Proteste zum Abriss-Auftakt

"Stuttgart-21"-Aktivisten besetzen Bahnhofsdach

Viele Stuttgarter protestieren gegen den Beginn der Abrisss-Arbeiten am Bahnhof. (AP)
Viele Stuttgarter protestieren gegen den Beginn der Abrisss-Arbeiten am Bahnhof. (AP)

Es ist ein gewaltiges Infrastrukturprojekt, das Protest provoziert: In Stuttgart hat der Abriss des historischen Kopfbahnhofes begonnen - und musste wegen Demonstranten auf dem Dach nun wieder unterbrochen werden.

Mehrere Stuttgart-21-Aktivisten halten das Bahnhofsdach besetzt, um gegen den Abriss zu protestieren. Die Arbeiten mussten deshalb vorläufig gestoppt werden. Um niemanden zu gefährden, würden die Bagger vorerst nicht weiterarbeiten, erklärte die Polizei.

Bereits ab Mittwochabend hatten mehrere Tausend Menschen gegen den Beginn der Arbeiten demonstriert (mp3-Audio). Nach Darstellung der Polizei wurden die Proteste dabei zunehmend aggressiver, mehrere hundert Beamte waren im Einsatz.

Bei dem Projekt "Stuttgart 21" soll der alte Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt werden. Die Kosten werden auf 4,1 Milliarden Euro geschätzt.

Der CDU-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, Peter Hauk, sagte zu den Protesten (mp3-Audio): "Die Demonstranten sind nicht die Mehrheit der Baden-Württemberger." Dreiviertel des Landes würden von dem Projekt Stuttgart 21 profitieren.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Eberhard Gienger äußerte Unverständnis gegenüber den Protesten. "Ich wundere mich jetzt schon sehr, dass ausgerechnet jetzt, wo alle Fristen vergangen sind und wo im Grunde genommen alles beschlossen ist, die Demonstranten damit beginnen, ihren Unmut über Stuttgart 21 zu äußern", sagte Gienger im Deutschlandfunk.

Die Grünen verlangen derweil eine Überprüfung der Bundeszuschüsse für das Projekt. Solange die Bahn dem Bundestag ihre Wirtschaftlichkeitsrechnung vorenthalte, könne es keine Bundesmittel für "Stuttgart 21" geben, sagte der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Herrmann dem "Tagesspiegel". "Die Zahlen müssen endlich auf den Tisch", sagte Hermann.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr