Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 21.11.2006

Politiker fordern Verbot von Killerspielen

Debatte nach Amoklauf an Schule

Der Tatort: die Geschwister- Scholl-Realschule in Emsdetten (AP)
Der Tatort: die Geschwister- Scholl-Realschule in Emsdetten (AP)

Nach dem Amoklauf eines 18-Jährigen an einer Schule im westfälischen Emsdetten ist die Diskussion über ein Verbot gewaltverherrlichender Computerspiele wieder voll entbrannt. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, sagte der "Netzeitung", er sei dafür, einen solchen Schritt in Betracht zu ziehen. Allerdings werde nicht jeder, der solche Spiele benutze, automatisch zum Massenmörder.

Offen für ein Verbot von so genannten Killerspielen zeigte sich auch der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach. Sollte sich herausstellen, dass der Täter sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit solchen Spielen beschäftigt habe, müsste der Gesetzgeber handeln.

Auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber schloss sich den Verbotsforderungen an. Es dürfe keine Ausreden mehr geben, sagte Stoiber. "Killerspiele gehören in Deutschland verboten. Sie animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten." Solche Spiele dürften in der Gesellschaft keinen Platz haben. Der CSU-Politiker kündigte an, Bayern werde einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundesrat einbringen.

Angaben von Mitschüler zufolge soll der Täter ein fanatischer Spieler des Computerspiels "Counter-Strike" gewesen sein und auf seiner Internetseite seine Schule virtuell für das Spiel nachgebaut haben. Auch der Amokläufer an einem Erfurter Gymnasium vor vier Jahren hatte bei seiner Bluttat Szenen aus dem Spiel nachgeahmt.

Lehrerverband: Keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen an Schulen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, warnte vor wachsender Gewalt in Filmen und Videospielen. Dadurch werde Jugendlichen der schnelle Sieg des Stärkeren vorgegaukelt, betonte Kraus in der "Bild"-Zeitung. Auswege für den Verlierer böten die brutalen Computerspiele jedoch nicht.

Besonders Sicherheitsmaßnahmen an Schulen zur Vermeidung von Amokläufen lehnte Kraus ab. Pädagogik und Unterricht könnten nicht in der Atmosphäre eines Hochsicherheitstraktes erfolgen, sagte Kraus im ZDF-Morgenmagazin. Von Metalldetektoren und Kameras, wie sie teilweise an amerikanischen Schulen üblich seien, halte er nichts.

Der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck, lehnte Verbote von bestimmten Computerspielen ab. Es müsse vielmehr verstärkt eine Debatte über Medienkompetenz und eine sinnvolle Computernutzung geführt werden, sagte Beck.

Waffen offenbar über das Internet bezogen

Ein Amokläufer hatte am Montag schwer bewaffnet seine ehemalige Realschule gestürmt. 27 Personen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte, habe sich der 18-Jährige nach der Tat durch einen Schuss in den Kopf getötet.

Ferner gaben die Behörden bekannt, es gebe Hinweise darauf, dass der Täter die Waffen und den Sprengstoff über das Internet bezogen habe. Die Ermittler hatten bei ihm zwei Gewehre und eine Pistole sichergestellt. Der Amokläufer habe die Waffen, die im Handel frei erhältlich seien, teilweise manipuliert, teilte die Polizei mit.

Mitschülern bezeichneten den jungen Mann als Waffennarr. Außerdem soll er für seine Aggressivität bekannt gewesen sein. Am Dienstag hätte er sich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Jugendgericht Rheine verantworten müssen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:19 Uhr