Rebellen stürmen Gaddafis Residenz

Aufenthaltsort des libyschen Machthabers weiter unklar

Rebellen in Tripolis (picture alliance / dpa)
Rebellen in Tripolis (picture alliance / dpa)

Nach schweren Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen haben die Aufständischen am Dienstagabend den Militärkomplex Bab al Asisija gestürmt. Fernsehbilder zeigten jubelnde Menschen im Innern der Gadaffi-Residenz. Gaddafi selbst bleibt weiter verschwunden.

Nach zwei Tagen heftig geführter Gefechte haben die libyschen Rebellen am Dienstagabend nun auch die Residenz von Machthabers Gaddafi gestürmt. Bereits am Nachmittag waren sie von zwei Seiten auf den Gebäudekomplex vorgerückt. Wie Deutschlandradio-Korrespondent Peter Steffe sagte, stiegen über dem zentral gelegenen Militärkomplex Bab al Asisija schwarze Rauchwolken auf. Laut Auskunft von Rebellen-Anführern wurde das Gebäude auch mit Raketen beschossen.

Auch in anderen Stadtteilen fanden weiterhin Kämpfe statt. Laut eigenen Angaben kontrollieren die Rebellen aber inzwischen 95 Prozent des Stadtgebiets von Tripolis. Gaddafis Regierungssprecher wiederum behauptete noch am Nachmittag, 80 Prozent der Stadt seien unter Kontrolle der Regierungstruppen.

Entgegen früherer Meldungen befindet sich Gaddafis Sohn Saif al-Islam nicht in der Gewalt der Aufständischen. Er zeigte sich in der Nacht zu Dienstag demonstrativ in einem Hotel in Tripolis, in dem auch viele ausländische Journalisten untergebracht sind. Die Rebellen hatten zuvor mitgeteilt, sie hätten den 39-jährigen Saif am Sonntagabend festgenommen. Ob das stimmt, ist derzeit unklar. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag fahndet nach Saif und seinem Vater Muammar wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bezeichnete es als beunruhigend, dass sich Saif al-Islam unbehelligt auf den Straßen zeigen könne. Schließlich werde er mit internationalem Haftbefehl gesucht, sagte Westerwelle im Deutschlandfunk. Libyens Zukunft werde nur dann positiv sein, "wenn alle Teile der libyschen Gesellschaft integriert werden", sagte Westerwelle weiter. In Libyen gebe es etwa 140 Stämme, die zum Teil sehr unterschiedlich aufgestellt seien.

Auch Markus Kaim, Sicherheitsexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, warnte vor den ethnischen und ideologischen Bruchlinien in der libyschen Gesellschaft. Bei den Aufständischen handele es sich um eine "sehr heterogene Zweckgemeinschaft von politischen Akteuren, die wahrscheinlich nicht viel mehr miteinander verbindet als der Wunsch, das Regime Gaddafi zu stürzen", sagte Kaim im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Man solle zurückhaltend sein mit der Erwartung, dass sich in Libyen schnell eine Demokratie nach westlichem Muster etablieren werde.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr