacher weißer Soutane fuhr er durch die Menge, bei strahlendem Sonnenschein jubelten ihm Zehntausende Pilger zu. Einzelnen von ihnen schüttelte der Papst die Hände. Auf dem Weg ließ er den Wagen einmal anhalten, um einen behinderten Pilger zu segnen - und immer wieder Kleinkinder, die sein Sicherheitschef über die Absperrung hob.

Gebet am Grab des ersten Stellvertreters Christi

Papst Franziskus segnet vor seiner Amtseinführung ein Kind auf dem Petersplatz (picture alliance / dpa / Claudio Peri)Papst Franziskus segnet vor seiner Amtseinführung ein Kind auf dem Petersplatz (picture alliance / dpa / Claudio Peri)Vor der Messe betete der Papst am Grab Petri, dem ersten Kirchenführer, das sich unter dem Papstaltar im Petersdom befindet. Hier werden seine sterblichen Überreste verehrt. Im nahen Zirkus war Petrus Mitte des ersten Jahrhunderts unter Kaiser Nero hingerichtet und dann beigesetzt worden. Über seinem Grab wurde später die Peterskirche errichtet. Begleitet wurde Papst Franziskus von den Patriarchen und Oberhäuptern der katholischen Ostkirchen. Ein Diakon entnahm das dort deponierte Pallium - eine über zweieinhalb Meter lange Stola, sozusagen ein Schal aus Lamm- und Schafwolle - und den silbernen Fischerring, auf dem Petrus abgebildet ist. Danach setzte sich die Prozession mit den Kardinälen und dem Papst durch den leeren Petersdom zum Vorplatz in Bewegung.

Im Rahmen seines ersten Pontifikalamts als Papst wurden Franziskus dann die die päpstlichen Insignien überreicht. Dieser Ritus markiert den Beginn des Pontifikats. Stellvertretend für die Kardinalpriester gelobten sechs von ihnen feierlich Gehorsam, unter ihnen auch der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner.

Papst will Diener sein

In seiner Predigt rief Papst Franziskus zu mehr Mitmenschlichkeit und zur Bewahrung der Schöpfung auf. "Lasst uns Hüter der Schöpfung, des in der Natur hingelegten Planes Gottes sein, Hüter des anderen, der Umwelt", rief er vor allem den Verantwortungsträgern in Politik und Wirtschaft auf, die an der Messe teilnahmen. Sie dürften nicht zulassen, dass "Zeichen der Zerstörung und des Todes den Weg dieser unserer Welt" begleiteten. Vor allem forderte Franziskus dazu auf, sich liebevoll um Kinder, alte und an den Rand der Gesellschaft gedrängte Menschen zu kümmern.

Sein Papstamt begreife er als Dienst für die Armen und Schwachen. Auch der Papst müsse, um seine Macht auszuüben, "immer mehr in jenen Dienst eintreten", der "seinen leuchtenden Höhepunkt am Kreuz hat", sagte Franziskus. Wie der heilige Josef müsse er die Arme ausbreiten, um das ganze Volk Gottes zu hüten und die gesamte Menschheit anzunehmen, besonders die Ärmsten, die Schwächsten und Geringsten: "Nur wer mit Liebe dient, weiß zu behüten."

Gäste aus aller Welt

Papst Franziskus betet während seiner Amtseinführung vor dem Petersdom in Rom (picture alliance / dpa / Maurizio Brambatti)Papst Franziskus betet während seiner Amtseinführung vor dem Petersdom in Rom (picture alliance / dpa / Maurizio Brambatti)Die feierliche Amtseinführung erfolgt sechs Tage nach der Papstwahl. Dazu waren aus aller Welt Gäste nach Rom gekommen, neben Hunderttausenden Pilgern auch Staats- und Regierungschefs. Aus Franziskus‘ Heimatland Argentinien kam Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, aus den USA Vizepräsident Joe Biden. Deutschland wird von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Winfried Kretschmann und Bundestagspräsident Norbert Lammert vertreten, berichtet unser Korrespondent Stefan Troendle. Ein im Vatikan höchst seltener Gast wird mit dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel dabei sein: Bartholomäus I. ließ über einen Sprecher mitteilen, die beiden Kirchen hätten in der letzten Zeit große Fortschritte in ihren Beziehungen gemacht.

Nach der Amtseinführung begrüßte Franziskus im Petersdom die angereisten Staats- und Regierungschefs - Delegationen aus 132 Staaten standen in der Schlange. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Papst Franziskus zu seinem Amtsantritt. Nach dem Pontifikalamt des neuen Kirchenoberhaupts begrüßte sie Franziskus mit einem herzlichen Händeschütteln und wechselte einige Sätze mit ihm. Anschließend stellte sie ihm auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) vor.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr