Papst wäscht Strafgefangenen die Füße

Beginn der Osterzeremonien in Rom

Franziskus wäscht einem Häftling im Gefängnis in Rom die Füße (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)
Franziskus wäscht einem Häftling im Gefängnis in Rom die Füße (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)

Es war eine starke Geste: Papst Franziskus hat die Osterfeierlichkeiten damit begonnen, jugendlichen Strafgefangenen die Füße zu waschen. Die rituelle Fußwaschung erinnert an Jesus von Nazareth, der laut Bibel dies mit seinen Jüngern als ein Zeichen der Liebe und Demut praktizierte.

Das neugewählte Oberhaupt der katholischen Kirche feierte am Gründonnerstag die traditionelle Abendmahlsmesse in einem römischen Jugendgefängnis. Zwölf Gefangenen unterschiedlicher nationaler und religiöser Herkunft, darunter zwei Mädchen, wusch Franziskus die Füße. Er nannte die Geste an den Gefangenen seine Pflicht als Priester und Bischof. "Der höchste unter uns muss Dienst an den anderen tun", die Fußwaschung sei ein Symbol dafür, sagte er in seiner frei gehaltenen Predigt zu den Gefangenen: "Wir müssen uns nicht jeden Tag gegenseitig die Füße waschen, aber wir müssen uns gegenseitig helfen." Die Fußwaschung sei eine "Liebkosung Jesu", denn dieser sei zu den Menschen gekommen, um ihnen zu helfen.

Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte bei der Messe in der römischen Lateranbasilika regelmäßig zwölf Priestern die Füße gewaschen.

Appell: Öffnet Euch

Am Vormittag hatte Franziskus bei einer Messe im Petersdom die Priester aufgefordert, sich den Gläubigen zuzuwenden. Dort, wo Leiden und Blutvergießen herrschten, gebe es auch Blindheit, die sich danach sehne zu sehen, und "Gefangene zu vieler schlechter Herren", sagte der neue Papst. Franziskus wiederholte in der Messe seinen Aufruf an Kirche und Priester, sich zu öffnen. "Es ist eben gerade nicht in den Selbsterfahrungen oder den wiederholten Introspektionen, dass wir dem Herrn begegnen", führte er aus. Vielmehr müssten die Priester dorthin gehen, wo andere auf das Evangelium warteten. An dem Gottesdienst nahmen Hunderte Kleriker und Ordensleute des Bistums Rom teil.

Ostern, die Feier der drei Tage des Leidens und der Auferstehung Jesu, ist das wichtigste Fest der christlichen Kirchen. Höhepunkte der kommenden Tage in Rom sind am Karfreitagabend die Kreuzwegmeditation am antiken Kolosseum, die Feier der Osternacht am späten Karsamstag im Petersdom sowie die Ostermesse am Sonntag mit dem anschließenden Segen "Urbi et orbi".

"Brandrede" gegen "theologischen Narzissmus"

Unterdessen wurde die Rede bekannt, die Franziskus vor seiner Wahl zum Papst vor den versammelten Kardinälen gehalten hatte - es war eine schonungslose Analyse zum Zustand der katholischen Kirche. "Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit", sagte der spätere Papst Jorge Maria Bergoglio nach Angaben von Radio Vatikan.

Eine "egozentrische Kirche" beanspruche Jesus für sich und lasse diesen nicht in Kontakt zur Außenwelt treten, beklagte Bergoglio weiter. Wenn die Kirche nicht aus sich herausgehe, kreise sie in der Überzeugung, ein eigenes Licht zu besitzen, um sich selbst. Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, hatte mit Genehmigung von Franziskus dessen "Brandrede" gegen "theologischen Narzissmus" in der katholischen Kirche veröffentlicht.

Franziskus verlangt radikalen Mentalitätswechsel

Die Botschaft des neuen Papstes ist unbequem, erklärte Korrespondent Tilmann Kleinjung im Deutschlandfunk. Franziskus verlangt einen radikalen Mentalitätswechsel, natürlich zu allererst von seinem "Personal" - von den Kardinälen, Bischöfen und Priestern.

Ein Priester, der nicht aus sich herausgehe, werde zum Verwalter, zum Funktionär: "Genau daher kommt die Unzufriedenheit einiger, die schließlich traurig werden, traurige Priester. Sie sind eine Art Antiquitäten- oder Neuheitensammler, anstatt Hirten mit dem 'Geruch der Schafe' zu sein. Und darum bitte ich Euch: Seid Hirten mit dem 'Geruch der Schafe'!"

Die Regeln des päpstlichen Hofstaats, die auf strenger Hierarchie und sich wiederholenden Riten basieren, setzt Franziskus damit außer Kraft. Das gefällt nicht allen in der katholischen Kirche - doch Franziskus hat sich in den ersten Wochen als sehr durchsetzungsstark erwiesen.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr