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Papst warnt vor Diskriminierung von Homosexuellen

Äußerungen nach dem Weltjugendtag in Brasilien

Papst Franziskus beantwortet auf dem Rückflug von Brasilien die Fragen der Journalisten. (AFP/Luca Zennaro)
Papst Franziskus beantwortet auf dem Rückflug von Brasilien die Fragen der Journalisten. (AFP/Luca Zennaro)

Papst Franziskus hat sich gegen eine Ausgrenzung Homosexueller ausgesprochen. Homosexuelle Neigungen seien keine Sünde, homosexuelle Akte dagegen schon, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

"Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, um über ihn zu richten?", sagte der Papst zu Journalisten auf dem Rückflug von Brasilien. Diese Menschen dürften nicht an den Rand gedrängt werden, sondern sie müssten in die Gesellschaft integriert werden. Das gehe aus dem Katechismus ganz klar hervor. Nach dessen Maßgabe ist die homosexuelle Veranlagung an sich nicht sündhaft, sondern das Praktizieren der Homosexualität.

Spekulationen über homosexuelle Seilschaften

Während der Pressekonferenz ging Papst Franziskus auch auf Spekulationen über die Existenz homosexueller Seilschaften im Vatikan ein. Vor Wochen war im Internet ein Gesprächsprotokoll aufgetaucht, in dem der Papst offenbar ein Homosexuellen-Netzwerk im Vatikan bestätigt. Er habe keine gesicherten Informationen über gleichgeschlechtliche Tendenzen von Kurienmitarbeitern. Das Problem sei nicht eine Person mit homosexueller Veranlagung, sondern die Bildung einer Lobby. Jede Art von Seilschaft sei schlecht, sagte der Papst. Die Frage, wie die Kirche mit praktizierenden Homosexuellen umgehen soll, ließ er offen.

"Vielleicht zum ersten Mal kommen von einem Papst nicht offen homophobe Worte", sagte der italienische Abgeordnete und Schwulen-Aktivist Alessandro Zan laut der Nachrichtenagentur "Ansa". Hoffnung machen die Worte des Papstes auch dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck. "Aber vielmehr als eine Hoffnung ist es nicht", so Beck. Auch gebe das obskure Wettern des Papstes gegen eine sogenannte Schwulenlobby Rätsel auf.

Tür zum Priesteramt für Frauen bleibt geschlossen

Franziskus wurde auch zur Person Battista Ricca befragt. Ihm hatte er kürzlich trotz Gerüchten über Treffen mit männlichen Prostituierten einen wichtigen Posten bei der umstrittenen Vatikanbank zugewiesen. Dazu sagte Franziskus, er habe in dem Fall eine Untersuchung angeordnet. Diese habe nichts ergeben. Dagegen fand er für die Forderung nach Frauen im Priesteramt deutliche Worte: "Diese Tür ist geschlossen", unterstrich er. Allerdings sollten Frauen wichtigere Rollen in der Kirchenverwaltung und in den pastoralen Aktivitäten einnehmen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

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