Rauf mit der Mehrwertsteuer!

DLF-Reihe "Streichen, sparen, abkassieren"

Von Christane Wirtz

Die Aufnahme zeigt einen Kassenbon und ein paar Euro-Münzen. (AP)
Die Aufnahme zeigt einen Kassenbon und ein paar Euro-Münzen. (AP)

Auch über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wird nachgedacht. Finanzminister Wolfgang Schäuble könnte dazu den ermäßigten Satz abschaffen oder den allgemeinen Mehrwertsteuersatz raufsetzen.

Eine Windel fürs Kind oder eine Knabberstange für den Hamster? Welche Anschaffung sollte den Staat wohl mehr freuen? Ersteres sollte man meinen, Letzteres aber wird steuerlich begünstigt. Während Eltern auf die Windel 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen, kommen Hamsterbesitzer mit dem ermäßigten Satz, also mit sieben Prozent, aus dem Laden. Die Mehrwertsteuer ist eine üppige Quelle: Rund 131 Milliarden Euro flossen 2008 an den Staat, davon etwas mehr als die Hälfte an den Bund, der Rest an die Länder. Andere Nationen Europas profitieren noch mehr vom Konsum ihrer Bürger: In Dänemark und Schweden liegt der Regelsteuersatz bei 25 Prozent. Nur in Luxemburg und Zypern ist die Mehrwertsteuer geringer als bei uns, da schlägt der Staat nur 15 Prozent auf. An zwei Schrauben könnte Wolfgang Schäuble also drehen: Er könnte den ermäßigten Satz abschaffen oder den allgemeinen Mehrwertsteuersatz raufsetzen.

"Und wie viel bringt´s?"

Variante 1: Das Leckerchen für den Hamster wird teurer. Das Steuerrecht verzichtet ganz auf den ermäßigten Satz für Knabberstangen, Schnittblumen und Zeitungen, alle Waren werden künftig mit 19 Prozent besteuert. Ertrag: 14 Milliarden Euro pro Jahr.

Variante 2: Die Windel wird teurer. Der Gesetzgeber setzt den Regelsteuersatz von jetzt 19 Prozent rauf. Die Erhöhung um einen Prozentpunkt würde dem Staat acht Milliarden Euro bringen.


"Was spricht dafür, was dagegen? Pro und Kontra!"

Für die Erhöhung spricht: Der wichtige Faktor Arbeit würde nicht teurer, sondern nur der Einkauf. Und: Mit ein paar Monaten Vorlauf angekündigt, könnte eine solche Steuererhöhung die Menschen zum Konsum anregen. Schnell noch ein Schnäppchen machen, bevor die Preise steigen. Das kann die müde Konjunktur ankurbeln.

Womit wir auch schon beim Kontra sind. Sind die Preise erst einmal oben, lassen die Käufer das Einkaufen sein, der Konsum sinkt, die heimische Konjunktur schwächelt. Und: Eine höhere Mehrwertsteuer trifft Arme härter. Bei denen geht nämlich das gesamte Einkommen für den Konsum drauf. Nur wer etwas übrig hat, kann das Geld aufs Konto legen und spart sich damit auch die Mehrwertsteuer.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr