Piraten-Chef Schlömer tritt ab

Konsequenzen nach Wahlschlappe im Bund

Piraten-Chef Bernd Schlömer hat seinen Rückzug angekündigt. (picture-alliance / dpa)
Piraten-Chef Bernd Schlömer hat seinen Rückzug angekündigt. (picture-alliance / dpa)

Er will nicht enden wie Jürgen Trittin: Nach dem 2,2-Prozent-Desaster für die Piraten räumt Bernd Schlömer den Parteivorsitz. Die Piraten müssen sich nun einen neuen Chef suchen. Ein besonders prominentes Gesicht der Partei könnte damit vor einem Comeback stehen.

<p>Nach der Bundestagswahl hat bei den kleinen Parteien das große Stühlerücken begonnen: FDP-Chef Philipp <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="262752" text="Rösler tritt zurück" alternative_text="Rösler tritt zurück" />, das <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="262898" text="Spitzenpersonal der Grünen ist amtsmüde" alternative_text="Spitzenpersonal der Grünen ist amtsmüde" /> – und auch bei den Piraten wird sich einiges ändern.<br /><br />Mit einer lakonischen Meldung beim Kurznachrichtendienst Twitter hat Parteichef Bernd Schlömer heute seinen Rückzug bekannt gegeben. Er schreibt: "Tschüß, Piraten! Das war es für mich. Ich ziehe mich zurück. Vielen Dank für 4 ½ tolle Jahre im #BuVo." Eine Sprecherin erläuterte kurz darauf, Schlömer werde beim Bundesparteitag im November nicht wieder antreten. Zuvor hatten schon Beisitzer Klaus Peukert und Partei-Vize Sebastian Nerz ihren Rückzug aus dem Vorstand angekündigt.<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet"><p>Tschüß <a href="https:twitter.com/search?q=%23Piraten&src=hash">#Piraten</a> ! Das war es für mich. Ich ziehe mich zurück. Vielen Dank für 4 1/2 tolle Jahre im <a href="https:twitter.com/search?q=%23BuVo&src=hash">#BuVo</a> .</p>— Bernd Schlömer (@BuBernd) <a href="https:twitter.com/BuBernd/statuses/382445507366617088">September 24, 2013</a></blockquote><br /><script async src="platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br />Die Führungsriege der Piratenpartei zieht damit die Konsequenzen aus dem mageren Wahlergebnis. Die Polit-Freibeuter kamen nur auf 2,2 Prozent der Stimmen. Vor einem Jahr hatte die Partei noch einen wahren Höhenflug erlebt, erreichte in Umfragen teils zweistellige Werte. Schon in den vergangenen Monaten waren diese Zahlen deutlich zusammengeschrumpft, seit Sonntag ist es mit der Euphorie nun endgültig vorbei. Die Partei steht vor einem Scherbenhaufen.<br /><br /></p><p><strong>Von der Spähaffäre konnten die Piraten nicht profitieren</strong></p><p>Kritiker beklagen, dem Vorstand sei es nicht gelungen, der Partei ein starkes Profil zu geben. Selbst in der NSA-Affäre - ein Thema, das eigentlich wie gemacht schien für die Netzpartei - konnte sie kaum in Erscheinung treten. Insbesondere der Vorsitzende Schlömer, im Hauptberuf Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium, wurde von vielen Parteianhängern als zu blass und unauffällig wahrgenommen.<br /><br />Jetzt sollen andere ran und die demoralisierte Partei wieder auf Kurs bringen. Zu "Spiegel Online" sagte Schlömer: "Es ist Zeit, frische Leute aufzufordern, Politik zu machen. Ich möchte einer notwendigen Profilierung nicht im Weg stehen." In Anspielung auf die Kritik am Grünen-Spitzenkandidaten fügte er hinzu: "Der Shitstorm gegen Trittin hat mir gezeigt, dass ich nicht so negativ bewertet enden möchte."<br /><br /></p><p><strong>Rückt Marina Weisband jetzt an die Spitze?</strong></p><p>Mögliche Nachfolger für den Piraten-Chefposten werden bereits gehandelt. Ein Name, der genannt wird, ist der des Berliner Abgeordneten Christopher Lauer. Als eine denkbare Kandidatin gilt auch Marina Weisband. Sie war von 2011 bis 2012 politische Geschäftsführerin der Partei, zog sich dann aber von dem Posten zurück. Als Gründe nannte sie damals gesundheitliche Probleme und den Wunsch nach mehr Zeit für ihre Diplomarbeit in Psychologie. <br /><br />Doch jetzt könnte die 25-Jährige vor einem Comeback stehen und an die Parteispitze aufrücken. "Ich überlege es mir wirklich", sagte Weisband "Spiegel Online". In einer kurz danach veröffentlichten Twitter-Meldung klang es dann etwas zurückhaltender. Sie habe gesagt, dass sie eine Kandidatur für den Bundesvorstand nicht ausschließe, schreibt Weisband. Zunächst wolle sie sich aber um ihren Job kümmern.</p>

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:18 Uhr