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Putin-Gegner wollen weiter demonstrieren

Nach den Demonstrationen und Festnahmen in Moskau

Von Gesine Dornblüth

Die Putin-Gegner wollen weiter demonstrieren. (picture alliance / dpa / Sergei Ilnitsky)
Die Putin-Gegner wollen weiter demonstrieren. (picture alliance / dpa / Sergei Ilnitsky)

Es war ein Tag der Demonstrationen gestern in Russland. In vielen Städten gingen Menschen auf die Straße, die meisten organisiert für Putin. Aber es gab auch Protestkundgebungen, die größte in Moskau auf dem Puschkinplatz.

In Moskau wurden, wie die Polizei mitteilte, alle 250 Festgenommenen noch in der Nacht wieder freigelassen, darunter der Blogger Alexej Nawalnyj und Sergej Udalzow von der Linksfront – zwei Führungsfiguren der Protestbewegung. Ihnen drohen nun Geldstrafen wegen angeblicher Verstöße gegen das Versammlungsrecht.

Die Polizei hatte eingegriffen, nachdem sich einige Hundert Teilnehmer geweigert hatten, den Puschkinplatz nach Ablauf der Kundgebung zu verlassen. Spezialeinheiten der Omon, der berüchtigten Sondereinheiten des Innenministeriums, kesselten die Menge ein und drängten einzelne Gruppen ab. Diejenigen, die sich widersetzten, trugen sie weg.

Offiziell war die Kundgebung "Für faire Wahlen" nur bis 21 Uhr russischer Zeit genehmigt worden. Sergej Udalzow von der Linksfront hatte bereits in seiner Rede vor mehreren Tausend Teilnehmern angekündigt, er werde solange auf dem Puschkinplatz bleiben, bis Putin gehe – und er hatte die Leute aufgefordert, es ihm gleich zu tun. Andere Redner waren damit nicht einverstanden und verließen den Platz. Das Organisationskomitee für faire Wahlen bezeichnete die Festnahmen heute trotzdem einhellig als illegal. Vertreter der Putin-Partei Einiges Russland dagegen rechtfertigten das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Andrei Worobjow, Fraktionsvorsitzender von Einiges Russland, sagte im staatlich gelenkten Fernsehen:

"Die Leute wussten, dass die Polizei eingreifen muss. Das war eine lang geplante Provokation, um die Situation zu eskalieren."

Auch an anderen Orten in Moskau wurden gestern Demonstranten festgenommen – zum Beispiel vor dem Gebäude der Zentralen Wahlkommission. Es befindet sich in der Nähe der Geheimdienstzentrale. Dort waren Versammlungen von vornherein nicht genehmigt worden.

Das Putin-Lager hatte unterdessen gestern erneut seine Jubeltruppen versammelt. Etwa 15.000 demonstrierten vor dem Kreml. Vor den Putin-Anhängern traten wie gewohnt Prominente aus Kultur und Sport auf, so die mehrfache Olympiasiegerin im Eiskunstlauf, Irina Rodnina. Sie forderte die Putin-Gegner auf, ihren Protest aufzugeben:

"Wir haben genug übereinander geredet. Wir müssen ein Team werden und vorwärtsgehen. Wir haben einen Anführer, wir haben einen Haupttrainer, der uns hilft, Russland blühend, stark und geliebt zu machen."

Die Putin-Gegner überlegen nun, wie sie weiter machen. Einige Organisatoren der Proteste wollen darüber heute Abend öffentlich diskutieren. Am kommenden Sonnabend soll bereits die nächste Kundgebung stattfinden. Es geht darum, jetzt nicht nachzulassen, sagt die Journalistin Olga Romanowa, eine der Organisatorinnen;

"Im Mai macht man in Russland keine Revolution, da scheint die erste Sonne und es geht auf die Datscha und alle pflanzen Kartoffeln. Dann kommen die Türkeiurlaube am Strand. Dann geht es erst wieder, wenn einem der Sommer über ist. Wenn uns der Wechsel im März nicht gelingt, müssen wir bis August warten."

Weitere Beiträge bei dradio.de:
Mehr als 550 Festnahmen in Russland - Polizei geht mit Härte gegen Putin-Kritiker vor
Politologe: Putin wird Sündenbock für Wahlfälschungen suchen - Der Russlandkenner Falk Bomsdorf zweifelt an wirklicher Aufklärung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

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