Regime halten noch Stand

Protestwellen in Bahrain, Jemen und Libyen

Ein vom Militär angeschossener Protestler in Bahrain wird zum Krankenhaus getragen (dapd)
Ein vom Militär angeschossener Protestler in Bahrain wird zum Krankenhaus getragen (dapd)

Während in Ägypten der Rücktritt von Präsident Mubarak weiter gefeiert wird, protestieren Regime-Kritiker in Libyen, Jemen und Bahrain. Auch wenn die Protestler dasselbe Ziel haben, sind die Ausgangssituationen in den arabischen Länder völlig unterschiedlich.

In Libyen, so berichtet Jürgen Chrobog im Deutschlandfunk, sei die Armee nicht ein Militär des Volkes wie es in Ägypten der Fall war. Machthaber Muammar Gaddafi habe die Sicherheitskräfte noch hinter sich. So sei ein Camp von Regierungsgegnern durch die geführchtete Chamis-Brigade geräumt worden, wie Peter Steffe im Deutschlandfunk berichtete (Audio mp3). In der libyischen Stadt Maserata seien im Laufe des Tages bei heftigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten weitere acht Menschen getötet worden, sagte Steffe. Unterschiedliche Angaben gibt es zu der Gesamtzahl der bisher getöteten Protestler. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch spricht von 84 Opfern, von offizieller libyscher Seite hieß es, diese Zahl sei übertrieben.

Durch diesen Rückhalt in der Armee sei es viel schwerer, einen Umsturz herbeizuführen. Jürgen Chrobog, ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt, betonte, dass die Lage instabiler werde, je mehr das Volk gegen die Macht aufstehe. Die Opposition hatte gestern zum "Tag des Zorns" aufgerufen. Über Facebook und Twitter wurden die Proteste gegen die Regierung in Tripolis organisiert.

Bahrain: Stimmungsumschwung der Schiiten

ARD-Korrespondent Carsten Kühntopp, der im Deutschlandfunk live aus Bahrains Hauptstadt Manama berichtete, spricht von blutigen Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den Protestlern auf dem Perlen-Platz. Das Militär würde auf unbewaffnete Demonstranten schließen, so Kühntopp.

Als tragisch bezeichnete er, dass die Opposition vor den Protestmärschen zwar Reformen forderte, aber das sunnitische Königshaus weiter respektierten wollte. Nun sei allerdings die Stimmung umgeschlagen: Die schiitische Oppositionsbewegung Al Wefaq lehne Gespräche ab und die Demonstranten fordern den Umsturz des Königs. Ein Dialog sei nur denkbar, wenn die Regierung zurücktrete und die Armee von der Straße gehe, so Kühntopp weiter (Audio, mp3).

Nach dem Polizeieinsatz in Bahrain gegen Tausende Regierungskritiker am Freitag spricht die schiitische Opposition von mindestens drei Toten. Bei der Räumung des zentralen Perlen-Platzes in der Hauptstadt Manama sollen auch zahlreiche Menschen verletzt worden sein.

"Jemen könnte unberechenbar werden"

Für Jürgen Chrobog ist der Jemen das "vielleicht gefährlichste Land" der arabischen Aufständler.Im Deutschlandfunk betonte Chrobog, der vor sechs Jahren im Jemen entführt wurde, dass das Land "entsetzlich arm" sei. Ferner habe der Präsident nur in der Hauptstadt die Macht und El Kaida
sei im Land sehr präsent. Daher werde "die Terrorgefahr vom Jemen in der Zukunft steigen", so Chrobog weiter.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr