Radiomenschen

Arbeiten im Homeoffice

Ein Laptop steht auf einem Küchentisch - Illustration (imago images / Westend61)
Im Homeoffice kann es recht einsam werden: Die Coronakrise zeigt, dass der Arbeitsplatz für uns als soziale Wesen oft wichtiger ist, als wir zuvor dachten. (imago images / Westend61)

MICHAEL WATZKE, KORRESPONDENT IN BAYERN

Michael Watzke, Deutschlandradio-Korrespondent in Bayern (privat)Michael Watzke (privat)

Wie sieht Ihre Tätigkeit für die Programme von Deutschlandradio aus?
Als Bayernkorrespondent von Deutschlandradio bin ich im ganzen Freistaat unterwegs, von Aschaffenburg im Nordwesten bis Zwiesel im Südosten. Ich berichte über alles, was für Hörer in Niedersachsen oder Brandenburg spannend sein könnte: von Corona-Kurzarbeitern bei BMW in Dingolfing über klagende Kleinkünstler in Kempten bis zum heimlichen Corona-Kanzler Markus Söder.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Dass sie nie langweilig wird. Jeder Tag ist anders. Oft treffe ich Menschen, die so spannend erzählen, dass ich denke: Wahnsinn, dafür werde ich auch noch bezahlt!

Welche Folgen hat die Corona-Krise für Ihre Arbeit und Ihr Privatleben?
Im Homeoffice wird es irgendwann passieren: Ich berichte live im Deutschlandfunk über die Pressekonferenz von Söder – und im Hintergrund ruft eine Stimme: "Papaaa, abputzeeen!" Das ist dann meine Jüngste (2), die gerade lernt, aufs Töpfchen zu gehen. Ihre körperlichen Bedürfnisse mit meinen beruflichen zu verzahnen, das ist die nächste Herausforderung. Wenn ich zu Hause arbeite, betreue ich nebenher meine Älteste (6) bei den Schulaufgaben. Als ich neulich eine Radio-Reportage vorbereitete, schrieb sie ihre erste Geschichte über Hase Kippli. Wir haben uns "high five" gegeben. Das war ein schöner Moment. Wie könnte Ihr Motto für die Zeit nach der Krise lauten? Da gibt’s in Bayern drei passende Grundregeln: "Nix gwiss woas ma ned!", "Schau ma mal, dann seng ma scho!", "Pack‘ ma’s o!"


JANA WUTTKE, REDAKTEURIN HINTERGRUND, KULTUR UND POLITIK

Jana Wuttke, Redakteurin Hintergrund, Kultur und Politik (Martin Hartwig)Jana Wuttke (Martin Hartwig)

Wie sieht Ihre Tätigkeit bei Deutschlandfunk Kultur aus?
Analysieren, erzählen und kuratieren – in täglich neu zu gewichtender Balance. Es ist ein Arbeiten und Denken in verschiedenen Geschwindigkeiten, unterbrochen von vielen Telefonaten, Konferenzen und sonstigen Vermittlungen.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Das Privileg, über die eigene Gegenwart nachzudenken. An einigen Tagen entdeckt man Ideen, die aufregend vorzustellen und schwer zu erklären sind. Wie zum Beispiel: Kann man Beatmungsgeräte selbst bauen? Oder Antimaterie transportieren? Wie die Lösung eines Rätsels führen die Geschichten dann mit vielen Abzweigungen von einer abstrakten Frage zurück in die Welt, die wir kennen.

Welche Folgen hat die Corona-Krise für Ihre Arbeit und Ihr Privatleben?
Auch wenn die Aufbereitung und Einordnung von Fakten und wissenschaftlichen Studien an erster Stelle steht: Die Erfahrung der letzten Wochen hat mir gezeigt, dass das allein nicht ausreicht. Man muss den Hörern die Zeit und die entsprechenden Formate anbieten, wissenschaftliche Fakten selbst zu verstehen. Nicht zu allen Themen kann und muss man Geschichten erzählen. Manchmal reichen auch schon andere Arten des Erzählens: geduldiger, wärmer, leiser, manchmal mit einem offenen Ende. Wie könnte Ihr Motto für die Zeit nach der Krise lauten? In der heutigen Zeit geht die größere Gefahr wohl nicht von dem aus, was Menschen tun, sondern was sie geschehen lassen.


RUTH JARRE, REDAKTEURIN MUSIK

Ruth Jarre, Musikredakteurin (Deutschlandradio / Christian Kruppa)Ruth Jarre (Deutschlandradio / Christian Kruppa)

Wie sieht Ihre Tätigkeit bei Deutschlandfunk Kultur aus?
Als Musikredakteurin bin ich für die abendlichen Konzertübertragungen mitverantwortlich und für die Sendung "Chormusik". Das beinhaltet u.a. Moderation und Interviews, Beiträge und Reportagen. Wir übertragen Konzerte am liebsten live. Die perfekte Mischung aus Schreibtisch und dem echten Leben.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Ich darf mich mit Musik quer durch die Jahrhunderte beschäftigen. Abwechslungsreich und immer neu sind die wunderbaren Konzerte und Begegnungen mit Musikerinnen und Musikern, mit Veranstalterinnen und Veranstaltern. Geschichten von Menschen und ihrer Musik, von Menschen und ihrem Leben faszinieren mich. Diese Geschichten bündele ich und gebe sie in den Sendungen weiter – zusammen mit der Musik und meiner eigenen Faszination dafür.

Welche Folgen hat die Corona-Krise für Ihre Arbeit und Ihr Privatleben?
Das aktuelle Musik- und Kulturleben ist erst einmal zusammengebrochen, was direkte Auswirkungen auf die geplanten Konzertund Musiksendungen hat. Die Künstler haben schnell kreativ andere Möglichkeiten gesucht, suchen und finden immer noch weitere. Auch wir als Redaktion versuchen, neue Plattformen zu bieten. Planen ist schwieriger geworden, Spontaneität größer, Improvisation ist gefragt. – Homeoffice funktioniert auch mehrere Tage am Stück besser als gedacht – und ich sehe meine Familie mal nicht nur im Urlaub den ganzen Tag.

Wie könnte Ihr Motto für die Zeit nach der Krise lauten?
Warte nicht auf morgen.


JÜRGEN KÖNIG, KORRESPONDENT IN FRANKREICH

Jürgen König, Korrespondent in Frankreich (privat) (privat)

Wie sieht Ihre Tätigkeit für die Programme von Deutschlandradio aus?
Als Frankreich-Korrespondent mit Sitz in Paris berichte ich über aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Gesellschaft.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Dass man ein Land wie Frankreich "von innen her" kennenlernt, in seiner Größe ebenso wie in seinen Widersprüchen. Dass man sich immer wieder neu in dieses Land und seine Menschen verliebt (klingt kitschig, aber es ist so!) – obwohl Frankreich manchmal nur anstrengend ist, die ewigen Streiks, Demonstrationen, Blockaden. Darüber nach Deutschland zu berichten, zwingt zu ständiger Auseinandersetzung mit dem Land, aber auch mit sich selbst – das mag ich sehr.

Welche Folgen hat die Corona-Krise für Ihre Arbeit und Ihr Privatleben?
Die Ausgangs- und Kontaktsperre wurde in Frankreich von Anfang an sehr streng gehandhabt. Journalistische Arbeit war bald so gut wie nur noch von zu Hause aus möglich, alle Gesprächspartner einzig per Telefon oder Skype zu erreichen. Also habe ich mein Homeoffice nach Berlin verlegt, wo meine Familie lebt. Über die französischen Medien erlebe ich Frankreich aus der Ferne, telefoniere auch viel mit Pariser Freunden, Bekannten, Kollegen. Es ist anders, aber für eine gewisse Zeit geht es. In Corona-Zeiten mit der Familie zusammenzusein, ist eine große Hilfe.

Wie könnte Ihr Motto für die Zeit nach der Krise lauten?
Abstand halten! Und Nähe suchen, wo es geht – denn ein "nach der Krise" wird es so schnell nicht geben.


MADELEINE DENGLER, REDAKTEURIN KOMMUNIKATION UND MARKETING

Madeleine Dengler, Redakteurin Kommunikation und Marketing (privat)Madeleine Dengler (privat)

Wie sieht Ihre Tätigkeit bei Deutschlandradio aus?
Bei mir laufen die Fäden der Außendarstellung von Deutschlandfunk Nova zusammen. Es geht um Kooperationen und Veranstaltungen, Kampagnenplanung, Bewerbung der Programmschwerpunkte, Produktion von Give-aways oder um Fragen rund um das Corporate Design.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Ganz eindeutig die Vielfältigkeit der Aufgaben. Die Arbeit ist dadurch total abwechslungsreich und ich bekomme die Gelegenheit, mich mit vielen verschiedenen Themen auseinanderzusetzen. Außerdem hat man viel mit den Kolleginnen im ganzen Haus und anderen Gewerken zu tun: von der Rechnungsprüfstelle bis zum Justiziariat, von der Grafikerin bis zum Messebauer.

Welche Folgen hat die Corona-Krise für Ihre Arbeit und Ihr Privatleben?
Neben einem zweiten Bildschirm fehlen mir vor allem die Kollegen: der kleine Schnack am Morgen, der Austausch von Büro zu Büro, der mittägliche Gang in die Kantine. Ansonsten hieß es, zu Hause erst einmal Platz schaffen! Mein Schreibtisch war seit Jahren unter einem Papierberg verschwunden, gearbeitet wurde hier schon lange nicht mehr. – Im Privaten geht es mir wahrscheinlich wie vielen: Am meisten vermisse ich die Begegnungen mit meinen Freunden und meiner Familie, durch die Geschäfte des Veedels zu schlendern, eine Verabredung im Café, im Kino oder in der Kneipe.

Wie könnte Ihr Motto für die Zeit nach der Krise lauten?
Was mir gefehlt hat, das mach ich. Was mir nicht gefehlt hat, das lass ich.


HANNA STEGER, TONTECHNIKERIN

Hanna Steger, Tontechnikerin (Hajo Drees)Hanna Steger (Hajo Drees)

Wie sieht Ihre Tätigkeit bei Deutschlandfunk aus?
Ich bin Tontechnikerin in der Studioproduktion. Das bedeutet, ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt, kleine und große Beiträge zu produzieren. Ich nehme Schauspieler, Moderatoren oder Interviews auf, schnippele alles auseinander und bastel anschließend alles noch schöner – teilweise mit O-Tönen, Geräuschen und Musik geschmückt – wieder zusammen. Vom "Kalenderblatt" über "Feature" bis hin zum "Hörspiel".

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Sie ist herrlich abwechslungsreich. Sowohl die Inhalte und Themen wechseln ständig als auch die Menschen um einen herum. Ich mag den kreativen Prozess, der im Team entsteht, wenn Autoren, Regisseure, Schauspieler, Redakteure, Tonleute gemeinsam etwas auf die Beine stellen.

Welche Folgen hat die Corona-Krise für Ihre Arbeit und Ihr Privatleben?
Ich erlebe gerade die Vorzüge einer Festanstellung und bin dafür außerordentlich dankbar. Zwei Wochen im Hausarrest zu verbringen und sich keine Sorgen machen zu müssen, dass diese Krise einen die Existenz kostet, ist sehr beruhigend. Und ich bin gerührt, wie meine Nachbarn und Freunde sich um mich gekümmert haben. Jeden Tag haben sie die schönsten Dinge auf meine Fußmatte gelegt.

Wie könnte Ihr Motto für die Zeit nach der Krise lauten?
Für mich haben kleine Dinge und Gesten an Bedeutung gewonnen. Und mir ist bewusst geworden, dass sich alle Menschen das Gleiche wünschen: sich frei bewegen zu können und gesund zu sein.


Die Fragen stellte Shaniqua Packruhn, Trainee Kommunikation und Marketing