Porträtist des Fleisches

Zum Tod des britischen Künstlers Lucian Freud

Lucian Freud gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Seine schonungslosen Akt- und Porträtwerke werden für Millionensummen gehandelt. Freud ist am Mittwochabend in London gestorben.

Bekannt wurde Lucian Freud vor allem mit seiner Akt- und Porträtmalerei. Die Werke des Enkels von Sigmund Freud gelten als umstritten - nicht jeder findet seine schonungslosen Darstellungen anziehend. In England bezeichnen ihn manche als Pornografen. Er hielt alle Einzelheiten seiner Modelle fest: hängende Brüste, durch die Haut durchscheinende Adern, Fettfalten.

Lucian Freud hatte einen ganz eigenen Zugang zur Kunst, sagte Kunstkritiker Carsten Probst in Deutschlandradio Kultur. Seine Werke seien eine "einzigartige Mischung": Er habe die höfische Malerei der Renaissance mit dem Realismus des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart verbunden. Das macht seine Werke zeitlos, sagte Probst.

Freud malte vor allem Familienmitglieder und Freunde. Aber auch Prominente standen Modell für ihn, etwa das Model Kate Moss und die britische Königin Elizabeth II. 2001 porträtierte er die Queen. Das Ergebnis spaltete die Nation: Einige Boulevardzeitungen fanden, dass man Freud in den Tower werfen sollte, weil er sie so hässlich gemacht habe, berichtete Barbara Wesel im Deutschlandfunk. Freud wollte zur Substanz seiner Modelle vordringen, die Menschen unter ihrer Oberfläche zeigen, sagte Wesel.

Am Kunstmarkt erzielten seine Werke in den letzten Jahren hohe Summen. Sein Werk " Benefits Supervisor Sleeping" wurde für 33 Millionen Dollar verkauft - den höchsten Preis, den ein Bild eines lebenden Künstlers jemals erzielt hat. Es zeigt eine sehr dicke, schlafende Frau auf einem Sofa.

Lucian Freud wurde in Berlin geboren und musste nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 mit seiner Familie nach Großbritannien emigrieren. Als 14-jähriger Jugendlicher lernte er bereits an der Londoner Central School of Art. Der große, auch finanzielle Erfolg kam spät: Bis in die 80er-Jahre hinein galt Freuds Kunst als unzeitgemäß.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Klinisch grausame Fleischporträts

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr