Rebellen übernehmen Macht in Zentralafrikanischer Republik

Sturm auf Präsidentenpalast

Auf der Flucht: Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, François Bozizé (picture alliance / dpa / epa Hoslet)
Auf der Flucht: Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, François Bozizé (picture alliance / dpa / epa Hoslet)

Dreieinhalb Monate nach dem Beginn ihrer Offensive haben die Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik die Hauptstadt Bangui unter ihre Kontrolle gebracht. Präsident Bozizé ist auf der Flucht, Frankreich verstärkt seine Truppen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Machtübernahme der Rebellen. Ein UNO-Sprecher in New York forderte, die verfassungsmäßige Ordnung in Zentralafrika müsse rasch wieder hergestellt werden. "Ich rufe alle Seiten zu größter Zurückhaltung auf", mahnte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius. In einer in Paris veröffentlichten Erklärung bestätigte er, Staatschef François Bozizé habe die Hauptstadt Bangui verlassen. Noch ist nicht bekannt, wohin er geflüchtet ist - die Demokratische Republik Kongo dementierte mittlerweile die angebliche Ankunft Bozizés.

Die Rebellen hatten am Sonntagvormittag Bangui unter ihre Kontrolle gebracht und den Präsidentenpalast erobert. Ein in Paris ansässiger Sprecher der Séléka-Rebellen sagte, die Aufständischen verteilten sich derzeit auf die gesamte Hauptstadt, um die Sicherheit zu gewährleisten. Unsere Afrikakorrespondentin Susanne Heberer berichtet von zahlreichen Plünderungen in Bangui. Kriminelle, aber auch Rebellen und Ordnungskräfte beteiligten sich demnach an den Beutezügen durch Geschäfte und Privathäuser.

Die UN-Beauftragte in Bangui, Amy Martin, befürchtet eine weitere Eskalation. "Unsere größte Sorge ist, dass sich nun die verschiedenen Ethnien und Religionen hier untereinander bekämpfen, dass sie rauben und plündern", so Martin. "Wir befürchten auch, dass die Stromversorgung weiter unterbrochen bleibt. Und das bedeutet nicht nur Dunkelheit, sondern auch: kein Wasser, weil die Pumpen nicht arbeiten. Das wird schlimm, wenn es in den nächsten Tagen keine Lösung gibt."

Séléka: Finanzielle Unzufriedenheit, nationale Ziele

Am 10. Dezember hatten die Rebellen, die sich selbst Séléka nennen, zu den Waffen gegriffen. Die Gruppe gilt als Zusammenschluss ehemaliger Widerstandskämpfer aus Zeiten des Bürgerkriegs in der Zentralafrikanischen Republik. Séléka wirft der Regierung vor, mehrere zwischen 2007 und 2011 abgeschlossene Friedensabkommen nicht umgesetzt zu haben. Diese sahen unter anderem finanzielle Unterstützung und andere Hilfen für Aufständische vor, die ihre Waffen niedergelegt haben.

Über die Größe der Séléka ist wenig bekannt. Roland Marchal, Experte für Zentralafrikanische Konflikte am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris, schätzt in der in Boston erscheinenden Global Post, dass den Truppen 1000 bis 2000 Kämpfer angehören. Vorwiegend stammen die Rebellen aus dem islamisch geprägten Norden des Landes. Sie verfolgen nach eigenen Angaben keine islamistischen, sondern nationale Ziele.

Die Rebellen nahmen bis Ende Dezember mehrere Städte im dünn besiedelten Norden des Landes ein. Unter internationalem Druck hatten sie ihre Offensive im Januar zunächst 75 Kilometer vor Bangui eingestellt. Am 11. Januar wurde im gabunischen Libreville ein Friedensvertrag unterzeichnet. Später warfen die Rebellen dem Bozizé-Clan jedoch vor, die Vereinbarungen gebrochen zu haben, und setzten ihre Offensive am Freitag fort.

Frankreich erhöht Schutz für seine Bürger

Frankreich mahnte wegen der Krise eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats an. Das Land verstärkte Diplomaten zufolge seine Truppen, um den internationalen Flughafen zu sichern. In der früheren Kolonie leben rund 1200 Franzosen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr