Polizei sucht nach weiteren Computern des Amokläufers

Angebliche Tatankündigung war offenbar eine Fälschung

Trauernde stehen am Tag nach der Tat vor der Albertville-Realschule in Winnenden. (AP)
Trauernde stehen am Tag nach der Tat vor der Albertville-Realschule in Winnenden. (AP)

Nach dem Amoklauf von Winnenden suchen die Ermittler jetzt nach weiteren Computern im Umfeld des Täters. Auf dem beschlagnahmten Gerät des Amokläufers hatte sich entgegen erster Erkenntnisse kein Eintrag mit einer Art Tatankündigung befunden.

Die neue Ermittlungslage widerspricht den ursprünglichen Angaben des baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech (CDU) vom Donnerstag, nach denen der Amokläufer von Winnenden sein Tatvorhaben in einem Internet-Chatroom beschrieben hatte. Rech sagte mittlerweile korrigierend der "Süddeutschen Zeitung", der entsprechende Eintrag sei nach Erkenntnissen der Polizei nicht auf dem Computer des Täters geschrieben worden.

Auch Polizei und Staatsanwaltschaft hatten erklärt, es gebe daran inzwischen erhebliche Zweifel. Ein Sprecher der Polizei Waiblingen hatte am Donnerstag Abend die Ermittlungslage korrigiert. In Internetforen wurde die angebliche Tatankündigung bereits seit Mittwoch als Fälschung bezeichnet.

Innenminister Rech hatte am Donnerstag Mittag auf einer Pressekonferenz aus dem Chatroom-Eintrag zitiert. Darin schreibe der Verfasser wörtlich: "Ich habe dieses Lotterleben satt."

Weiter sollte der Attentäter geschrieben haben: "Es ist immer dasselbe, alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial. Ich werde morgen früh in meine alte Schule gehen. Man möge sich den Namen des Ortes Winnenden merken."

Deutschlandradio-Onlineredakteur Frank Barknecht warnt im Zusammenhang mit der offenbar gefälschten Tatankündigung des Amokläufers von Winnenden davor, Quellen aus dem Internet ungeprüft zu nutzen.

Schäuble: "Was läuft schief in unserer Gesellschaft?"

Wolfgang Schäuble (CDU) hält zurzeit weder etwas von einer Verschärfung des Waffenrechts noch Sicherheitsmaßnahmen an Schulen. Nach dem Amoklauf ist die Diskussion um die Sicherheit und Lagerung von Waffen voll entbrannt. Der Bundesinnenminister stellt dagegen die Frage, "Wollen wir so viel Gewalt?" - und macht unter anderem die exzessive Gewaltdarstellung in Filmen und Videospielen als Diskussionspunkt aus.

Schüler trauern vor der Albertville-Realschule in Winnenden bei Stuttgart. (AP)Schüler trauern vor der Albertville-Realschule in Winnenden bei Stuttgart. (AP)

Bischöfin Käßmann wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für Kinder

Die Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Margot Käßmann, hat angesichts der Amoktat von Winnenden mehr Aufmerksamkeit für Kinder angemahnt. Sie wünsche sich, dass "so ein entsetzliches Grauen" Menschen auch nachdenklicher mache, sagte Käßmann.

Der Psychiater Ulrich Sachsse sieht auf Angehörige und Mitschüler der Opfer des Amoklaufs von Winnenden schwere Aufgaben zukommen , "eine Reihe von Aufgaben, denen sie sich nicht entziehen können, wenn sie nicht für den Rest ihres Lebens geschädigt bleiben wollen".

Dänemarks gute Erfahrungen mit Schulpsychologen

Kinder und Jugendliche in Dänemark wachsen in einem recht gut ausgestatten sozialen System auf. Die Kinderbetreuung übernimmt von Klein auf der Staat, auch die meisten dänischen Schüler gehen nach dem Unterricht in einen betreuten Freizeitclub. Pädagogen, Lehrer, auch Psychologen, die nun nach dem Amoklauf in Baden-Württemberg als Allheilmittel gesehen werden, sind aufgefordert, die Kinder wachen Auges zu begleiten.

Grundloses Töten?

Columbine, Erfurt, Tuusula, Winnenden - in diesen vier Orten fanden Amokläufe an Schulen statt. Es waren schreckliche Ereignisse, aber keine Einzelfälle. Und die entscheidende Frage lautet: Warum töten Jugendliche ohne erkennbaren Grund?

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr