Startseite > _Archiv > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 04.06.2013

Paris überzeugt von Giftgas-Einsatz in Syrien

USA fordern mehr Beweise

Frankreich sieht Beweise für den Einsatz des Kampfgases Sarin durch die syrischen Regierungstruppen (picture alliance / dpa / Sana)
Frankreich sieht Beweise für den Einsatz des Kampfgases Sarin durch die syrischen Regierungstruppen (picture alliance / dpa / Sana)

Ob die Kriegsparteien in Syrien auch mit chemischen Waffen kämpfen, darüber wird seit Monaten gerätselt. Die französische Regierung sieht dies nun als erwiesen an. Untersuchungen hätten es ergeben, so Außenminister Fabius.

Schon ein halbes Milligramm Sarin kann zum Tod führen. Der Einsatz von Chemiewaffen ist laut internationalen Abkommen ein unter Strafe stehendes Kriegsverbrechen. Frankreichs Regierung hat nun «keinen Zweifel» mehr daran, dass das Nervengas in Syrien mindestens ein Mal durch «das Regime und seine Komplizen» eingesetzt worden ist. Das sagte Außenminister Laurent Fabius dem Fernsehsender France 2 am Dienstagabend und berief sich dabei auf Untersuchungsergebnisse französischer Experten.

Die Regierung habe die Analyseergebnisse an den Chef der UN-Untersuchungskommission zum Einsatz von Chemiewaffen in Syrien übergeben.

Reaktion unklar

Frankreich stehe in Gesprächen mit seinen Partnern, «und alle Optionen sind auf dem Tisch», fuhr Fabius fort. Noch sei aber nicht entschieden, ob überhaupt reagiert werde und wenn ja, ob dies «auf militärische Weise dort, wo das Gas produziert, wo es gelagert wird», geschehen könnte.

UNO spricht von vier Vorfällen

Am Morgen hatten die Vereinten Nationen mitgeteilt, dass es glaubwürdige Hinweise für den Einsatz von Chemiewaffen durch beide Konfliktparteien gebe. Demnach soll es sich um mindestens vier Vorfälle handeln, bei denen begrenzte Mengen eingesetzt worden seien. Die Art der Kampfstoffe, der Typ der Waffensysteme und die Urheber seien allerdings nicht bekannt. Der Verdacht richte sich aber vor allem gegen Regierungstruppen.

Die syrische Führung aber weist die Vorwürfe zurück und beschuldigt ihrerseits die Rebellen, sich chemischer Waffen zu bedienen.

Der neue Syrienbericht der UNO-Untersuchungskommission des Menschenrechtsrats spreche zudem von brutalen Taktiken, häufigen Massakern und Zerstörungen unvorstellbaren Ausmaßes, berichtet Hans-Jürgen Maurus im Deutschlandfunk.

USA fordern mehr Beweise

Die US-Regierung reagierte zurückhaltend und verlangt weitergehende Beweise. «Wir müssen die vorliegende Beweislage erhärten (...), bevor wir irgendwelche Entscheidungen treffen können», sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, am Dienstag in Washington. Dafür seien aber «noch mehr Untersuchungen notwendig». US-Außenminister John Kerry hatte bereits Anfang Mai gesagt, seine Regierung glaube, dass es «starke Beweise» für den Einsatz von Chemiewaffen gäbe.

Einige Seiten sehen nun die Vorbedingungen für ein militärisches Eingreifen im syrischen Bürgerkrieg erfüllt, denn Präsident Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen als «rote Linie» bezeichnet, der «die Spielregeln verändern» würde.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr