Protestlager in Kairo sollen geräumt werden

Ägyptens Sicherheitskräfte wollen Dauerproteste beenden

Ägypter protestieren gegen Staatsstreich (picture alliance / dpa / Mohamed Hossam)
Ägypter protestieren gegen Staatsstreich (picture alliance / dpa / Mohamed Hossam)

Seit Wochen protestieren Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Kairo. Heute will die Polizei damit beginnen, zwei große Protestlager zu räumen. Die Stimmung ist aufgeheizt; Ausschreitungen will die Polizei vermeiden.

Nach dem Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan wollen die ägyptischen Sicherheitskräfte die Dauerproteste gegen die Entmachtung des islamistischen Staatschef Mohammed Mursi beenden. Er war am 3. Juli nach wochenlangen Massenprotesten seiner Gegner in einem Staatsstreich abgesetzt worden. Seitdem demonstrieren Mursis Anhänger und fordern seine Wiedereinsetzung als Präsident.

Vor der Rabaa al-Adawija-Moschee und auf dem Nahda-Platz sind große Protestlager entstanden. Von hier aus versuchen die Mursi-Anhänger weitere Unterstützer für einen Anti-Coup zu mobilisieren. Die beiden Lager sollen nun geräumt, der Dauerprotest beendet werden. Der Einsatz wurde im Innenministerium der Übergangsregierung beschlossen.

Keine Räumung über Nacht

Die Unruhen in Ägypten forderten viele Tote. (AFP/Fayez Nureldine)Die Unruhen in Ägypten forderten bereits viele Tote (AFP/Fayez Nureldine)Die Sicherheitskräfte würden ihre "abgestuften Schritte" gegen die beiden Protestcamps vorab ankündigen, sagte ein Vertreter des Ministeriums. Die Dauerproteste von Islamisten in Kairo sollen ohne Blutvergießen beendet werden - die Räumung könne wegen des erwartbaren Widerstands bis zu drei Monate andauern, hieß es. Die Islamisten verstärkten derweil ihre Barrikaden rund um ihr Zeltlager, die Sicherheitskräfte die Blockaden.

Um eine Räumung zu ermöglichen, soll zunächst der Zugang zu den Protestlagern blockiert werden, sodass niemand mehr hineinkomme. Anschließend werde die Polizei die Protestierenden auffordern, die Camps zu verlassen. Dieser Prozess werde zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen. Als einen weiteren Schritt solle das Wasser abgedreht und dafür gesorgt werden, dass keine Lebensmittel mehr in die Zeltstadt gelangen.

Als in der Zeltstadt am Sonntag vorübergehend der Strom ausgefallen war, hieß es zuerst, dies könne der Beginn der Polizeioperation sein. Regierungsbeamte versicherten jedoch, es handele sich um einen "ganz normalen Stromausfall", wie ihn die Bewohner von Kairo häufiger erleben.

Kampf gegen Terroristen auf dem Sinai

Während sich die Lage in der Hauptstadt Kairo zuspitzt, wird der Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel zum Schlachtfeld. Hubschraubern der ägyptischen Armee hatten gestern mehrere Ziele östlich der Provinzhauptstadt Al-Arisch beschossen. Ein Armeesprecher erklärte, bei dem Angriff seien "25 Terroristen getötet oder verletzt" worden.

Ägyptens Präsident Mursi in einer Fernsehansprache: "werde nicht zurücktreten" (picture alliance / dpa / Ismael Mohamad)Mursis letzte Fernsehansprache als Präsident (picture alliance / dpa / Ismael Mohamad)Unweit des Angriffs wehte am Vortag die schwarze Fahne des Terrornetzwerks Al-Kaida, als Angehörige und Anhänger vier Dschihadisten zu Grabe trugen. Sie waren tagszuvor bei einem Luftangriff getötet worden, der Israel zugeschrieben wird. Inoffiziell hieß es in Ägypten, es habe vor dem Angriff Kontakt zwischen den Verantwortlichen in beiden Ländern gegeben. Die Unterstützer Mursis verurteilten die "israelische Terroroperation" und nutzten den Vorfall für erneute Kritik an der Militärführung. Während der Regierungszeit der islamistischen Muslimbrüder hatten militante Salafisten ihren Einflussbereich in dem Gebiet an der Grenze zu Israel ausgedehnt.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr