Profil "Studio 9 - Kultur und Politik am Morgen"

 

Die Moderatorinnen und Moderatoren der Sendung

Studio 9 - Kultur und Politik am Morgen

Mo. bis Fr. 05.07 Uhr bis 09.00 Uhr
Sa. 06.07 Uhr bis 09.00 Uhr

Porträt von Dieter Kassel (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)Dieter Kassel (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)Dieter Kassel: Geboren wurde ich am 21. Februar 1968 in Duisburg, und es muss so zwischen März 1968 und Januar 1969 gewesen sein, da saß (oder lag) ich vor dem Radio, hörte einem WDR-Moderator zu und dachte mir: Das will ich auch machen. Die Erwachsenen um mich herum begegneten dieser Idee mit Vorschlägen wie „Lern' doch erst mal laufen", „Krieg' erst Deine richtigen Zähne" oder „Lern' doch erst sprechen". Nicht alles davon erschien mir sinnvoll, wozu sollte ein Radiomoderator schließlich laufen können? Dennoch gab ich nach und lernte alles, was mir vorgeschlagen wurde.

Da kam noch eine Menge, und so vergingen fast 20 Jahre, bevor ich dann wirklich im Radio reden durfte. Aus Rache hörte ich nicht mehr damit auf. Deshalb bin ich jetzt immer noch im Radio zu hören, regelmäßig schon ab fünf Uhr morgens im Deutschlandfunk Kultur.

Zu meinen liebsten Freizeitbeschäftigungen gehört daher inzwischen das Schlafen, gefolgt vom Dösen. Wenn ich aber mal wach bin und trotzdem nicht arbeite, dann esse und trinke ich sehr gerne (das sieht man), bereise gerne die Welt, schaue gute Filme und Serien und höre viele verschiedene Arten von Musik (all das sieht man nicht).
Nach mehr als 25 Jahren Erfahrung in diesem Beruf bin ich übrigens immer noch nicht der Meinung, dass ein Radiomoderator unbedingt laufen können muss. Aber es schadet auch nicht.

Portätfoto von Liane von Billerbeck (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)Liane von Billerbeck (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)Liane von Billerbeck:
Die Losung zuhause lautete immer: Erst ins Brötchen beißen, dann die Zeitung aufschlagen. Das fällt mir bis heute schwer, denn ich war und bin eine Zeitungstante, daran haben weder die Jahre beim Fernsehen noch beim Radio etwas geändert. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit elektronischen Ausgaben: "Zeitung" meint natürlich eine richtige, gedruckte, eine, die beim Umschlagen knistert, und so groß ist, dass man dahinter die Teetasse nicht findet. Seit ich „Studio9" früh moderiere, ist der Blick zur Tasse allerdings freier als mir lieb ist: Morgens kurz vor drei gibt's weder die frische Zeitung noch bäckerofenwarme Schrippen. An den, zugegeben, ebenso wunderbaren Tagen, an denen ich nur Hörerin bin; auch nicht im Doppel oder anderswo moderiere, nicht schreibe und nicht in der Bibliothek hocke, bin ich eine glückliche Berlinerin im märkischen Paradies. Sollten Sie also irgendwo, mitten im Wald, mal eine Frau sehen, die intensiv den Boden absucht und ab und zu an einem Kurbelradio dreht - ja, sowas gibt's!- das könnte ich sein. Besonders netten KollegInnen, bringe ich aus der Wildnis manchmal was mit: meist ist es grün und schmeckt sogar.

Portätfoto von Nana Brink (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)Nana Brink (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)Nana Brink: Geboren in Bonn als rheinisch (Vater) – österreichisches  (Mutter) Zentralheizungskind, aufgewachsen im München der Ära Strauß-Dietl, geflohen nach West-Berlin (weil New York zu weit schien), um zu studieren (Geschichte, Literatur), aber das nur nebenbei. Wichtiger waren: Theaterkritiken (Tagespiegel) und Reportagen (SFB). Und Reisen aus dem Kohl-Land weg um den Globus. Noch wichtiger war: Der Bibliothek und Promotion (vorläufig) den Rücken zu kehren, als der „journalistische Abenteuerspielplatz" vor der Haustür lag. Persönlicher Wendepunkt: 9. Oktober 1989 in Leipzig, neben dem CNN-Reporter an der Nikolai-Kirche. Seitdem in Doppel-Deutschland als Autorin und Moderatorin unterwegs (taz, Spiegel, Focus und Deutschlandradio). Und – damit die Perspektive stimmt: Immer wieder in Washington (da ist es dann nicht weit nach New York). Liebster Arbeitsplatz: Studio 9, morgens, 5:07. Momentane Geisteshaltung: Es gibt immer – immer - etwas zu entdecken!

Korbinian Frenzel:Portätfoto von Korbinian Frenzel (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)Korbinian Frenzel (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)
Was so hängen bleibt von Refrain-Fetzen im Radio. Es ging um einen Mann, der sagte, er wäre Journalist. Und Reinhard Mey textete hintendran: „Das war ein klasse Typ, der wusste immer gleich, was Sache ist." Vielleicht lag's ja daran, dass ich heute bin, was ich bin: Journalist.

Es wäre allerdings fast anders gekommen. Trotz erster Gehversuche bei den Wolfsburger Nachrichten führte mein Weg erst einmal auf die ›andere Seite‹ – die der Politik. Die ›Berliner Republik‹ war in ihrer neuen alten Hauptstadt angekommen. Und die frisch gestarteten Rot-Grünen in ihren Bundestagsbüros brauchten Studenten. Politik von innen sehen, lernen, wie die Mechanismen funktionieren. Sehen, wer kocht und wer kellnert. Live-Rock-'n'-Roller bei der Arbeit. Es war ein wahres und nicht selten desillusionierendes Studium der Politik, neben dem eigentlichen: dem der Politikwissenschaft an der FU Berlin.

Doch selbst Berlin kann einem zu klein werden. Und die Liebe kann rufen*. Mich rief sie nach Brüssel – und paarte sich dort mit meiner Leidenschaft für Europa. Vier Jahre habe ich im Europäischen Parlament als Redenschreiber und Referent gearbeitet. Und dabei mit Freude gelernt, dass Politik jenseits von Grenzen – seien sie geographisch, seien sie parteipolitisch – funktionieren kann.

Spannende Zeiten – und doch: Der Journalismus, über all die Jahre wichtigster Nebenweg, musste wieder Hauptweg werden. Zu schwer fiel mir das ›wir‹ der Politik, das auch immer ›die anderen‹ zur Abgrenzung braucht. Thomas Mann hat es einmal wunderbar einfach gesagt: Wenn das Boot nach links zu kentern droht, lehne ich mich automatisch nach rechts. Und umgekehrt.

Der Journalist in dem Lied hieß übrigens Dieter Malinek. Und Reinhard Mey lässt seinen schreibenden Helden schließlich als Kneipenwirt in der nordrheinwestfälischen Provinz enden. Fürs erste hören Sie mich erstmal weiter im Deutschlandfunk Kultur. Und zwar hoffentlich nicht als Typen, der immer weiß, was Sache ist. Dafür immer mit einem „aber" auf den Lippen, wenn andere sich ihrer Sache zu sicher sein sollten.

*Das wichtigste in Fußnoten: die Liebe rief nicht nur, sie hielt und hält und hatte (bis Redaktionsschluss) zwei Töchter zur Folge.

Ute Welty:Portätfoto von Ute Welty (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)Ute Welty (©Deutschlandradio/ Bettina Straub)
Rosa, grün, schwarz - in dieser Reihenfolge sind die Thermoskannen in das Leben von Ute Welty getreten. Wahlweise mit Kaffee oder Tee zu nachtschlafender Zeit abgefüllt, ließen die Kannen nie einen Zweifel daran, dass früh aufstehen muss, wer im Radio was werden will. Zwischen SWF3 und Deutschlandfunk Kultur hat sich die gebürtige Aachenerin schon manche Nacht um die Ohren geschlagen, was zahlreiche Ausflüge als Reporterin in die Fernsehwelt des ARD-Morgenmagazins einschloss. Wer darüber hinaus  die sehr spezielle Mode der späten 80er oder frühen 90er noch einmal In Augenschein nehmen will, sollte mal die Begriffe "High Score" und "Kuk" googeln. Leider zerschellen solche Bilder nicht wie rosafarbene Thermoskannen auf Parkplätzen. Digital geht es inzwischen weiter bei tagesschau.de http://tagesschau.de, ehrenamtlich im Vorstand der Bundespressekonferenz, radiotechnisch vor allem in Studio 9 und das mit großem Vergnügen. Was Ute Welty in ihrer Freizeit tut? Schlafen, lesen, kochen, laufen, Kunst oder TV sehen und - Thermoskannen spülen.

Miriam Rossius (Deutschlandradio - Bettina Straub)Miriam Rossius (Deutschlandradio - Bettina Straub)Miriam Rossius:
Der frühe Vogel kann mich mal! Das war lange Zeit meine Standardantwort auf den Leitspruch eingefleischter Frühaufsteher. Drauf gepfiffen sagte ich – und beneidete in Wirklichkeit alle, die schon vor Sonnenaufgang klar denken und geschliffen reden können, selbst wenn sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen werden.
Ich bin da lange Zeit gut drum herum gekommen: Während des Studiums der Germanistik und Geschichte, in den Kulturredaktionen verschiedener Tageszeitungen, Stadtmagazine und Frauenzeitschriften, am Jüdischen Museum Berlin. Im Volontariat dann vereinzelt erste Frühdienste, und ich war immer noch sicher: „Daran gewöhne ich mich nie." Aber dann kamen die Nachrichten beim Deutschlandfunk Kultur und die Arbeit auf dem Ü-Wagen für den RBB. Politische Weltlage im wöchentlichen Wechsel mit Live-Reportagen von der Stadtreinigung oder vom Kammerjäger. Alles vor Morgengrauen. Und siehe da: Geht doch! Nein, mehr als das: Macht richtig Spaß! Die Hörer beim Wachwerden begleiten, schon ins Funkhaus kommen, wenn drum herum noch alles schläft. Und im Park nebenan die ersten Vögel nach Würmern suchen.

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