Startseite > _Archiv > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 30.06.2013

Polizei räumt Asylbewerbercamp in München

Flüchtlinge waren in gefährlichen Hungerstreik getreten

Asylbewerber kämpfen um die Anerkennung ihrer Asylanträge (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)
Asylbewerber kämpfen um die Anerkennung ihrer Asylanträge (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)

Rund 50 Flüchtlinge aus Afrika und Asien wollten sich in der bayrischen Hauptstadt zu Tode hungern – wenn ihre Asylanträge nicht sofort anerkannt werden. Ein Vermittlungsversuch scheiterte, am frühen Morgen griff die Polizei durch.

In München hat die Polizei ein Camp von Asylbewerbern geräumt. Die Beamten reagierten damit auf die Ankündigung der rund 50 Flüchtlinge aus mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern, mit ihrem lebensgefährlichen Hungerstreik weiterzumachen. Ein Sprecher der Stadt erklärte: "44 Patienten sind mit dem Rettungsdienst auf zwölf Krankenhäuser verteilt worden." Die Räumung habe um 5 Uhr begonnen und sei inzwischen abgeschlossen. Nach Angaben der Stadt war es ein "sehr schwieriger Einsatz". Die Polizei habe eine Sitzblockade aufgelöst.

In der Nacht hatten der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel und der ehemalige CSU-Spitzenpolitiker Alois Glück versucht, zu vermitteln – waren jedoch gescheitert. Sie hatten das Zeltlager der Flüchtlinge auf dem Rindermarkt in der Innenstadt besucht und mit Vertretern der Gruppe im angrenzenden Stadtmuseum gesprochen.

Wahlkampf in Bayern sollte zurückstehen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatten angekündigt, der Landtagswahlkampf solle angesichts der ernsten Lage zurückstehen. Ude (SPD) versicherte, dass der Krisenstab von Stadt und Regierung Tote in München verhindern wolle.

Wie der Bayrische Rundfunk berichtet, stammen die Asylbewerber vor allem aus dem Iran, Afghanistan, Äthiopien, Syrien und Sierra Leone. Sie verlangen eine sofortige unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Vogel nannte die Forderung "unerfüllbar". Die Rechtslage lasse das nicht zu. Um ihre Forderung zu unterstreichen, traten sie vor einer Woche in den Hungerstreik – Ärzten wurde kein Zutritt zu dem Camp gewährt. Seit Dienstag hatten die Asylbewerber auch darauf verzichtet, zu trinken, was innerhalb weniger Tage zum Tod führen kann.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr