Prozess gegen Timoschenko erneut verschoben

Ukrainische Regierung wirft der kranken Ex-Regierungschefin vor, zu simulieren

Julia Timoschenko (dpa / picture alliance / Aleksandr Prokopenko)
Julia Timoschenko (dpa / picture alliance / Aleksandr Prokopenko)

In der Ukraine ist der Prozess gegen die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko wiederholt verschoben worden. Grund ist ihr schlechter Gesundheitszustand. Der Oppositionsfüherin drohen wegen angeblicher Steuerhinterziehung und Veruntreuung zwölf weitere Jahre Haft.

Vor der Wiederaufnahme des Prozesses gegen Julia Timoschenko schießt sich die ukrainische Führung immer stärker auf die inhaftierte Ex-Regierungschefin ein. Die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch wirft der kranken 51-Jährigen vor, sie simuliere. Und damit geraten auch die deutschen Ärzte von Timoschenko ins Visier der Regierung. Der Vorwurf: Lutz Harms, der die Oppositionsführerin betreut, lasse sich von Timoschenko für passende Diagnosen bezahlen.

Seit dem Ende der Fußball-Europameisterschaft geht die Regierung von Janukowitsch damit deutlich schärfer gegen ihre Gegnerin Timoschenko vor. Ukrainische Ärzte schickten einen offenen Brief an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die neutrale WHO solle doch bitte die Behandlungsmethoden der deutschen Mediziner bewerten. Die staatliche Nachrichtenagentur Ukrinform verbreitete, dass in Timoschenkos Dusche weggeworfene Medikamente gefunden wurden.

Anwalt: Timoschenko leidet an Hautkrankheit

Unterdessen meldet Timoschenkos Anwalt, seine Mandantin leide an einer unbekannten Hautkrankheit, die eine Behandlung ihres schweren Bandscheibenvorfalls unmöglich mache. Die Rückenschmerzen würden sich deshalb weiter verschlimmern, so Sergej Wlassenko.

Der Prozess gegen Timoschenko wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung in Millionenhöhe soll nun am 31. Juli fortgesetzt werden. Das entschied ein Gericht in der Stadt Charkiw. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Hunderte Anhänger wie auch Gegner der Politikerin. Es kam zu kleineren Handgemengen, berichteten örtliche Medien.

Ihr drohen zwölf weitere Jahre Haft, sie wurde im Oktober 2011 bereits zu sieben Jahren Straflager verurteilt. Die Vorwürfe sind nach Ansicht des Westens konstruiert. Wegen Timoschenkos Gesundheitszustand wurden die Prozesse bereits zweimal verschoben.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird sich ab 28. August mit dem Fall Timoschenko befassen. Die im August 2011 eingelegte Beschwerde betreffe insbesondere Untersuchungshaft und Prozess, teilte der Gerichtshof in Straßburg mit. Ein Urteil soll erst nach einer mündlichen Verhandlung verkündet werden.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr