Philippinische Rebellen nehmen Geiseln

Machtkampf um Friedensverhandlungen

Soldaten in Alarmbereitschaft: Straßenszene aus der südphilippinischen Stadt Zamboanga (picture alliance / dpa / Pia - Western Mindanao / Handout)
Soldaten in Alarmbereitschaft: Straßenszene aus der südphilippinischen Stadt Zamboanga (picture alliance / dpa / Pia - Western Mindanao / Handout)

Im Süden der Philippinen setzt sich der bewaffnete Konflikt in der Stadt Zamboanga zwischen Militär und Rebellen fort. Die muslimischen Rebellen der Moro Befreiungsfront (MNLF) haben erneut mehrere Dutzend Geiseln genommen.

Hinter den Auseinandersetzungen steht auch ein Machtkampf zwischen zwei Separatistengruppen. Die Rebellen der MNLF Bewegung sind gegen Friedensverhandlungen mit der Regierung, wie sie die stärkste Separatistengruppe der Philippinen, die Moro Islamische Befreiungsfront (MILF), derzeit führt.

Die MILF hatte sich im Dezember mit Manila auf ein Abkommen verständigt, das die Schaffung halbautonomer muslimischer Regionen ab 2016 vorsieht. MNLF-Gründer Nur Misuari erklärte dagegen gestern die südlichen Regionen des Landes, in denen größtenteils Muslime leben, für unabhängig und rief seine Anhänger auf, öffentliche Gebäude anzugreifen.

In Zamboanga, einer Kommune mit 800.000 Einwohnern auf der Insel Mindanao, trafen mehr als 200 MNLF-Kämpfer ein. Mindestens sechs Menschen wurden bei Kämpfen getötet. Die Rebellen nahmen auch Geiseln. Zamboangas Bürgermeisterin sprach von 170 Bewohnern aus sechs benachbarten Dörfern, die nun in der Gewalt der MNLF seien. Gestern hatten westliche Medien von 20 Geiseln berichtet. Die Sicherheitskräfte hätten einen Ring um die Stadt gebildet, teilte ein Sprecher der lokalen Behörden mit. Man setze nun auf Verhandlungen mit der MNLF.

Noch vor einigen Jahren waren die Rollen genau andersherum verteilt. 1996 hatte die MNLF selbst ein Friedensabkommen mit der philippinischen Regierung unterzeichnet und sich verpflichtet, ihre Unabhängigkeitsbestrebungen aufzugeben und eine einfache Autonomie der Region anzupeilen. Damals war es die MILF, die den Friedensprozess torpedierte. Sie ist inzwischen zur stärksten Rebellenorganisation der Philippinen avanciert, der Friedensprozess stockte lange. Seit einigen Monaten verhandelt Manila nun mit der MILF. Die MNLF fühlt sich bei den Verhandlungen nicht genügend berücksichtigt.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr